Sport
30.07.2018

Dominic Thiem als Türöffner für große Tennis-Zeiten

Um den entstandenen Aufschwung zu nutzen, muss sich viel verändern. Der Verband arbeitet daran.

Dominic Thiem hat mit seinen Erfolgen den Weg geebnet und einen kleinen Tennis-Boom ausgelöst. Vor allem die Jungen drängen wieder zum Tennissport. „Es werden Busse mit Kindern aus ganz Österreich kommen“, sagt Kitzbühel-Turnierdirektor Alexander Antonitsch.

Um die gegebene Chance zu nutzen, muss sich einiges ändern, es müssen Synergien genutzt werden. Was steht auf der To-Do-Liste?

Förderungen
Der Österreichische Tennisverband (ÖTV) ist der zweitgrößte Sportverband in Österreich, im Förderranking aber nur bescheidener 14., dass hier Nachholbedarf herrscht, liegt auf der Hand. Vor allem müssen die Kriterien geändert werden: was für andere Sportarten positiv ist, kann für den Tennissport nicht angewendet werden, weil es etwa keine Weltmeisterschaften gibt. Vor allem die Junior-Grand-Slam-Turniere sollten von der Bundessport-GmbH (BSO) angemessen berücksichtigt werden. Nun könnte sich einiges ändern, schließlich ist Ex-Tennis-Profi Clemens Trimmel seit 1. Jänner Geschäftsführer dieser GmbH. „Wir hatten erst am Freitag ein sehr gutes Gespräch“, sagt ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda. Nun hofft man auf eine positive und vor allem rasche Lösung, „damit wir unsere Konzepte auch bald umsetzen können“.

Trainermangel
Für die vielen Jugendlichen gibt es vor allem eines – zu wenig Trainer. Hier will der ÖTV entgegenwirken, mittels Sponsoren und Fördergelder sollen neue Trainer kommen. Allerdings: Ein geförderter Trainer darf nur Österreicher trainieren. „Gerade Thiem hat vom jahrelangen Sparring mit dem Letten Ernests Gulbis profitiert. Auch früher hatten wir internationale Trainingspartner“, sagt Antonitsch. Schweda sieht darin kein Problem: „Die Zusammenarbeit mit der Akademie von Günter Bresnik bietet uns entsprechendes internationales Flair.“

Führungspositionen
Der ÖTV sucht einen Koordinator zwischen dem Verband und der Bresnik-Akademie. Eines sollte aber klar sein: Bresnik und sein Team um Wolfgang Thiem sollten mehr als nur ein Kooperationspartner sein. Immerhin ist der Niederösterreicher nicht nur der beste Trainer Österreichs, sondern er zählt auch weltweit zu den Anerkanntesten. „Es wäre dumm, auf das Know-how dieser Koryphäe zu verzichten“, sagt auch Schweda.

Ausbildungszentrum
Das Bekenntnis zur Südstadt muss verstärkt werden – und daran wird auch gearbeitet. Der Damen-Stützpunkt Linz hat mit Jahresende als Bundesleistungszentrum ausgedient. Auch für die Mädchen soll die Südstadt Hauptzentrum werden. „Früher haben die Mädchen vom Training mit den Burschen profitiert“, sagt Bresnik. Sollten es Jugendliche vor allem aus geografischen Gesichtspunkten nicht in die Südstadt schaffen, können sie bei entsprechenden Leistungen Individualförderungen kassieren.

Ausbildungssystem
Der ÖTV arbeit in dieser Richtung überaus zielgerichtet und schaut sich etwas vom System Red Bull ab. „Wir wollen für alle Jugendlichen, egal welchen Alters, ein einheitliches Ausbildungssystem“, sagt der neue ÖTV-Präsident Werner Klausner. Hier sollen sich Trainer und Landesverbände an ein Leitsystem halten. „Wenn die Jungen dann in die Südstadt kommen, sind sie bereits optimal vorbereitet“, sagt Klausner.

Turnierplan
Mit Future-Turnieren (die werden ohnehin nach einer Reform weniger) ist es nicht getan. Zielführend wären zumindest Challenger-Turniere in Österreich als Plattform für junge Österreicher. „Daran wird gearbeitet“, bestätigt ÖTV-Vizepräsident Raimund Stefanits. Die Diskussionen um die Gerechtigkeit bei der Vergabe von Wild Cards bei den ATP-Turnieren in Wien und in Kitzbühel gibt es so lange, wie es die Turniere gibt.

Mehr Know-how
Der KURIER hatte vor Jahren schon darauf gedrängt, die besten Kräfte ins Boot zu holen. Der neuen ÖTV-Spitze ist dies gelungen. Im Sport-Beirat, dessen Vorsitz Christian Barkmann innehat, Trainer und Wiener Tennisverbandsboss, sitzt auch Gebhard Gritsch, der als Fitnesstrainer großen Anteil an den Erfolgen von Novak Djokovic hat. Weiters dabei: Alex Antonitsch, Wolfgang Thiem, Trainer Michael Oberleitner, Marion Maruska, Thomas Schweda und Raimund Stefanits. Meinungsverschiedenheiten sind dabei erwünscht. „Nur im anständigen Diskurs ohne Eitelkeiten lässt sich für Österreichs Tennissport etwas erreichen“, erklärt Klausner.

Am Montag diskutieren im Sport-Talk auf Servus TV (21.15 Uhr vom Kitzbüheler Center Court) Dominic Thiem, Günter Bresnik, Alexander Antonitsch und Barbara Schett über die Erfolge von Österreichs Topmann und die Nachhaltigkeit.