Sport | Formel-1
03.11.2017

Machtspiele in der Formel 1: Ferrari droht mit Ausstieg

Große Veränderungen stehen der Rennserie unter den neuen Besitzern bevor. Der traditionsreichste Rennstall kokettiert mit der schwersten aller Konsequenzen.

Wieder einmal wird sich die Formel 1 verändern. Nach der Übernahme durch Liberty Media planen die neuen Eigentümer mit den Teams die neue Ausrichtung. Die Vorstellungen klaffen weit auseinander.

Am Mittwoch präsentierte die FIA ihre Ideen: Ab 2021 sollen die Motoren technisch einfacher werden, billiger, lauter. Klar ist auch, dass am Konzept des Motors festgehalten werden soll, einem V6-Turbo-Hybridantrieb.

Wegfallen soll die MGU-H-Einheit. Diese bezieht elektrische Energie aus dem Abgasstrang, ist aber sehr komplex aufgebaut. Um die aktuelle Leistung zu erhalten, soll das Drehzahllimit von 15.000 auf 18.000 Umdrehungen pro Minute erhöht werden. Dies bringt nebenbei den erwünschten besseren Sound. Klingt gut.

Nicht ganz billig

"Das Konzept schaut ähnlich aus wie das aktuelle, bedeutet aber eine komplette Neuentwicklung", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff im Gespräch mit auto motor und sport. "Das bedeutet, dass wir zwischen 2018 und 2020 an zwei Motoren gleichzeitig arbeiten müssen." Dies wiederum sei mit hohen Kosten verbunden.

Zwar werden manche Teile ab 2021 tatsächlich billiger werden, etwa Einheitsbauteile wie Batterien, Elektronik oder Motor-Bauteile. An anderen Stellen müsse allerdings viel investiert werden, etwa in die Entwicklung neuer Turbolader oder in eine stärkere MGU-K, die Bremsenergie in elektrische Energie umwandelt.

"Es ist erst eine Vision und noch kein Reglement", sagte Wolff. "Es ist ausschließlich deren Vision und nicht die der Hersteller. Und es ist höchstens ein Startpunkt des Dialogs." Unzufriedenheit mit den Ideen der FIA drückten neben Mercedes auch Renault und Honda aus. Bereits am Dienstag findet das nächste Meeting der Strategiegruppe statt. Diese besteht aus Vertretern von FIA und Formel 1, sowie den fünf Teams Ferrari, Mercedes, Red Bull, McLaren und Williams. Heuer kommt auch noch Force India dazu.

Säbelrasseln

Scharfe Worte fand Ferrari-Präsident Sergio Marchionne: Der 65-Jährige drohte sogar mit dem Ausstieg der Kult-Marke aus der Formel 1, sollte sich der Sport in die falsche Richtung entwickeln. Ferrari ist besonders ein Punkt wichtig: "Die Rennställe müssen sich auch in Zukunft durch ihre Motoren unterscheiden." Und er ergänzt: "Sollten wir Umstände vorfinden, deren Ergebnisse der Erhaltung der Marke und dem Markt nicht zuträglich sind und die die einmalige Position von Ferrari nicht stärken, dann macht Ferrari nicht mit. Ich will nicht weltweit Nascar spielen."

Die US-Rennserie könnte für die neuen Besitzer Vorbild sein. Dort ist jede Veranstaltung ein Spektakel, durch das Reglement herrscht Chancengleichheit – ganz im Gegensatz zur Formel 1.