Sport
29.12.2017

Dominic Thiem: "Die Nummer eins zählt"

Österreichs Bester spricht über die Ziele für 2018, die abgelaufene Saison, seine neue Liebe und was ihn von seinem Bruder unterscheidet.

Los geht’s. Dominic Thiem bereitet sich bei einem Einladungsturnier in Abu Dhabi auf die Saison vor, wo er als topgesetzter Herr am Freitag einsteigt. Die offizielle Punktejagd beginnt nächste Woche in Doha. Zuvor übt sich Österreichs Ass aber noch in Nachbetrachtungen und spricht über Vorhaben.

KURIER: Sie bereiteten sich zum sechsten Mal im Süden von Teneriffa auf die Saison vor. Lief alles bestens?

Dominic Thiem: Ja, es war eine der besten Vorbereitungen überhaupt dort. Ich habe enorm viele Trainingspartner gehabt, habe sehr viel für die Fitness und mein Spiel getan. Vor allem haben wir an Dingen getüftelt, für die unter der Saison kaum Zeit waren, wie im Bereich des Materials, insbesondere, was die Schläger betrifft.

Zum Sportlichen: Die Kritik war in den letzten Wochen der abgelaufenen Saison sehr hart. Ihr Trainer Günter Bresnik sprach sogar von "Dodeln, die mitreden, obwohl sie keine Ahnung haben". Teilen Sie die Ansicht?

Ich möchte nur sagen, dass die Kritiken eben nicht positiv sein können, wenn ich nicht gut spiele, was der Fall war. Aber bei mir war es eben besonders hart, weil ich die Latte für die Kritiker sehr hoch gelegt habe.

Wo lagen die Gründe für die schlechten Wochen, was tun Sie, um dies 2018 zu verhindern?

Ich habe einfach zu viel gespielt, hatte kaum Zeit für einen guten Aufbau, im nächsten Jahr werde ich in Asien nur das ATP-1000-Turnier in Schanghai spielen. Anstelle der anderen Turniere werde ich zuvor Trainings- und Aufbauarbeit absolvieren, damit ich gestärkt in die Herbstturniere gehen kann.

Nicht mit in Teneriffa war Freundin Kristina Mladenovic, mit der sie zuvor einen zehntägigen Urlaub verbrachten. Stört es Sie, dass so viel über das Liebesdoppel geschrieben wird?

Das lässt sich nicht verhindern, weil schließlich auch Kristina als Tennis-Profi eine Person des öffentlichen Interesses ist.

Wann gibt es ein Wiedersehen?

Das wird es in Australien geben, wo ich ein Einladungsturnier und danach die Australian Open spiele.

Dort spielt auch Ihr bester Freund Dennis Novak in der Qualifikation, der zuletzt beim Erste Bank Open in Wien endlich auch auf der großen Tour aufzeigte. Was trauen Sie ihm nächstes Jahr zu?

Sehr viel. Ich habe mich sehr gefreut über seine Leistungen in der Stadthalle. Für viele Leute war das eine Sensation, für mich nicht. Er hat sich gut vorbereitet auf Teneriffa, ich bin überzeugt, dass er 2018 sein Können öfters abrufen kann.

Mit in Teneriffa war Ihr 18-jähriger Bruder Moritz. Wird es bald in finalen Phasen von Turnieren zum Duell Thiem gegen Thiem kommen?

Er steigt heuer in die ATP-Tour ein. Was er 2018 erreichen kann, kann ich noch nicht einschätzen, weil er bislang auf der Jugendtour unterwegs war. Mir fehlen da die Vergleichswerte zu den Futures, wie er den Umstieg schafft, wird sich bald herausstellen. Aber er hat enorm hart trainiert auf Teneriffa und ist talentiert.

Also ist er ein ähnlicher Typ wie Sie, oder?

Nein, vom Typ her ist er ganz anders.

Wie darf man das verstehen?

Naja, er hält mehr Ordnung, er ist nicht so wie ich, ich bin chaotischer als er.

Das verbergen Sie geschickt. Für den Daviscup ist Moritz freilich noch kein Thema. Ihr Antreten in St. Pölten Anfang Februar gegen Weißrussland ist fix, oder?

Ich werde voraussichtlich dabei sein, weil es in den Turnierplan passt. Ich spiele danach auf Sand weiter.

Sie selbst beendeten die Saison als Nummer fünf. Nun kehren einige Stars zurück, wie schwierig wird es werden, diesen Platz zu halten?

Natürlich kommen einige Stars retour, da ist die Konkurrenz schon größer. Nur glaube ich, dass von den Rückkehrern nur Novak Djokovic sofort wieder ein großer Konkurrent wird. Aber ob ich jetzt Nummer vier oder fünf oder neun bin, ist ziemlich egal. Die Nummer eins zählt, die ist aber noch sehr weit weg.