Vierzig Jahre an der Macht: Bernie Ecclestone wird nicht müde.

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Sport
09/11/2016

Der Altspatz pfeift auf die Pension

Der Brite soll die Formel 1 leiten, bis er 89 ist – was er verdient, wie er lebt und wie er tickt.

Bernie Ecclestone soll doch noch drei Jahre bleiben, um den künftigen Formel-1-Boss Chase Carey in die Geheimnisse der lukrativsten Motorsportserie der Welt einzuweihen. Der US-Amerikaner Chase ist mit seinen 62 Jahren ein Jungspund im Vergleich zum Briten, der am 28. Oktober 86 Jahre alt wird. Falls er sich 2019 wirklich aus der Formel 1 verabschiedet, ist er flotte 89.

Die Geschichte von Bernard Charles Ecclestone begann 1930 in Ipswich, wo er als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren wurde. Aufgewachsen ist er im Londoner Stadtteil Bexley, wo er bei den Stadtwerken arbeitete, nachdem er die Schule abgebrochen hatte.

Die Liebe zum Motorsport machte aus der Geschichte von Bernard Charles die Erfolgsgeschichte von Bernie Ecclestone. 1958 scheiterte er zwei Mal an der Qualifikation für ein Formel-1-Rennen. Wenn er schon nicht am Steuer eines Autos reüssieren konnte, so setzte er sich an die Hebel der Formel 1. Er war Besitzer und Manager zweier Teams, war auch Manager der tödlich verunglückten österreichischen Formel-1-Legende Jochen Rindt. Das große Geschäft startete er Anfang der 70er-Jahre mit der Vermarktung der Formel 1. Immer verschachtelter wurde das Konstrukt, immer neue Teilhaber hatte er, um die Rechte, die dem Dachverband des Automobils FIA (Federation Internationale de l’Automobile) gehören, an TV-Anstalten und Werbepartner zu verkaufen.

2001 machte er den Vertrag für das große Geld. 360 Millionen Dollar hat Ecclestone für die Vermarktungsrechte der Formel 1 gezahlt und zwar für einhundert Jahre beginnend mit 2011. 15 Jahre nach Vertragsunterzeichnung waren die Rechte der US-Gruppe Liberty Media acht Milliarden Dollar wert – fünf Prozent der Rechte lagen bei Ecclestone.

Was treibt Bernie Ecclestone an, dass er mit 85 Jahren nicht den wohlverdienten Ruhestand genießt.

Mächtige Freunde

Geld, Macht, Anerkennung. Das Große Goldene Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, das er 2000 erhielt, ist wohl einer der kleineren Antriebe. Er wurde in seinem Leben nicht nur von Riess-Passer und Schüssel geherzt. Er ist mit Russlands Staatschef Putin auf Du-und-Du, bezeichnete diesen als großen Staatsmann und verglich ihn mit Winston Churchill.

Ecclestone ist zum dritten Mal verheiratet. Mit seiner ersten Frau Ivy hat er seine älteste Tochter Deborah, die ihn zum Opa machte und deren Sohn aus Ecclestone einen Uropa machte. Danach war er fast 25 Jahre mit der 28 Jahre jüngeren Slavica verheiratet, einem ehemaligen Armani-Model aus Kroatien. Zusammen haben sie zwei Töchter, Tamara (1984) und Petra (1988). Sie soll er beim Wohnungskauf mit 56 und 83 Millionen Euro unterstütz haben. Die Ehe wurde 2009 geschieden, 2012 gab Ecclestone bekannt, dass er die 38-jährige Brasilianerin Fabiana Flosi geheiratet hat. Diesen Juli wurde seine 67-jährige Schwiegermutter Aparecida entführt und nach acht Tagen befreit. Es wurden 30 Millionen Euro Lösegeld gefordert, aber nach Angaben der Polizei nicht bezahlt. Obwohl es sich Ecclestone hätte leisten können.

Der Milliardär

Rund 70 Millionen Euro bekommt Ecclestone pro Jahr von Ex-Frau Slavica. Dem Ex-Model hatte er einst große Teile des Vermögens überschrieben. Aus steuerlichen Gründen. Vielleicht auch ein Grund, warum er nicht unter den 100 reichsten Menschen der Welt aufscheint, sondern nur auf ein Vermögen von 3,45 Milliarden Euro geschätzt wird. Da konnte er sich die Einstellung des Verfahrens wegen Korruption vor dem Landesgericht München leisten – es kostete ihn 100 Millionen Dollar.