Sport
30.03.2012

Doping: Hoffmann blamiert die NADA

Aufgezeichnete Gespräche der Doping-Verhandlung werfen ein schiefes Licht auf das Richtergremium.

Ein Tonbandprotokoll erregt die Gemüter. Das Protokoll wurde auch dem KURIER zugespielt, darin festgehalten sind die Gespräche der Mitglieder der Rechtskommission der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA), als diese die Urteilsfindung zum Fall des Langläufers Christian Hoffmann, 37, beraten.

Die am 5. Dezember 2011 geheim aufgezeichneten Gespräche verursachen zum Teil höchstes Befremden. Zu Beginn machen niveaulose Witze über Doping in Zusammenhang mit Sexualpraktiken die honorige Herrenrunde, wobei auch Ski-Schönheit Lindsey Vonn Objekt schlüpfriger Fantasien wird.

Dann wird der Fall Hoffmann doch noch debattiert. Ziel ist es offenbar, den Ex-Olympiasieger ordentlich zu bestrafen – also ihm mehr als vier Jahre Sperre zu verpassen. Hoffmann war vorgeworfen worden, Dopingsubstanzen besessen und weitergegeben zu haben sowie in die Blutdoping-Affäre rund um die Blutspendezentrale Humanplasma verwickelt gewesen zu sein.

Wie frisch vom Stammtisch

Zu Wort kommen in den dokumentierten Beratungen der Vorsitzende Gernot Schaar sowie die Mitglieder Alois Schittengruber, Burckhard Thierrichter und Karl Dobianer. Die Experten sind nicht immer einig in rechtlichen Angelegenheiten und argumentieren sich in bemerkenswerter Art und Weise zum Urteil von sechs Jahren Sperre. Ein Auszug aus dem Protokoll:

Thierrichter: "Seid’s zu einer Conclusio kommen, wie man mehr als vier Jahre begründen kann?"
Schaar: "Ja, mehr als 4 Jahre können wir immer sagen, dass er mehrere Delikte hat."
Schittengruber: "Selbst wenn wir die Humanplasma ausklammern, hat er zwei Delikte. (...) Zwei Delikte hat er auf jeden Fall. Also kommen wir über die 4 Jahre drüber, wenn wir wollen."
Dobrianer: "Ja, machen wir 6."
Schittengruber: "Du bist ein Hund..."
Thierrichter: "Mich kotzt das an, wenn sich einer da hinsetzt und mir erzählt von 22 Jahren sauber und so..."

Was eher klingt wie frisch vom Stammtisch denn aus einer unabhängigen Rechtskommission, rief auch Sportminister Norbert Darabos auf den Plan – er fordert Aufklärung und kündigt Konsequenzen an.

Andreas Schwab, seit vier Jahren der Leiter der NADA, verteidigt seine Rechts­experten: "In der Kommission sitzen hochangesehene Personen. Man will sie durch diese gezielte Aktion in Misskredit bringen. Wir werden alle rechtlichen Mittel ausschöpfen."

Schwab selbst ist auf dem Tonband auch zu hören. Er schaut kurz bei der Verhandlung vorbei. Und sagt: "Ich rechne mit eurer Konsequenz." Schwab zum KURIER: "Ja, das habe ich gesagt, aber damit habe ich nur gemeint, dass man endlich zu einem Abschluss kommen soll, weil sich das Verfahren schon so lange gezogen hat."

Christian Hoffmann indes erhofft sich durch diese Aufzeichnungen Rückenwind für seine Berufung gegen seine sechsjährige Sperre. Auch die Anwälte des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) äußerten ihre Empörung und fordern von NADA-Chef Schwab Konsequenzen. Das Tonbandprotokoll sei skandalös. Für den ÖSV sei es selbstverständlich, jedem Verdacht auf Dopingmissbrauch nachzugehen. Dennoch sei es laut ÖSV-Anwalt „gänzlich inakzeptabel, wenn führende Gremien der staatlichen Anti-Doping-Agentur sämtliche Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit mit Füßen treten."

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