Countdown zur Volleyball-EM

EM-Fieber: Michael Laimer (li.) und Daniel Gavan sind bereit.
Foto: Kristian Bissuti

In sechs Tagen beginnt die Volleyball-EM in Österreich und Tschechien. Der KURIER zeigt, was einen Top-Spieler ausmacht.

Jockeys werden sie keine mehr, die sechs Männer, die in der Turnhalle in Steinbrunn am Netz auf und ab springen.

Auch fürs Bodenturnen bringen Simon Frühbauer und Co. wohl nicht die besten körperlichen Voraussetzungen mit - selbst der Kleinste von ihnen (Libero Philipp Kroiss) lässt mit 1,82 Metern noch jede Next-Topmodel-Anwärterin vor Neid erblassen.

Gut, dass die Athleten, die seit viereinhalb Monaten im Burgenland trainieren, ein ganz anderes Ziel vor Augen haben: die EuroVolley 2011. Am 10. September beginnt die 27. Volleyball-EM in Österreich und Tschechien. Sechs Tage vor dem Auftaktspiel gegen Slowenien (Samstag 15.30 Uhr, Wiener Stadthalle) zeigt der KURIER, welche Eigenschaften ein Top-Volleyballer braucht:

1. Größe/Sprungkraft

EM-Fieber: Michael Laimer (li.) und Daniel Gavan sind bereit. Foto: Kristian Bissuti EM-Fieber: Michael Laimer (li.) und Daniel Gavan sind bereit.

Es ist kein Zufall, dass der Größenschnitt im österreichischen Team bei 1,94 Metern liegt. "Eine gewisse Handlungshöhe ist im Volleyball notwendig. Entweder du bist sehr groß oder springst sehr hoch", sagt Teamchef Michael Warm. Schließlich gilt es das Netz in 2,43 Meter Höhe zu überspielen.

Die Besten der Welt heben bis zu 1,40 Meter vom Hallenboden ab und kommen auf eine Handlungshöhe von 3,60 bis 3,65 Meter. Wer das Mindestmaß von 3,40 nicht erreichen kann, sollte eine Profi-Karriere im Volleyball überdenken. Diagonalspieler Michael Laimer (2,07 m) ist der Größte im Kader.

2. Schnelligkeit

EM-Fieber: Michael Laimer (li.) und Daniel Gavan sind bereit. Foto: Kristian Bissuti EM-Fieber: Michael Laimer (li.) und Daniel Gavan sind bereit.

Zwei bis drei Zehntelsekunden vergehen, bis der Ball mit bis zu 100 km/h aus dem gegnerischen Feld geflogen kommt. Da ist geistige und motorische Schnelligkeit gefragt. "Rumpf-stabilität und Koordinationsfähigkeit sind für einen Volleyballer wichtig", weiß der Teamchef.

3. Erfahrung

Das österreichische Team ist jung. Im Schnitt 22 Jahre jung. Keiner der 14 Athleten, die ab 10. September die heimische Volleyball-Ehre verteidigen sollen, hat jemals EM-, geschweige denn WM-Luft geschnuppert. "Spieler, der Höchstklasse sind meist zwischen 26 und 29 Jahre alt. Unser größtes Handicap ist, dass uns die Reife und internationale Erfahrung fehlt,
die es braucht, um erfolgreich zu sein", sagt Michael Warm.

Positiv: Nach Philip Schneider, der beim siebenfachen französischen Meister Montpellier unter Vertrag steht, haben nun auch Peter Wohlfahrtstätter (Antwerpen) und Thomas Zass (Paris Volley) den Sprung in ausländische Ligen geschafft.

4. Soziale Kompetenz

Ein guter Volleyballer ist Egozentriker und Rudeltier zugleich. Er benötigt individuelle Fähigkeiten, muss ständig an der eigenen technischen Perfektion arbeiten. Ein hohes Maß an Sozialkompetenz und die Fähigkeit, sich dem Team unterzuordnen, sind aber zugleich Voraussetzungen für den Mannschaftssport.

"Ein fertiger Volleyballer ist ein sehr rund ausgestalteter Mensch, der danach oft in der Wirtschaft Erfolg hat", sagt Warm. Beispiele sind Ex-Spieler wie Nik Berger oder Oliver Stamm, heute erfolgreich im Management.

5. Strategie

"Volleyball ist wie Hochgeschwindigkeits-Schach. Wir können keinen Sitzkreis bilden und überlegen, was wir als nächstes tun", sagt der Teamchef. Jeder Spieler sollte auch ein Stratege sein, der unter hohem Druck innerhalb von Zehntelsekunden die richtigen Entscheidungen trifft.

Startschuss

Österreich ist keine Volleyball-Nation. Noch nicht. Aber die Warm'sche Auswahl hat sich in den letzten Wochen entwickelt. In einem genialen Moment gelang im August sogar ein Sieg gegen Weltmeister Brasilien (3:1). Gegen Europas Titelverteidiger Polen waren die Kräfteverhältnisse am Freitagabend aber wieder hergestellt: 0:3 endete der Härtetest in Graz. Als Favoriten auf den EM-Titel werden mit Russland, Polen, Bulgarien, Deutschland, Italien oder Serbien aber andere Nationen gehandelt. Noch.

Geht es nach Verbandspräsident Peter Kleinmann, soll die EuroVolley dem Ballsport, der bisher nur einmal im Jahr - im weißen Sand von Klagenfurt - mediales Aufsehen erregte, neuen Aufwind bringen. "Die EM ist nicht das Ziel, sondern der Startschuss."

Und den kann das Team Österreich nach 21 Wochen Training, 14 Freundschafts- und 12 European-League-Partien kaum erwarten.

Mehr zum Thema

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?