Sport
05.01.2012

England sucht den Handball-Star

4000 bewarben sich für das britische Handball-Olympia-Team. Neun Männer wurden ausgewählt. Zu sehen heute in Tulln.

Im Jahr 2007 hatte Robert "Bobby" White noch nie in seinem Leben Handball gespielt. Er wusste gerade einmal, dass es "an beiden Seiten des Spielfeldes ein Tor gibt, in das man einen Ball werfen muss." Im Juli 2012 wird der 27-Jährige das olympische Handball-Turnier in London mit seiner Anwesenheit bereichern. Als Spieler und Kapitän der britischen Nationalmannschaft.

"Professioneller Sport war immer mein Ziel. Und Olympia mein Traum", sagt Bobby White, der heute in der neuen Tullner Sporthalle das britische Tor hüten und dabei versuchen wird, die vermutlich zahlreichen Würfe der Österreicher zu parieren. Denn das österreichische Nationalteam ist im heutigen WM-Qualifikationsduell mit Großbritannien haushoher Favorit (20.20 Uhr/live ORF Sport+). "Wenn wir nur halbwegs das spielen, wozu wir in der Lage sind, wird es keinen Zweifel über den Sieger geben", sagt Österreichs Teamchef Patrekur Johannesson.

Auf der Insel dreht sich seit Jahren sowieso alles nur um die magischen fünf Ringe, die Olympia repräsentieren. Ihr Olympia. Als Gastgeber ist Großbritannien in den Teambewerben startberechtigt. Der Fußball kehrt dabei für die Spiele in sein Mutterland zurück. Für den Handball-Sport ist es der Gang in ein Entwicklungsland. Im Juni 2010 gelang den Briten der erste Sieg in einem Pflichtspiel.

Casting

Der Weg zum ersten Sieg war ein langer. Um eine einigermaßen wurfkräftige Truppe für Olympia zusammenzustellen, veranstaltete das nationale olympische Komitee gemeinsam mit der TV-Anstalt BBC ein Casting mit dem Namen Sports Giants für Handballer und Volleyballer.

Die Anforderungen: 1,89 Meter Mindestgröße, unter 25 Jahre und eine sportliche Vergangenheit auf semi-professioneller Ebene. "Ich konnte unter alle Punkte einen Haken setzen", erinnert sich Bobby White. Der Sportstudent war bis dahin Fußball-Tormann in einer oberen englischen Amateur-Liga gewesen. "Ich gab dem ganzen eine Chance. Am Tag vor dem ersten Casting hab` ich noch schnell bei Wikipedia und Google nachgelesen, was Handball wirklich ist."

Unzählige Castings später war White einer von neun Athleten, die den Sprung ins olympische Handball-Programm geschafft hatten. 4000 hatten sich beworben. "Wir erkannten rasch, dass uns Fußballer nicht weiterhelfen. Außer Torleuten", sagt Jury-Mitglied Bill Baillie, "aber Rugbyspieler etwa brachten die defensiven Fähigkeiten mit, nach denen wir suchten." Fünf gecastete Spieler sind in Tulln dabei.

Für die britischen Handballer begann eine Reise quer durch Europa, Kooperationen in Dänemark, Engagements auf Island und in Griechenland. White verschlug es 2008 für ein halbes Jahr zu Meister Bregenz. "Manchmal hatten wir Angst, dass er mit dem Fuß ausschießt", scherzt Bregenz-Chef Roland Frühstück. Vor dem Training half White im englischen Kindergarten in Bregenz aus.

Sein Kollege, Christopher McDermott, spielt seit August auf Island. "Ich war immer einer, der nie seine Heimatstadt verlassen hat. Manchmal ist es hart, ich habe meine Ausbildung für Olympia geopfert", sagt der 22-Jährige. "Aber es ist mein Traum."

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