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Sport
12/05/2011

Doping: "Iron Doc" Zoubek verurteilt

Der Wiener Kinderkrebsarzt wurde wegen Weitergabe von EPO zu einer unbedingten Geldstrafe von 19.600 Euro verurteilt.

Der Wiener Kinderkrebsarzt Andreas Zoubek ist am Mittwoch im Bezirksgericht Wien-Josefstadt wegen Weitergabe von EPO an die ehemalige Triathletin Lisa Hütthaler schuldig erkannt worden. Zudem befand Richterin Margaretha Richter den 54-jährigen begeisterten Hobby-Triathleten, der in der Szene als "Iron Doc" bekannt war, für schuldig, das St. Anna Kinderspital am Vermögen geschädigt zu haben, indem er an seinem damaligen Arbeitsplatz bei zwei Athleten eines von ihm mitbegründeten Triathlonvereins 30 Blutuntersuchungen durchführte und diese ebenso wenig verrechnete wie 19 abhandengekommene Packungen des Eisenpräparats Ferrlecit. Zoubek wurde zu einer unbedingten Geldstrafe von 19.600 Euro verurteilt.

Konkret soll der Arzt 2006 und 2007 Hütthaler zweimal mehrere 1.000 EPO-Einheiten überreicht und ihr in einem Fall die verbotene Substanz auch injiziert haben. Da dies vor Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes im August 2008 geschah, wurden diese Handlungen nach dem Arzneimittelgesetz geahndet. Die Richterin folgte weiters den zeugenschaftlichen Angaben Hütthalers, denen zufolge Zoubek ihr zusätzlich um 735 Euro ein Wachstumshormon verkauft und sie schließlich auch zu Dopingzwecken an den Sportmanager Stefan Matschiner weitervermittelt habe.

Zoubek, aber auch der im Vorjahr als "Dopingsünder" zu 15 Monaten teilbedingter Haft verurteilte Matschiner hatten das in ihren Einvernahmen entschieden bestritten. "Warum glaubt jeder der Frau Hütthaler? Sie lügt vom ersten Tag an", fragte sich der mittlerweile nicht mehr am St. Anna Kinderspital tätige Arzt nach der Verhandlung. Nach Rücksprache mit seinem Verteidiger Peter Philipp akzeptierte Zoubek dann jedoch die über ihn verhängte Strafe. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Jenseits von Gut und Böse

Matschiner hatte als Zeuge unter Wahrheitspflicht erklärt, Zoubek habe den Kontakt zwischen Hütthaler und ihm hergestellt, es sei dabei jedoch "nie konkret um Doping gegangen". Was er in dieser Hinsicht "mit der Lisa gemacht habe, war eine Sache zwischen der Lisa und mir". Zoubek habe in ihm, Matschiner, "eine sport- und trainingstechnische Betreuung für die Lisa gesucht, weil Triathleten in der Regel nicht wirklich laufen können".

Beim ersten Treffen habe er der Athletin gleich angesehen, "was da schon seit längeren Jahren im Spiel ist", und ihr daher gleich Doping-Produkte angeboten, die er damals ständig gekühlt im Kofferraum seines Pkw mit sich führte, gab Matschiner zu Protokoll. Von Zoubek habe er nie EPO bezogen, versicherte der Zeuge: "Dazu habe ich ihn nicht gebraucht. Ich hab' EPO aus Kroatien und Slowenien gehabt."

Was die Triathleten des von Zoubek mit ins Leben gerufenen Vereins betrifft, habe er diese niemals mit Präparaten versorgt. "Die waren so weit weg von Gut und Böse, dass Doping auch nichts genutzt hätte. Du machst auch mit Doping aus einem Ackergaul kein Rennpferd", wusste Matschiner.

Der ehemalige Betreuer des des Dopings überführten Ex-Radprofis Bernhard Kohl rechnete im Zeugenstand auch mit seinem früheren Schützling ab. Dieser sei "nicht unbedingt ein intelligenter Bursche". Nachdem er im Oktober 2008 als "Dopingsünder" aufgeflogen sei, habe sich Kohl - offensichtlich im Glauben, von höherer Stelle Hilfe zu benötigen - mit dem niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll getroffen und diesem "bei einer Flasche Wein alles gebeichtet".

"Gratis-Medikationen"

Den angeklagten Arzt wiederum empörte vor allem der Vorwurf, er habe an seinem früheren Arbeitsplatz Medikamente mitgehen lassen. "Ich habe sie nicht genommen und gestohlen", erklärte Zoubek. Bei den Ferrlecit-Packungen habe es sich um "Gratis-Medikationen" gehandelt, die man ihm in einem Sackerl auf den Schreibtisch gestellt hätte. Er habe diese im Übrigen nicht, wie von der Staatsanwaltschaft behauptet, Triathleten zukommen lassen, sondern im Wesentlichen selbst verwendet, da er infolge sportlicher Überanstrengung an Gastritis gelitten habe.

Der inkriminierte Schaden belief sich hinsichtlich der Eisenpräparate auf exakt 123,94 Euro, während sich die 30 Blutuntersuchungen, die Zoubek zulasten des St. Anna Kinderspital durchgeführt haben soll, mit insgesamt 185,68 Euro im Strafantrag niederschlugen.

Aller Unschuldsbeteuerungen zum Trotz wurde "Iron Doc" am Ende nach dem Arzneimittelgesetz und wegen Untreue und Veruntreuung schuldig gesprochen. "Nichts ist so fein gesponnen, dass es nicht kommt an die Sonnen", meinte die Richterin. Sie bescheinigte dem Arzt eine "Sportbesessenheit, die Ihnen das Augenmaß genommen hat".

Ein mitangeklagter früherer Lebensgefährte von Lisa Hütthaler wurde zu 1.400 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er einem befreundeten Läufer 90.000 Einheiten EPO weitergegeben hatte. Die "Randfigur" (Richterin) wollte nach der Verhandlung von der Richterin wissen, ob sie an einen dopingfreien Sport glaube. "Ich bin doch nicht naiv. Ich glaube auch nicht an eine korruptionsfreie Gesellschaft", erwiderte Margaretha Richter.

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