Sport
31.03.2012

Der Schweizer, der Don King verdrängte

Richard Schaefer sagte den bekannten Box-Promotoren den Kampf an und ist nun der mächtigste Mann im Hintergrund.

Sein Aufstieg zum mächtigsten Box-Promoter der Welt begann in einem Tümpel. Als der Schweizer Banker und der amerikanische Box-Weltmeister Oscar De La Hoya das erste Mal aufeinandertrafen, rasten sie auf einem kalifornischen Golfplatz in ein Wasserloch. Richard Schaefer hatte Gas- und Bremspedal des Golfcarts verwechselt, De La Hoya nahm es mit Humor.

Die beiden wurden trotzdem Partner. Und der Berner Schaefer stieg innerhalb weniger Jahre zum mächtigsten Mann im Boxgeschäft auf. Heute stellt der Geschäftsführer von "Golden Boy Promotions" die großen Kämpfe in Las Vegas zusammen, hantiert mit den Millionengagen der Fernsehsender und verhandelt mit den Superstars der Faustkampfbranche.

Überleben

De La Hoya ist nicht mehr der "Golden Boy". Der Olympiasieger und mehrfache Weltmeister musste Alkohol- und Drogensucht, Selbstmordgedanken und außereheliche Affären eingestehen. Während der Amerikaner gegen sich selbst kämpfte, hielt Schaefer das gemeinsame Unternehmen am Leben.

2001 hatten sie "Golden Boy Promotions" als Gegenentwurf zu den allmächtigen Promotern Don King und Bob Arum gegründet. Von Boxern für Boxer, nach Vorbild des Filmstudios United Artists. De La Hoya, damals noch aktiv, wollte nicht mehr große Anteile seiner Kampfbörsen an die Schattenmänner im Hintergrund verlieren. Im US-Amerikaner Bernard Hopkins machte er neben anderen Athleten sogar einen seiner früheren K.o.-Bezwinger zum Teilhaber.

Millionen

Schaefer, der zuvor als Vermögensverwalter der Schweizer UBS in Los Angeles De La Hoyas Millionen gewinnbringend angelegt hatte, ernannte er zum CEO. "Ich setzte mich damals mit Oscar und seinen Anwälten zusammen und präsentierte ihnen meine Steuererklärung", sagte Schaefer dem Schweizer Wirtschaftsmagazin Bilanz. "Ich sagte ihnen: `Ich komme nur zu euch, wenn ihr mir das Gleiche zahlt wie die Bank.` Sie schauten sich kurz an – und nickten dann."

Seine Entscheidung hat Schaefer nicht bereut. Den einst mächtigsten Box-Promoter der Welt, Don King, hat er praktisch aus dem Markt gedrängt. Der Exzentriker mit der Starkstromfrisur spielt in Amerika keine Rolle mehr. Der 80 Jahre alte Arum mischt noch ganz oben mit – dank des Filipinos Manny Pacquiao, der neben dem Amerikaner Floyd Mayweather als bester Boxer der Welt gilt.

Mayweathers Kämpfe dagegen veranstaltet bereits Schaefer. "Ich war schon immer sehr aggressiv, was das Geschäft angeht", sagte der Schweizer. "Als ich für den Bankverein noch Vermögensverwalter war, habe ich immer gleich die Milliardäre umworben und mich nicht erst mit den Millionären aufgehalten."

Während seiner Lehre beim Schweizer Bankverein in Bern machte Schaefer ein Praktikum in Los Angeles, mit 27 Jahren kehrte er an die Westküste der USA zurück. Er baute in L.A. die Filiale der UBS auf, kümmerte sich um die ortsansässigen Milliardäre und lernte seine mexikanische Frau Lilia kennen. Sein Neffe Raul war es schließlich, der ihn zum verhängnisvollen Treffen mit De La Hoya auf dem Golfplatz mitnahm. Raul und der Boxstar waren gemeinsam in East L.A., dem Armenviertel von Los Angeles, aufgewachsen. "Nicht in den wildesten Träumen hätte ich gedacht, je ins Boxbusiness einzusteigen", erzählte Schaefer dem Sonntags Blick.

Den Respekt in der Branche hat er sich mit Schweizer Beharrlichkeit hart erarbeitet – auch wenn ihm für immer der Stallgeruch fehlen wird. "Als Banker verstehst du nichts von Boxen – das höre ich immer wieder. Es ist nur gut, wenn man unterschätzt wird", meint Schaefer. Er hat derzeit mehr als 50 Boxer unter Vertrag, unter ihnen die Weltmeister Hopkins und Saul Alvarez (Mexiko), Ex-Champion Erik Morales (Mexiko) und die Stars Amir Khan (Großbritannien) und Victor Ortiz (USA).

Und natürlich promotet er Mayweathers Kämpfe. Den Superfight gegen Pacquiao konnte bisher aber nicht einmal Schaefer auf die Beine stellen – es könnte sein Meisterstück als Promoter werden. Derzeit sieht es zwar nicht gut aus. Aber das sah es damals im Wassertümpel auch nicht.