Sport | Formel-1
27.05.2017

Glitzernder Fürstentummelplatz der Formel 1

Für die Fahrer geht es in Monaco nur um Punkte, für die Teams ist das Rennen die größte Plattform.

Der Grand Prix von Monaco ist ein Paradoxon. Denn was soll an Negativ-Rekorden faszinierend sein? Der kürzeste Rundkurs der Formel 1, die langsamste Kurve, der geringste Rundenschnitt, die wenigsten Überholmanöver, das kleinste Zuschauer-Fassungsvermögen.

Und dennoch übt das Autorennen zwischen den Häuserschluchten die größte Anziehungskraft aus. Monaco ist seit Jahrzehnten das glitzernde Aushängeschild der Formel 1. Ohne das irrwitzige Rennen zwischen den Häuserschluchten, wäre ein Formel-1-Jahr nicht denkbar. Fast jeder Streckenteil klingt nach Motorsport-Mythos: Sainte-Dévote, Casino, Mirabeau, Tabac, Rascasse. Die Piloten rasen mit ihren fast 1000 PS starken Autos Steigungen hinauf, sie zirkeln sich mit nur 40 km/h durch Spitzkehren und beschleunigen aus dem Tunnel heraus auf 280. Fast jeder Fehler endet in der Leitplanke. Aus gutem Grund wird ein Satz von Nelson Piquet Jahr für Jahr aus den Archiven geholt: "Formel 1 fahren in Monaco ist wie Hubschrauber fliegen im Wohnzimmer."

Denn Monaco ist eng. Die Stadt kann sich nur in die Höhe und in die Tiefe ausbreiten. Der Bahnhof liegt tief drinnen im Berg, auch die Parkplätze sind unterirdisch. Die Merchandising-Stände stehen in den schmalen Gassen neben der Rennstrecke, im Fahrerlager drängen sich die Motorhomes dicht an dicht. Daneben jagen die Fans auf einem drei Meter breiten Weg zwischen Zaun und Kaimauer nach Autogrammen. Im Gedränge fiel am Freitag eine Frau samt Rucksack ins Hafenbecken. Die Bedauernswerte blieb unverletzt, ihre gesammelten Autogramme waren zerstört.

Schwimmende Häuser

Red Bull geht seit Jahren einen eigenen Weg. Neben dem Fahrerlager ankert die gigantische Energy-Station, die Hospitality von Red Bull und Toro Rosso, Treffpunkt für Fahrer, VIPs, Sponsoren und Journalisten. 70 Personen arbeiteten 21 Tage lang am Aufbau der 800 Tonnen schweren Plattform. Dann wurde das Floß 60 Kilometer von Imperia (ITA) nach Monaco geschleppt. Auf drei Stockwerken und 2800 Quadratmetern arbeiten 120 Mitarbeiter, hunderte Gäste fanden sich Donnerstagabend zur großen Party ein.

Stolze Yachten

Zweihundert Meter weiter ankert die Ona des russischen Oligarchen Alischer Usmanow. Mit ihren 110 Metern belegt sie auf der Liste der längsten Motoryachten Platz 25. Daneben liegt die Faith, die 180 Millionen Euro teure Yacht von Lawrence Stroll, dem Milliardärsvater von Williams-Pilot Lance Stroll aus Kanada.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 ist jeder dritte der 37.000 Einwohner von Monaco Dollar-Millionär. Der durchschnittliche Quadratmeter-Preis für eine Luxus-Wohnung liegt derzeit bei 100.000 Euro. Das entspricht einem Wohnungspreis von 13 Millionen Euro.

Gerade am Rennwochenende ist Monaco Treffpunkt für die Reichen, die Schönen und jene, die das Glück haben beides zu sein. Angekündigt haben sich unter anderem Fußballstar Neymar (reich), Box-Weltmeister Anthony Joshua (schön) und Supermodel Adriana Lima (reich und schön).

Legendäre Partys

Die Formel-1-Partys von Monte Carlo sind legendär. Jeden Abend fließen Champagner, Cocktails und Bier. Im Paddock, in der Bar La Rascasse oder direkt am Hafen. Neun Piloten können danach zu Fuß nach Hause gehen, sie leben im Steuerparadies: Lewis Hamilton, Valtteri Bottas, Daniel Ricciardo, Max Verstappen, Felipe Massa, Stoffel Vandoorne, Daniil Kwjat, Nico Hülkenberg, Jenson Button.

Für die Fahrer geht es am Ende nur um die 25 Punkte für den Sieg, für die Teams steht in Monaco viel mehr auf dem Spiel. "Medial und als Treffpunkt für die Sponsoren steht Monaco über allem", sagt Bradley Lord, der Kommunikationschef von Mercedes F1. Hier versucht jeder, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Mercedes hat nicht nur das Motorhome aufgebaut. Angemietet wurden zwei Wohnungen in der Stadt und ein Boot, das in der Tabac-Kurve ankert. Insgesamt betreut das Team 150 VIP-Gäste.

Begeisterung überall? Nein. Wieder einmal tanzt Kimi Räikkönen aus der Reihe: "Es ist nicht der schönste Ort, um zu arbeiten. Viel zu eng und hektisch", sagt der Finne, zieht sich in den Nebenraum des Ferrari-Motorhomes zurück und schließt hinter sich die Türe.

"In Monaco kann man nicht alles unter Kontrolle haben."

Toto Wollf, Mercedes-Sportchef

"Monaco ist das Juwel in der Krone der Formel 1."

Eric Boullier, McLaren-Rennchef

"Monaco ist speziell. Wenn man die Wahl hätte ein Rennen zu wählen das man gewinnt – ich würde zweifellos Monaco wählen."

Sebastian Vettel, Ferrari

"Man braucht in Monaco mentale Stärke und Erfahrung."

Lewis Hamilton, Mercedes

"Obwohl ich hier noch nie gefahren bin, kenne ich die Strecke gut. Seit meiner Kindheit fahre ich in Monaco Rennen – am Computer."

Esteban Ocon, Force India

"Man braucht Reflexe und Reaktionen. Wenn man in den Flow kommt, ist man schnell."

Daniil Kwjat, Toro Rosso

"Ich habe noch nie so viel Spaß gehabt. Völlig verrückt, so schnell durch diese Straßen zu fahren."

Kevin Magnussen, Haas

"Wir sind gerne da. Aber es zehrt an den Kräften."

Helmut Marko, Red-Bull-Berater