Sport
15.06.2017

Die Lacrosse-Idealisten holen zum Schlag aus

Die kleine Lacrosse-Community in Wien veranstaltet das größte Turnier Europas. Doch es gibt Probleme.

Eine Weltsportart war Lacrosse nie. Aber immerhin war das Spiel mit den Schlägern, die einem Kescher ähneln, in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts olympische Disziplin. Danach versank der Sport etwas in der Versenkung. Doch in den letzten zwei Jahrzehnten entstand wieder eine kleine aber feine Lacrosse-Community. Zu sehen etwa von Freitag (16. Juni) bis Sonntag auf dem Hellas-Kagran-Platz in Wien, beim größten Lacrosse-Turnier Europas.

Worum geht es beim Lacrosse?

Bei dem Mannschaftssport wird der Ball mit einem Schläger gefangen, getragen und geworfen (Regeln: siehe unten). Allerdings: "Die Damen- und Herren-Version des Sports unterscheidet sich gravierend", sagt Pia-Katharina Klein, Mittelfeldspielerin bei den Vienna Monarchs. "Damen-Lacrosse wird fast ohne Körperkontakt gespielt und ähnelt dadurch eher dem Basketball. Herren-Lacrosse ist ein Vollkontakt-Sport. Die Spieler tragen eine komplette Schutzausrüstung inklusive Helm. Diese Version ist dem Eishockey ähnlich."

Was macht den Reiz dieses Sports aus?

Lacrosse ist ein sehr schneller Teamsport. Der Hartgummi-Ball erreicht bei Torschüssen 120 km/h. "Lacrosse ist aber auch ein Sport, der den Kopf fordert, es braucht viel Strategie", sagt Klein. "Man macht nicht auf haudrauf Tore." Durch schnelle Angriffe entwickelt sich ein agiles Spiel, durch fliegende Spielerwechsel kann das Tempo hochgehalten werden. Zudem werden meist hohe Spielstände erreicht.

Was passiert dieser Tage in Wien?

Die Vienna Monarchs veranstalten zum 12. Mal die Austrian Lacrosse Open, das größte Lacrosse-Turnier auf Vereinsebene (www.vienna-monarchs.com, Eintritt frei). Auf den drei Fußballplätzen der Anlage von Hellas-Kagran (1220 Wien) spielen knapp 300 Spieler und Spielerinnen in fünf Damen-Teams und zehn Herren-Teams um den Sieg. Die Teilnehmer kommen unter anderem aus England, Deutschland, Italien, Slowenien, Polen, Bulgarien und Finnland. Viele nützen das Turnier als Vorbereitung auf die Damen-WM in Sussex/England.

Die Weltmeisterschaft findet nur alle vier Jahre statt. Wird Österreich in Sussex teilnehmen?

Nein. "Offensichtlich wollte der Veranstalter viel Geld verdienen", sagt Pia-Katharina Klein. "Die Teilnahme hätte pro Person 3000 Euro gekostet. Obwohl wir bei der EM zuletzt Achte waren und uns sportlich für die WM qualifiziert haben, haben wir uns entschlossen, aus finanziellen Gründen nicht teilzunehmen."

Gibt es keine finanzielle Unterstützung?

Fast keine. Den österreichischen Verband gibt es seit 2005. Ein Jahr danach wurde erstmals in einer Liga gespielt. Allerdings: Noch gibt es in Österreich zu wenige Vereine (sieben Herren- und vier Damen-Teams) und zu wenige Spieler. Lacrosse ist deshalb nicht als Sport anerkannt und wird auch nicht gefördert. Unterstützung gibt es nur von Klein- und Privatsponsoren.

Wo spielen die richtig guten Teams?

In Kanada ist Lacrosse neben Eishockey eine von zwei offiziellen Nationalsportarten. Vor allem an der Ostküste Nordamerikas wird Lacrosse auf den Unis gespielt. Die besten Teams Europas spielen in Wales, Schottland und England.

Ursprung: Lacrosse wurde von den amerikanischen Ureinwohnern erfunden und 1634 erstmals erwähnt. 1904 und 1908 war Lacrosse olympische Disziplin. 1928, 1932 und 1948 war es bei Olympia Demonstrationssport.
Regeln: Ein Damen-Team hat 12 Spielerinnen (11 Feldspielerinnen, eine Torfrau), ein Herren-Team 10 Spieler (9+1). Das Spielfeld ist 45 x 102 Meter groß, die Tore stehen 14 Meter vor der Outline. Der Ball (Durchmesser 60 bis 75 mm) wird mit dem Schläger gefangen, getragen und geworfen.