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Sport
02/02/2019

Ein Super Bowl im Schatten des Rassismus

Vor dem Finale im American Football in Atlanta wird der Rassismus im amerikanischen Sport zum Thema.

von Günther Pavlovics

In diesem Jahr bestreitet die US-Band Maroon 5 die prestigeträchtige Show in der Halbzeit des Endspiels. Gastauftritte werden außerdem die Rapper Travis Scott und Big Boi haben. Namhaftere Künstler, darunter Rihanna und Pink, sollen der NFL mit Verweis auf den Umgang der Liga mit Colin Kaepernick abgesagt haben. Pink-Floyd-Mastermind Roger Waters fordert die Künstler auf, bei ihren Auftritten auf die Knie zu gehen.

Er stellte ein Video von einem Konzert in Connecticut auf Facebook, an dessen Ende Waters und seine Bandmitglieder auf die Knie gehen. Weil es erhebliche Kritik an der Entscheidung der Künstler gibt, trotz der Kontroverse um dem früheren Quarterback der San Francisco 49ers aufzutreten, spendeten Maroon 5, ihr Label und die NFL zusammen 500.000 Dollar an eine gemeinnützige Organisation.

In einer Umfrage vor der NFL-Saison stimmten 54 Prozent der Befragten der Aussage zu, es sein unangebracht, während der Nationalhymne zu knien. „Nehmt diese Hurensöhne vom Platz“, hatte es US-Präsident Donald Trump weitaus drastischer formuliert.

Umstrittener Kniefall

So wie US-Präsident Donald Trump das Land spaltet, so spaltet er auch den Sport. Auf der einen Seite stehen Sportler, die sich auflehnen gegen die Zustände in den USA, sich gegen Rassismus äußern, sich zu Bürgerrechten bekennen, sich gegen die demagogischen Töne aus Washington stellen.

Einer von ihnen war Colin Kaepernick. Der Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters führte 2013 San Francisco bis in die Super Bowl. Heute ist er 31 Jahre und arbeitslos. Er und sein Anwalt sehen eine Verschwörung der 32 NFL-Klubs dahinter. 2016 stand Kaepernick bei der Hymne nicht mehr auf, sondern kniete nieder. „Ich werde nicht aufstehen, um der Flagge eines Landes die Ehre zu erweisen, das schwarze Menschen unterdrückt“, erklärte er. In den Monaten davor waren unbewaffnete Afroamerikaner von Polizisten getötet worden.

Donald Trump, damals noch im Wahlkampf, empfahl Kaepernick, sich ein anderes Land zu suchen. Kurze Zeit später hatte Trump die Wahl gewonnen, zuletzt auch mit Unterstützung mehrerer Besitzer von NFL-Teams in Form von großzügigen Wahlspenden. Drei Wochen nach Trumps Angelobung stand Kaepernick zum letzten Mal auf dem Spielfeld.

"Halt den Mund und spiel"

Nach der Super Bowl soll in Philadelphia zwei Wochen lang ein Schiedsgericht tagen, das Kaepernick angerufen hat, wie es ihm lauf Tarifvertrag zwischen NFL und Spielergewerkschaft zusteht. Er will überprüfen lassen, ob System hinter seiner Ausbootung steckt.

Seit zwei Jahren ist Kaepernick aus der NFL verschwunden. Aber sein Protest ist nicht vergessen, hat Nachahmer und Bewunderer gefunden. Im Dezember enthüllte eine Mitarbeiterin der Seattle Mariners, dass der Baseballklub bei der Auswahl der Spieler rassistische Maßstäbe anlege. So wurden lateinamerikanische Spieler als „faul, dumm und blöd“ eingestuft.

Baseball gilt wie Football als Sport der Weißen. Anders Basketball. Die NBA hat als einzige große Liga der US-Sportarten mehr dunkelhäutige als weiße Fans. Das Klima in der Liga und bei den Klubs ist auch liberaler. „Die Spieler sind auch Bürger“, sagt NBA-Chef Adam Silver. Solche Töne hört man im Baseball und Football nicht. Spencer Dinwiddie von den Brooklyn Nets spielt in Schuhen, auf denen ein Bild von Kaepernick zu sehen ist. Und Superstar LeBron James warf Trump vor, sich „einen Scheiß um die Menschen“ zu kümmern. Daraufhin entgegnete Moderatorin Laura Ingraham vom Trump-nahen Sender Fox: „Halt den Mund und spiel lieber“.

James nahm das zum Anlass und produzierte einen Doku-Dreiteiler mit dem Namen „Shut up & dribble“. Bei der Aufarbeitung von Rassismus im Sport kommt auch Mahmoud Abdul-Rauf vor, der Basketballer, der bei der Hymne nicht aufgestanden ist. Am 12. März 1996 suspendierte ihn die NBA – für zwei Tage und ein Spiel. Danach einigte man sich darauf, dass er während des Abspielens der Hymne still beten würde. Das Haus von James in Los Angeles wurde 2017 mit Graffiti beschmiert. James: „Ich bin ein schwarzer Mann, der viel Geld verdient. Und wenn über meiner Tür das Wort Nigger gesprüht wird, weiß ich, dass es noch viel zu tun gibt.“

Die Einladung, bei der Doku „Shut up & dribble“ mitzumachen, lehnte Michael Jordan ab. Einer der größten Stars der NBA-Geschichte lehnt politische Annäherungen kategorisch ab, sagte sinngemäß, dass auch Republikaner Sportschuhe kaufen würden. Und Tiger Woods, Sohn eines Schwarzen und einer Thailänderin, war von Bill Clinton eingeladen worden und einer Gedenkveranstaltung für den ersten schwarzen Spieler in der Baseballliga – doch Woods flog lieber in den Urlaub.