Sport | Formel-1
14.06.2017

Steiner: "Die Formel 1 muss das Höchste bleiben"

Günther Steiner ist jener Mann, der hinter dem Team von US-Milliardär Gene Haas steht. Ein Gespräch.

Sebastian Vettel gegen Lewis Hamilton. Ferrari gegen Mercedes. Natürlich ist die Aufmerksamkeit beim Großen Preis von Kanada (20.00 MESZ/live ORFeins, RTL, Sky) auf das Duell um die WM-Krone gerichtet (Artikel unten). Doch rechtzeitig vor dem ersten Saisonrennen in Nordamerika fuhr sich auch das US-Team Haas F1 in den Fokus. In Monte Carlo schafften erstmals beide Fahrer (Grosjean und Magnussen) den Sprung in die Top Ten.

Seit der Saison 2016 mischt der Milliardär Gene Haas (64) mit seinem Team im Milliardengeschäft der Formel 1 mit. Doch wie gründet man ein Team? Wie schafft man den Sprung in die technisch so komplexe Formel 1? Auskunft gibt Günther Steiner, Teamchef von Haas F1, Südtiroler, doch nach eigener Aussage "Weltbürger".

KURIER: Sie gelten als Spezialist, Teams von Null aufzubauen. Worauf kommt es da an?

Günther Steiner: Am wichtigsten sind Leute. Man muss Leute kennen. Wenn ich nicht die richtigen Leute kenne, muss ich Leute kennen, die die richtigen für den Job kennen. Und man muss Leadership geben und die Mitarbeiter tun lassen. Jeder macht einmal etwas falsch. Da muss man Freiraum lassen und erst einschreiten, wenn etwas zu lange falsch läuft.

Klingt nicht einfach.

Wenn man versucht, eine normale Firma mit 100 Leuten aufzubauen, tut man sich schon schwer. Bei einem Formel-1-Team ist das noch viel schwerer. Das Wichtigste ist aber das Budget.

Wie viele Mitarbeiter hat das Formel-1-Team von Haas?

Mit freien Mitarbeitern ungefähr 200. Das ist ungefähr ein Viertel von Mercedes.

Wie ist Gene Haas eigentlich auf Sie gekommen?

Das war umgekehrt. Ich habe einen Geschäftsplan geschrieben und habe versucht, einen Investor zu finden. Ich habe ihn über einen Mitarbeiter eines NASCAR-Teams kennengelernt und gefragt: "Hast du einmal Zeit, ich möchte dir einen Plan vorlegen." Und er hat gemeint: "Ich finde den Plan gar nicht schlecht." Dann haben wir zweieinhalb Jahre geredet, bis er gesagt hat: "Jetzt gehst du eine Lizenz holen."

War der Start von Haas F1 im Jahr 2016 vielleicht ein bisschen zu gut? Seitdem ist nicht sehr viel weitergegangen.

Das würde ich nicht sagen. Wir haben uns weiterentwickelt. Aber das Mittelfeld ist sehr eng zusammengerückt. Ich bin nicht verzweifelt, wir haben sehr gute Arbeit geleistet.

Teamgründer Gene Haas hat gemeint, dass ihn in der Formel 1 schon einiges überrascht hat. Was hat man unterschätzt?

Gene Haas hat unterschätzt, wie hart der Konkurrenzkampf ist und wie weit die Technologie in der Formel 1 ist. Jedes Jahr wird der Standard höher. Man kann hier nicht von Null anfangen und perfekt sein. Von den letzten Teams, die angefangen haben, waren wir mit Abstand die Besten. Aber zufrieden ist man nie, sonst braucht man gar nicht in die Formel 1 kommen. Wenn man hier einmal zufrieden ist, dann ist man innerhalb von zwei Jahren Letzter.

Sie haben schon in vielen Rennserien gearbeitet. Sehen Sie die Formel 1 als Königsklasse?

Natürlich. Es gibt derzeit nichts, was der Formel 1 auch nur nahekommt. In den 80er-Jahren war das noch anders. Da war die Rallye-Weltmeisterschaft von der Technologie her noch höher gestellt.

Tatsächlich?

Absolut. Es gab vollelektronische Differenzialgetriebe, ABS-Systeme, alles mögliche in der Federung drinnen. Aber dann hat irgendwann das Geld gefehlt.

Ums Geld geht es auch in der Formel 1. Wohin soll sich die Serie entwickeln?

Wir müssen aufpassen, dass wir mit der Technik nicht zu sehr zurückgehen, nicht zu viel sparen. Die Formel 1 muss das Höchste des Motorsports bleiben. Wenn wir die ganze Hochtechnologie abschaffen, können wir gleich GP2-Rennen anschauen mit Standardautos. Nur wird dann keiner mehr zuschauen kommen. Aber natürlich sollten wir schauen, dass wir die Kosten unter Kontrolle bekommen. Dann sollte das Feld auch etwas zusammenrücken. Wo wir sind, sind vier, fünf Hersteller, die miteinander kämpfen. Aber die drei großen Teams (Ferrari, Red Bull, Mercedes; Anm.) sind vorne weg. Die schau ich mir auf meinem Computer gar nicht an, die interessieren mich nicht, da kommen wir nicht dran.