Sport 05.12.2011

Damen-Basketball: Neue Leitwölfin

Um im Europacup Erfolg zu haben, haben sich die Flying Foxes aus Schwechat eine US-Spielerin geholt.

Lindsay Wisdom-Hylton ist ein Profi. In der Women's NBA, dem weiblichen Pendent zur nordamerikanischen NBA der Herren, wirft die 25-Jährige ihre Körbe für Chicago Sky. Manchmal auch vor Zehntausenden Zuschauern.

Die österreichische Liga (AWBL) kann der 1,88 Meter großen Spielerin eine solche Kulisse nicht bieten. Hier kann es schon einmal vorkommen, dass das gesamte Publikum mit einem einzigen Minivan anreist.

Dennoch hat es die Profispielerin nach Österreich verschlagen. Um genau zu sein nach Schwechat, zu den SVS Post Flying Foxes. Um noch genauer zu sein in eine kleine Konditorei in Gersthof - zum Interview. "Ich war vorher noch nie hier, natürlich ist es zunächst ein Kulturschock", sagt die Profi-Basketballerin - freilich nicht über die Konditorei, sondern über ihren ersten Aufenthalt in Österreich.

Europacup

Lindsay Wisdom-Hylton soll die Flying Foxes im Europacup unterstützen. Wie lange sie hier die Forward-Position bespielen wird, hängt vom Abschneiden ab. Ihr Vertrag läuft vorerst bis Dezember. Spätestens im Mai muss die Korbjägerin aber wieder zurück in Chicago sein. Dann beginnt die Vorbereitung auf die neue WNBA-Saison.

Bereits zu Schulzeiten brach Lindsay Wisdom-Hylton Rekorde. Als erste Frau der Illionis High School kam sie auf 1000 Punkte, 1000 Rebounds, 500 Assists, 500 Blocks und 500 Steals. Seit 2009 dribbelte sie sich nun bereits durch die NBA der Frauen. Von Los Angeles nach Chicago - 266 Profi-Punkte im Gepäck.

Jetzt also Schwechat.

Im Unterschied zu den amerikanischen Metropolen genießt die niederösterreichische Flughafen-Gemeinde weltweit nicht den Ruf einer Basketball-Bastion. Was führt die erfolgreiche Korblegerin also hier her? Karriereknick?

Im Gegenteil: "Die Liga mag hier nicht so stark sein wie in anderen Ländern, aber ich habe zum ersten Mal die Möglichkeit, im Europacup zu spielen", sagt die Amerikanerin, die sich mit den Foxes bei der Feuerprobe gegen Hainaut (F) knapp geschlagen geben musste (68:75). "Wir müssen daran arbeiten, die Ballverluste zu minimieren, wir entwickeln uns aber mit jeder Partie weiter. Das Spiel in Frankreich hat gezeigt, wie gut wir sein können." Beim Rückspiel in der Wiener Stadthalle (30. November, 20.15 Uhr) wollen die fliegenden Füchsinnen Werbung für den Basketballsport machen.

Wanderjahre

Schwechat ist für die Spielerin, die die Weisheit im Namen trägt, nicht die erste Basketball-Station auf nicht-amerikanischem Boden. In Griechenland (Ravenna Esperides/ Glyfada), Israel (Elitzur Ramla) und Frankreich (bei Europacup-Gegner Hainaut) hat sie bereits Auslandserfahrungen gesammelt. Und die Reise soll weitergehen. "Ich möchte an so vielen verschiedenen Orten wie möglich spielen, alles ausprobieren, sehen und erleben", erklärt die ambitionierte Sportlerin, die Wirtschaft studiert hat und nach ihrer aktiven Karriere als College-Trainerin in den USA arbeiten will.

Deutsch spricht die US-Legionärin nicht. Noch nicht. Die Verständigung mit der zart-rosa gekleideten Kellnerin funktioniert dennoch. "Ich zeige einfach auf das, was ich haben will und lächle", erklärt die Amerikanerin ihr Kommunikationsprinzip. Und siehe da, es funktioniert tadellos. Lindsay Wisdom-Hylton hat die gewünschten zwei Gläser Leitungswasser bekommen.

Sie ist eben ein Profi.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011