Sport
17.07.2012

Doppler: "Irgendwas muss ich richtig machen“

Der zweifache Europameister Clemens Doppler ist zum dritten Mal für Olympia qualifiziert und freut sich auf Klagenfurt.

Clemens Doppler liegt im Sand des Klagenfurter Strandbades und begräbt seinen Traum von den Olympischen Spielen 2004 in Athen.  Wie ein Häufchen Elend verlässt der 23-Jährige Steyrer den Platz, auf dem er sein lädiertes Knie einem Belastungstest unterziehen wollte. Es hielt nicht stand. Zwei Wochen zuvor hatte sich Doppler das vordere Kreuzband gerissen. Mit einer Schiene und großen Hoffnungen wollte er zu seinen ersten Olympischen Spielen nach Athen reisen.

Zerplatzt der Traum, gerissen die Bänder.

2012 hat sich die Geschichte zum Positiven gewendet. Clemens Doppler hat sich bereits zum dritten Mal für Olympia qualifiziert. Im KURIER-Interview spricht er vor seinem morgigen ersten Auftritt beim Grand-Slam-Turnier in Klagenfurt über seine Leidensgeschichte, seine Erfolgsstory und die Handschrift seiner Freundin.

Ist die Qualifikation für London das versöhnliche Ende Ihrer schwierigen Olympia-Geschichte die mit dem verletzungsbedingten Ausfall 2004 begonnen hat?
Sie ist auf jeden Fall eine Bestätigung für die vielen Trainingsstunden. Ich habe mich jetzt 2004, 2008 und 2012 mit verschiedenen Partnern qualifiziert. Irgendwas muss ich richtig gemacht haben.

Wie groß war die Erleichterung im Moment der Olympia-Qualifikation?
Riesig. Es hat keiner damit gerechnet, als wir im Flieger nach Moskau gesessen sind. Ich habe am Abend vor dem entscheidenden Spiel gegen die Mexikaner, die alle Favoriten davor abgeschossen haben,  fast ein Magengeschwür bekommen, weil Olympia so wichtig ist.

Was ist in London möglich?
Alex war 2008 mit Flo Gosch Fünfter, ich mit Peter Gartmayer Neunter. Wir wollen nicht nur dabei sein. Auf dem Papier ist Olympia das leichteste Turnier, weil nur zwei Brasilianer und zwei Amerikaner und zwei Deutsche dabei sind.  Wenn wir so gut spielen, wie wir es können, dann haben wir wirklich eine Chance auf eine Medaille.

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zu Olympia nachdem Sie sich kurz vor Athen 2004 schwer verletzten?
Das ist schon noch im Hinterkopf. Der Kreuzbandriss war das erste, an das heuer nach der Qualifikation gedacht habe. ’Wie viele Turniere sind noch, was kann noch passieren?’   

Sie waren in den ersten Jahren ihrer Karriere fast immer in den Top-Ten. In den letzten zwei Jahren fast nie. Wie gehen Sie mit Erfolg und Misserfolg um?
Je älter ich werde, desto schlechter kann verlieren. Für einen jungen Spieler ist es leichter zu ertragen, wenn du den Sommer nicht daheim bist und 17. wirst. Je älter man wird, desto mehr entbehrt man und desto mehr stellt man den Zeit-Nutzen-Faktor infrage.

Ist Alex Horst der perfekte Partner für Sie?
Perfekt wäre Phil Dalhausser. Mit dem gewinnst du ganz sicher Turniere. Aber in Österreich ist es Alex auf jeden Fall. Wir kennen uns ewig, haben schon bei den hotvolleys gemeinsam gespielt und er so viel Erfahrung, dass man nicht viel über ein Aufspiel zum Beispiel reden muss. Er weiß es einfach.

Weil er Verteidigungsspieler ist, müssen Sie blocken.
Das Problem ist, dass die Blockspieler auch meistens anserviert werden und damit doppelt so viel springen müssen. Das ist viel anstrengender. Das habe ich in den letzten Jahren nicht gehabt, deshalb verstehe ich meine Ex-Partner viel besser.

Welche Auswirkungen hat die Wirtschaftskrise auf Sportler, die fast nur von Sponsoren und kaum vom Preisgeld leben?
Das Preisgeld ist nur Taschengeld. Wir müssen jetzt um Beträge mit Sponsoren verhandeln, über die man früher nicht einmal nachgedacht hat. Es ist viel schwieriger geworden, neue Sponsoren zu finden.

Stagniert Beachvolleyball?
Heuer hat es nur von der Anzahl der Turniere stagniert. Aber es gibt so viel Preisgeld wie noch nie. Die Grand-Slam-Turniere werden sich immer mehr an Klagenfurt orientieren.  Die einzige negative Entwicklung, die ich in Klagenfurt bemerkt habe, ist, dass wenn du am Mittwoch nach Klagenfurt kommst, schon alle angesoffen sind.  Das Publikum ist viel jünger geworden, es hat viel mehr Festival-Charakter bekommen. Früher sind mehr Fans wegen des Sports gekommen.  

Wie sehr muss man sich als Sportler den Sponsoren ausliefern?
Relativ wenig. Es steht zwar im Vertrag, dass man eine bestimmte Anzahl an Tagen zur Verfügung stehen muss, aber wir werden zum größten Teil nur in Klagenfurt ausgeschlachtet, sobald wir ausgeschieden sind. Zum Glück haben wir keinen Sponsor, mit dem ich mich nicht identifizieren könnte.

Haben Sie schon einmal einen Sponsor abgelehnt?
Nein, aber die anderen Sponsoren haben einen Wursthersteller abgelehnt, weil er nicht zu ihnen gepasst hat. Der hätte viel Geld gezahlt.

Zu Ihren Tattoos: Wie wählen Sie Ihre Motive aus?
Ich beschäftige mich sehr damit. Wenn ich Monate lang ein Gefühl habe, dann ist es mir wert, es stechen zu lassen. Das letzte auf dem Unterarm ist zum Beispiel die Handschrift meiner Freundin.  Wenn ich ein Kind habe, dann kommt vielleicht der Name dazu. Und beim Pique-Ass steht 07 und 03 (Anm. Jahreszahlen der EM-Titel). Da fehlt noch eine Jahreszahl. Es  wäre schön, wenn heuer die 12 dazu kommt.

Clemens Doppler: Der Sandmann

Laufbahn
Clemens Doppler wurde am 6. 9. 1980 in Kirchdorf an der Krems geboren. Im Herbst 2001 beendete er seine Laufbahn im Hallenvolleyball und wurde Partner von Nik Berger. 2003 gewannen sie in Alanya. Nach Bergers Karriereende 2005 wurde Doppler auch mit Peter Gartmayer Europameister (2007). Mit Matthias Mellitzer gelang mit Platz 5 das Klagenfurt-Highlight und mit Platz 2 bei der EM 2010 die dritte Medaille. Seit 2012 spielt Doppler mit Alexander Horst.

Klagenfurt
Am Mittwoch beginnt der Hauptbewerb der Damen mit den österreichischen Paaren Schwaiger/Schwaiger, Montagnolli/Hansel und Rimser/ Swoboda.

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