Familienparty in Kitzbühel

Lehrmeister und Musterschüler: Thomas Muster und Dominic Thiem.
Foto: apa

Der 43-jährige Thomas Muster erinnerte an glorreiche Zeiten, der 17-jährige Dominic Thiem soll diese bald erleben.

Als Thomas Muster vor nunmehr 27 Jahren das erste Mal auf dem Kitzbüheler Sand herumgerutscht ist, war Thiem gerade elf Jahre alt. Nicht Dominic, das größte Talent im österreichischen Tennis. Nein, sein Vater Wolfgang. '"Ich habe das Match im Fernsehen verfolgt", erinnert sich der 38-Jährige. Schön. Und gut. Aber:

Die Leute sind am Montag vor allem nach Kitzbühel gekommen, um Wolfgangs Sohn Dominic bei dessen ATP-Debüt zu bestaunen, das mit einer 4:6-2:6-Niederlage gegen den spanischen Sand-Spezialisten Daniel Gimeno Traver endete. Und die Thiems mussten sich immer wieder mit den Vergleichen mit Muster herumschlagen. Thiem, der neue Muster? Dominic auf Toms Spuren. "Das macht uns nichts aus. Das ist doch eine Ehre", sagt Wolfgang.

Gut. Den 17-jährigen Niederösterreicher darf man auch ruhig mit Thomas Muster vergleichen. Nicht mit dem 43-Jährigen, der am Montag seine Erstrundenpartie gegen den Deutschen Philipp Kohlschreiber mit 3:6 und 0:6 verlor, sondern mit dem 16-jährigen Thomas Muster, der in Kitzbühel 1984 seinen ersten Auftrittsapplaus bei einem ATP-Turnier bekam.

Muster war ein fleißiger Bursche. "Tom war damals schon vollkommen auf Tennis fokussiert. Disco und Partys hat er gemieden", erinnert sich sein damaliger Manager Ronnie Leitgeb, der mit seinem gegenwärtigen Schützling Jürgen Melzer demnächst die US-Tournee bestreiten wird. Nachsatz: "Er ist vergleichbar mit Dominic, nur dass dieser technisch etwas weiter ist, als es Tom damals war."

Hoher Preis

Auch für Thiem, der in der neuen Weltrangliste auf Platz 918 und damit 90 Plätze vor seinem Vorbild Muster steht, gibt es nur Tennis. Discos? "Nein, das ist eben der Preis, den ich zahlen muss."

Alexander Antonitsch, der ebenfalls 1984 sein ATP-Debüt in Kitzbühel gab und heute als Turnierdirektor den Laden schupft, kombiniert: "Muster und Thiem standen bei den Junioren im Paris-Finale. Dominic spielt stark, Tom war damals aber körperlich weiter."

Da kann der Thiem-Trainer Günter Bresnik gar nicht widersprechen. "Dominic ist zuletzt stark gewachsen, der Körper muss sich noch stabilisieren. Auch die Ausdauer muss noch verbessert werden", sagt 50-Jährige, der schon andere österreichische Talente zu Spitzenspielern formte. "Skoff und vor allem Koubek waren in ihrem Alter zwar körperlich weiter, aber schlagtechnisch lange nicht so ausgereift wie Dominic heute. Vom Spiel her ist er praktisch schon soweit wie die Topprofis ."

Harte Arbeit

Thiem musste hart arbeiten. Mit elf, zwölf Jahren stand er vor der Wahl: Aufhören oder die Spielweise zu verändern. "Wir haben die Rückhand auf einhändig umgestellt und seinen Spielstil viel offensiver gestaltet. Es war schweißtreibend, aber Dominic hat es sofort verstanden, worauf es ankommt", erinnert sich Bresnik. Bei einem 12-Jährigen kann man ja noch viel umstellen, aber bei einem 43-Jährigen? Thomas Muster arbeitet verbissen, dass er den Anschluss schafft, sein Aufschlag ist sogar besser als in der Glanzzeit, in der er 1996 die Nummer eins war. "Es sind nur fünf bis zehn Prozent, die mir noch fehlen.", sagt Muster. "Ich will nichts geschenkt und auf der Tour bekomme ich nichts geschenkt. Deshalb spiele ich."

Am Montag sogar noch ein bisschen besser als noch vor neun Monaten in der Wiener Stadthalle.

Wer ist eigentlich der Bessere? Thiem: "Wir haben viele Tie-Breaks gespielt. Diese waren sehr ausgeglichen".

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(kurier) Erstellt am
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