Fernando Alonso gastiert mit der Formel 1 in Baku.

© APA/AFP/TOFIK BABAYEV

Formel 1
06/16/2016

Neue Strecke, alte Probleme: In Baku ist Kritik tabu

Mit großen Events rückt Aserbaidschan in den Mittelpunkt. Hinter den Kulissen bleiben die Probleme.

von Florian Plavec

Baku putzt sich heraus. Erstmals für ein Formel-1-Rennen (Sonntag, 15 Uhr), aber wieder einmal, um der Welt zu zeigen, wozu Aserbaidschan fähig ist.

Besonders die Hauptstadt des Landes zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer gilt als Boomtown. Mit (sportlichen) Großveranstaltungen rückt man sich in den Fokus der Weltöffentlichkeit. 2012 veranstaltete man den Song Contest; 2015 wurden mit Pomp und Trara die ersten Europa-Spiele veranstaltet; im Jahr 2020 wird das neu gebaute und 70.000 Zuschauer fassende Nationalstadion in Baku Spielort der Fußball-Europameisterschaft sein (drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale).

Viel Geld

Große Projekte sind in Aserbaidschan leicht zu realisieren. Das Land hat Geld wegen seiner großen Öl- und Gasvorkommen, und das Land wird autoritär reagiert, ganz so, wie es den großen Machern des Sports gefällt, etwa Bernie Ecclestone. Abgesehen davon ist Politik bei einem Formel-1-Rennen tabu, und in Aserbaidschan ist freie Meinungsäußerung sowieso nicht gefragt.

In dem von Ilham Alijew autoritär reagierten Land fehlen grundlegende demokratische Werte. Wahlen und Meinungsfreiheit entsprechen nur selten internationalen Standards. In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen lag Aserbaidschan auf Rang 162 von 180 erfassten Staaten. Zum Vergleich: Österreich lag auf Platz sieben, Finnland war die Nummer 1.

Wenig Menschenrechte

Menschenrechtsaktivisten kritisieren Alijew und seine Regierung für deren hartes Vorgehen gegen Oppositionelle, Menschenrechtler und kritische Journalisten. Volker Beck, Mitglied des Deutschen Bundestages, forderte schon 2012 ein Ende der Vergabe von Großereignissen an despotisch regierte Länder.

Politische Aussagen sind bei der Formel 1 unerwünscht, die Sportler sollen sich ausschließlich auf ihren Sport konzentrieren. Zum Thema wird damit die neue, außergewöhnliche Rennstrecke. 28 Meter unter dem Meeresspiegel führt sie durch die Altstadt; 340 km/h werden auf der mit 2,2 Kilometern längsten Geraden der Formel 1 erreicht; um möglichst viele Sehenswürdigkeiten zu zeigen, wird auf dem zweitlängsten Formel-1-Kurs nach Spa (Belgien) gefahren.

Einer Regierung wie jener Aserbaidschans kommt diese Fokussierung gerade recht: Die weltweit übertragenen Sportveranstaltungen sind propagandistische Eigenwerbung, die zeigt, wie schön, gastfreundlich und fortschrittlich Aserbaidschan sein kann.

Auf Verstöße gegen Menschenrechte und Pressefreiheit wollte Amnesty International schon während der Europa-Spiele 2015 hinweisen. Den Aktivisten wurde die Einreise verweigert.

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