Sport
30.07.2017

Doppler und Horst fürchten um ihre Zukunft

Österreichs Medaillenhoffnungen bei der WM in Wien würden gerne noch lange spielen.

Clemens Doppler, 36, ist der längstdienende europäische Beachvolleyballer auf der World Tour (seit 2001) und gemeinsam mit Alexander Horst, 34, jenes Duo, das am längsten (seit 2012) zusammen spielt. Nach dem 2:0-Sieg zum Auftakt der WM auf der Wiener Donauinsel gegen die Iraner Salemi/ Raoufi können die beiden am Sonntag, 19 Uhr, gegen die Kanadier Nusbaum/Vandenburg den Aufstieg in die K.-o.-Runde fixieren. Im KURIER-Interview sprechen die Routiniers über ihre Freundschaft, ihre Emotionen und ihre Angst vor einem Karriereende aus finanziellen Gründen.

KURIER: Sie sind seit 2001 beim Beachvolleyball. Geht Ihnen der Sand nie auf die Nerven?
Horst: Nein. In der Waschmaschine ist manchmal was. Und manchmal geht es aus der Wäsche gar nicht ganz raus. Das stört mich nicht.
Doppler: Mich auch nicht.

Ihnen taugt das Leben des Beachvolleyballers wie am ersten Tag, oder?
Doppler:
Eher noch mehr. Wenn man älter wird, denkt man mehr nach und erkennt, wie privilegiert man ist. Es gibt so wenige Tage, an denen mich das Trainieren oder das Spielen nicht freut. Nur die Anreise zum Turnier taugt mir nicht.

Clemens Doppler hat einmal gesagt, dass er als Partner schon auch ein ziemlicher "Trottel" war. Wie ist er jetzt?
Horst:
Nicht zu mir. Das war vor der gemeinsamen Zeit.

Sie waren lange vor dem Beginn Ihrer gemeinsamen Karriere befreundet. Leidet die Freundschaft darunter, wenn man professionell zusammenarbeitet?
Doppler:
Nein. Aber dadurch, dass wir so viel zusammen sind, treffen wir uns nicht auch noch in der Freizeit, wenn wir einmal zu Hause bei den Familien sind.
Horst: Wir sind das Team, das am längsten zusammen ist. Aber trotzdem gehen wir auswärts abends gemeinsam Abendessen und frühstücken. Es gibt viele Duos, die nur noch getrennt unterwegs sind.
Doppler: Unser Trainer Robert Nowotny ist nach dem ersten Jahr dazugekommen. Es ist eine sehr stimmige Gemeinschaft. Das wird mit dem Alter immer wichtiger. Der Hauptgrund, warum viele ihre Karriere beenden, ist der Kopf. Irgendwann kommt der Punkt, an dem es dich nicht mehr freut. Wenn du es schaffst, dass du im Team eine Gaudi hast, dann hast du eine coole Zeit miteinander.

Wie sieht es mit der Karriereplanung nach dem WM-Jahr aus? Horst: Jetzt kann ich es ja sagen: Olympia 2024 werden wir zum Abschluss noch machen (Anmerkung: lacht schelmisch).

Hatte die Vergabe der WM an Wien Einfluss, dass Sie nach den Olympia 2016 weiter gemacht haben?
Doppler:
Nein. Weitergespielt hätten wir beide. Aber im Verband wollte man ein neues Projekt aufziehen und uns trennen. Vielleicht hätte es uns ohne die WM nicht mehr gemeinsam gegeben.
Horst: Sofern es finanziell möglich ist, möchte ich nicht vor Tokio 2020 aufhören. Wenn sich die World Tour aber weiter so nach unten entwickelt, wird es nicht mehr leistbar sein. Ich habe eine Familie und muss auch Geld verdienen. Ab einem gewissen Alter kann man nicht mehr mit null aussteigen.

Wie abhängig sind Sie vom Preisgeld, das auf der Tour stark gesunken ist?
Doppler:
Letztes Jahr haben wir circa pro Person etwas mehr als 30.000 Euro brutto an Preisgeldern verdient. Heuer wird es deutlich weniger. Für den fünften Platz in Den Haag haben wir gemeinsam 3000 Dollar Brutto bekommen. 3000!

Ihr Betrieb ist abgesichert durch Förderungen und Sponsoren. Bleibt das Preisgeld übrig?
Doppler:
Genau. Aber wir wissen bis Juni nicht, ob wir gewisse Förderungen bekommen. Also, ob wir uns bei gewissen Turnieren zum Beispiel einen Physiotherapeuten leisten können.

Ihre weitere Karriere hängt also vom Finanziellen ab?
Doppler:
Ich habe das Gefühl, dass wir aus den Förderungen herausfallen, wenn wir bei der WM nicht etwas wirklich Großes gewinnen. Ich bin 36, Alex 34. Trotzdem sind wir jene, die in Österreich die Besten sind. Wenn die Förderungen wegfallen, die Einnahmen beim Preisgeld geringer werden und dann vielleicht auch noch ein oder zwei Sponsoren aussteigen, dann muss man es sich überlegen. Von den Leistungen her bräuchten wir uns keine Gedanken machen.

Erstmals findet mit der WM ein großes Turnier in Ihrem Wohnort statt. Schlafen Sie zu Hause?
Doppler: Ich gehe ins Hotel. Ich komme sonst nicht in den Turnier-Modus. Ich kann nicht nach dem Frühstück die Wäsche aufhängen und dann am Center Court gegen Alison/Bruno spielen.
Horst: Mir ist es egal. Ich schlafe zu Hause.

Wie sieht das Ziel aus?
Doppler:
Nur die Medaille zählt. Nein. Wenn wir gut spielen, dann können wir ganz weit vorne sein. Eine Medaille ist möglich. Wir haben gegen alle Favoriten gewonnen und wissen, dass wir es drauf haben.

Horst: Zurzeit spielen wir auch wirklich gut. Das habe ich mir schon im Trainingslager gedacht. Der Zweitagesrhythmus ist auch gut für uns. Ich glaube, alles ist möglich.

Gibt es Entwicklungen, die man sich von anderen Teams abschauen kann?
Doppler:
Es gibt die Entwicklung, dass alle immer größer werden. Aber das können wir uns nicht abschauen.
Horst: Es wird auch schneller gespielt. Es spielen mehrere Teams Kombinationen, wie wir sie schon länger spielen. Also schnelles Aufspiel oder öfter auch schon auf den zweiten Ball angreifen.

Alexander Horst ist bekannt für Psychospielchen auf dem Platz. Was macht man da?
Horst:
Das kommt darauf an. Es gibt Teams, da legst du dich lieber nicht mit dem Gegner an. Das geht hauptsächlich mit Blicken oder deppert anlachen. Aber ich bin schon viel ruhiger geworden.

Zurückblickend auf Ihre Karrieren: Was fehlt Ihnen noch?
Horst:
Medaillen bei Olympia und WM. Und sehr gerne würde ich noch ein Major-Turnier gewinnen.