Sport
16.09.2018

Daviscup: Und nun hat Thiem den Matchball

Marach und Melzer unterlagen den Australiern. Heute geht es um den Aufstieg in die Weltgruppe.

Die gute Nachricht: Der österreichische Tennis-Verband und Veranstalter Herwig Straka dürfen auch am Sonntag mit einem vollen Haus auf dem Grazer Messegelände rechnen. Weil Österreichs Doppel, und das ist die weniger guter Nachricht, sein Spiel gestern Nachmittag verloren hat.

Oliver Marach und Jürgen Melzer konnten den Schwung der guten Einzelpartien vom Freitag nicht mitnehmen. In einem Doppel mit einem Durchschnittsalter von 35,5 Jahren sahen der 38- und der 37-Jährige gegen Lleyton Hewitt (37 Jahre) und Doppel-Spezialist John Peers (30) vor allem zu Beginn alt aus, am Ende gab es einen 6:1-6:4-3:6-7:5-Sieg der Australier nach 3:03 Stunden Spielzeit. Damit sind heute erneut die Herren Dominic Thiem, der auf Alex De Minaur oder John Millman (11 Uhr, live ORF Sport +) trifft, und Dennis Novak, der im Anschluss voraussichtlich von Jordan Thompson gefordert wird, an der Reihe. Thiem kann dabei den Aufstieg in die Weltgruppe klarmachen. Günter Bresnik kam nicht nach Graz, war aber begeistert von den Leistungen seiner Schützlinge am Freitag. „Das war von beiden sehr gut.“

Einpeitscher

Die Österreicher wurden auch gestern immer wieder vom 80-köpfigen Fanklub ermuntert, der aus dem ganzen Land zusammengetrommelt wurde. „Wir geben Gas, auch wenn es gerade nicht so läuft. Da ist es umso wichtiger“, sagt Chef Stefan Gnadenberger, der auch auswärts immer dabei ist und spätestens bei der vierten Partie der Stimme verlustig wird.

Es lief zunächst wirklich nichts bei Marach und Melzer, man merkte zu Beginn, dass sie wenig eingespielt waren. Beim Steirer Marach gesellten sich zudem Leistenprobleme zur matten Leistung. Und sein Kollege aus Deutsch-Wagram konnte nie an die tollen Doppel-Darbietungen im Daviscup anschließen. Nachdem es 1:6, 4:6 stand, sagte Novak treffend: „Jetzt müssen sie etwas probieren, schlechter kann es nicht mehr werden.“

Umschwung

Und sie probierten. Marach wechselte auf seine angestammte Vorteilsseite. Nach ein paar gelungenen Bällen war sie wieder da, die Euphorie. Wichtig war das Game zur 4:1-Führung, das fast 25 Minuten dauerte – sieben Breakbälle mussten abgewehrt werden. Der vierte Satz war wie der dritte: hochklassig. Die Österreicher brachten ihre Aufschläge mehr oder weniger souverän durch, bei 5:6 war es aber geschehen – Peers nutzte mit einem guten Return den Matchball.

„Am Anfang sind wir kaum in die Returns gekommen, dann klappte es besser“, sagt Melzer. Marach lobte Fans und Gegner: „Schade, dass wir bei dieser tollen Kulisse nicht gewonnen haben. Die Australier waren sehr konstant, vor allem Hewitt hat kaum Fehler begangen.“

Thomas Muster, der einst für heldenhafte Daviscup-Siege verantwortlich war, stand gestern auch im Mittelpunkt: Der 50-Jährige wurde vom Tennis-Weltverband ITF mit einem Commitment Award ausgezeichnet und nahm’s mit Humor: „Einen Kommerzialrat gibt es im Tennis ja nicht. Aber freilich ist es schön.“

Aufstieg

Schöne Zeiten ortet der Steirer auch im Tennissport. „Man sieht, dass die Leute wieder mehr zum Tennis kommen und über den Sport reden, wenn es ein Zugpferd wie Dominic Thiem gibt.“

Also ein neuer Boom? „Ob es einer ist, kann ich nicht sagen. Aber es tut sich jedenfalls wieder etwas“, sagt Muster, der mit Familie wieder in Leibnitz lebt und auch die Veranstaltung lobt: „Toll, dass man auch am Samstag 6000 Leute bewegen konnte, hierher zu kommen.“