© EPA/ANTONIO BAT

Reportage
06/18/2020

"Nach 100 Tagen endlich wieder Zuschauer im Stadion"

Lockdown-Lockerung: Dinamo Zagreb lud nach Corona ins Stadion, doch nur 1.682 Fußballfans kamen.

von Uwe Mauch

Und dann bebt das mehr als nur baufällige Stadion neben dem Maksimirpark doch noch aufgrund der Darbietungen auf dem Rasen. Als Dinamos neuer Shooting Star Bruno Petković in der 90. Minute zum 3:2-Endstand einköpfelt, reißt nicht nur Edelfan Davor seine Arme in die Höhe.

Endlich ist sie wieder da, die Freude am Fußball, die keine TV-Geisterspiel-Übertragung vermitteln kann.

Lange war die neue Normalität wie ein destruktiver Gegner nicht abzuschütteln. Gerade einmal 1.681 Zuschauer und Davor wollten am Mittwochabend das erste Heimspiel des kroatischen Serienmeisters nach Corona im „Maksimir“ ansehen.

„Andere Sorgen“

Die größte Sportarena des Landes war zuletzt in der Gruppenphase der Champions League im Herbst drei Mal bis auf den letzten Platz ausverkauft. Heute erinnert sie an Heimspiele der Admira in der Südstadt, das Kräfteverhältnis mit dem Provinzklub Slaven Belupo ist indes mit Red Bull Salzburg gegen den SV Mattersburg zu vergleichen. Nach 37 Minuten steht es daher auch dank Bruno Petković humorlos 2:0.

„Die Leute haben im Moment ganz andere Sorgen“, weiß Davor, der eine Jahreskarte besitzt und das anfängliche Dahinplätschern der Partie mit Engelsgeduld erträgt. „Die einen haben keine Arbeit mehr, die anderen müssen auch am Abend arbeiten, um irgendwie über die Runden zu kommen. Viele haben auch einfach Angst.“

Zur Angst vor dem Virus käme die Angst vor den ständigen Nachbeben in Zagreb. Zur Bestätigung seiner These hat das Stadion nur 90 Minuten vor Spielbeginn wieder einmal gebebt, und das nicht wegen jubelnder Fans.

Die Bier- und Popcornverkäufer sind dennoch froh, dass sie endlich wieder ein Einkommen dank des Fußballs haben. Sie sind im Übrigen die einzigen im Stadion, die Masken tragen dürfen. Ja, richtig: dürfen. Denn das Vermummungsverbot ist den Behörden hier viel wichtiger als die Maskentragepflicht.

„Abstand halten“

Immerhin bittet der Stadionsprecher mehrfach, Abstand zu halten. Was außer den Bad Blue Boys, die in ihrem Fanblock auch schon einmal mehr waren, niemand falsch versteht. Teilweise tun sich zwischen zwei Zuschauern fünf und mehr Reihen auf.

Kurz vor dem Pausenpfiff hält Marin Leovac, der bei Dinamo Zagreb links in der Viererkette gesetzt ist, zu viel Abstand zu seinem Gegenspieler. Prompt verkürzt die Elf aus Koprivnica auf 1:2.

Ansonsten spielt der Ex-Austrianer eine solide Partie. Nach dem Ausgleich und dem späten Siegestreffer meint Leovac zum KURIER: „Nach 100 Tagen endlich wieder Zuschauer im Stadion, da bin ich sehr happy.“

Dass seinem Verein, der ähnlich wie Salzburg im eigenen Land der Ligakrösus ist, die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen ist, will auch der Verteidiger „nicht abstreiten“. Sieben Runden vor Schluss haben seine Zagreber Blauen 19 Punkte Vorsprung.

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