Sport | Bundesliga
22.07.2017

Zehn Rapidler verspielen Sieg gegen Mattersburg

Nach Rot für Joelinton gelingen den Wienern in Unterzahl zwei Tore, doch Mattersburg schafft das 2:2.

Bei Temperaturen wie in der Sauna bekamen 17.800 Zuschauer im Allianz Stadion einen heißen Kampf zu sehen. Am Ende gab es für die Rapid-Fans doch noch eine kalte Dusche: Mattersburg holte nach 70 Minuten in Überzahl noch ein 0:2 auf – und zum Start der 25. und letzten Saison mit Zehnerliga einen Punkt bei Rapid.

Trainer Goran Djuricin hatte mit seiner Startelf überrascht. Während Szanto wegen Leistenschmerzen fehlte, saß Schaub auf der Bank. Neben Rekordspieler Steffen Hofmann, der von den Fans mit einer eigenen Fahne gefeiert wurde, lief ein Spätstarter ohne Profi-Erfahrung ein: Eren Keles, 23, wurde links vorne zum unerwarteten Traustason-Ersatz. In der Verteidigung setzte sich Sonnleitner wieder einmal durch. Denn Max Hofmann hatte von seinen körperlichen Beschwerden erst nach dem wackeligen Auftritt im Cup gegen Schwaz erzählt.

Bundesliga 2017/18 - 1. Runde
Rapid Wien SV Mattersburg 2:2 (1:0)
LASK Admira 3:0 (2:0)
Wolfsberger AC Red Bull Salzburg 0:2 (0:1)
SCR Altach Austria Wien So., 16.30 Uhr
Sturm Graz SKN St. Pölten So., 19.00 Uhr

Mattersburg lief erstmals mit Lukas Rath als Kapitän ein – weil der Eigenbauspieler wegen der Malic-Verletzung der Längstdienende bei der zweitbesten Frühjahrsmannschaft ist. Die Gäste waren anfangs giftiger und pressten früh, Rapid schwächelte. Es dauerte 20 Minuten bis zur ersten schönen Kombination, Kuster hielt den Schuss von Murg.

Doppelter Aufreger

Dann wurde es dramatisch. Nach einem harten Foul von Novak ließ sich Joelinton zu einem leichten Tritt mit den Füßen in den Rücken des Mattersburgers hinreißen. Referee Hameter wertete eine Tätlichkeit, obwohl die dafür laut Regelbuch notwendige übermäßige Härte kaum gegeben war: Rot für den Brasilianer, Novak blieb ungestraft. Den Freistoß für Rapid gab es natürlich trotzdem.

Mit rechts schoss Stephan Auer in die Mauer, mit links (und gütiger Mithilfe von Kuster) wurde der Abpraller vom starken Dauerläufer versenkt. Andy Marek durfte in seiner 25. Saison als Stadionsprecher nach 25 Minuten das erste Tor der Saison verkünden.

Während Mattersburg in Überzahl gar nichts einfiel, nutzte Djuricin die Trinkpause nach 29 Minuten zu einer Anpassung: Hofmann rutschte nach rechts, Murg in einem 4-4-1 in die Spitze. Keles und Schwab hatten das 2:0 auf dem Fuß.

Gerald Baumgartner brachte mit Prevljak und Pink früh die Stürmer Nr. 2 und 3. Bis auf einen guten Freistoß von Gruber (53.) fehlte es aber an Gefahr.

Rapid machte es mit einer Eckball-Variante besser: Nach einer Rücklage auf Schrammel setzte sich Max Wöber gegen Rath und Pink durch. Mit Wucht und Köpfchen fiel das 2:0 (57.).

Smail Prevljak machte es wieder spannend. An der Grenze zum Abseits traf der Joker zum 2:1 (74.).

Mit Bürger als viertem Stürmer wirkte sich die Überzahl doch noch aus. Einen Fallrückzieher konnte Strebinger noch abwehren, bei der anschließenden Ecke stand aber Stefan Maierhofer richtig. Aus vier Metern traf der Ex-Rapidler zum etwas glücklichen 2:2 (79.).

Rapid Wien 2:2 SV Mattersburg

Wien, Allianz-Stadion, SR Hameter, 17.800 Zuschauer

Tor: 1:0 Auer (25.), 2:0 Wöber (57.), 2:1 Prevljak (74.), 2:2 Maierhofer (79.)

Rapid: Strebinger - Pavelic, Wöber, Sonnleitner, Schrammel - Hofmann (74. Sobczyk), Keles (82. Bolingoli), Schwab, Auer, Murg (66. Schaub) - Joelinton

Mattersburg: Kuster - Hart, Ortiz (75. Bürger), Rath, Novak (51. Pink) - Erhardt, Ertlthaler (46. Prevljak) - Höller, Gruber, Jano - Maierhofer

Gelbe Karte: Sonnleitner (87.) bzw. Rath (39.), Höller (81.)

Rote Karte: Joelinton (23./Tätlichkeit)

Djuricin: "Ein 2:0 darfst du dir nicht wegnehmen lassen"

Goran Djuricin (Rapid-Trainer): "Ein 2:0 darfst du dir nicht mehr wegnehmen lassen. Wir waren zu tief zweite Halbzeit, wir haben nur mehr verteidigt. Wenn man so tief steht, passiert halt dann oft was. Es hat natürlich wehgetan, dass der ,Joe' (Joelinton; Anm.) uns geschwächt hat mit der Roten Karte, somit haben wir keine Tiefe mehr gehabt. Sonst waren wir zu zehnt eigentlich fußballerisch besser als zu elft."

Zur Roten Karte gegen Joelinton: "Er hat die Absicht gehabt hinzutreten, hingetreten hat er nicht unbedingt ordentlich. Ich hoffe, dass er wirklich nur eine Partie kriegt. Es war unnötig. Er wird eine dementsprechende Strafe bekommen. Aber ich muss hinzufügen, dass Novak Rot bekommen muss, oder wenn es geht Dunkelrot. Da hat der Schiri nicht aufgepasst."

Gerald Baumgartner (Mattersburg-Trainer): "Wir sind natürlich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wenn man vorher gesagt hätte, wir machen einen Punkt, hätten wir es genommen. Aufgrund des Spielverlaufes war es eine sehr spannende Partie. Gott sei Dank sind wir noch einmal so stark zurückgekommen, haben den Ausgleich unbedingt schießen wollen. Wir hatten auch noch die eine oder andere Chance, vielleicht ein drittes Tor zu schießen. Zu kritisieren sind einzig die zwei Standards, die wir bekommen haben."

Maximilian Wöber (Rapid-Verteidiger/Torschütze zum 2:0): "Wenn man 2:0 führt daheim, muss man das einfach cooler über die Zeit bringen und die Partie gewinnen. Es ist klar, dass irgendwann die Kräfte ausgehen, wenn man ab der 25. mit einem Mann weniger spielt. Irgendwann lässt man dann einmal Chancen zu, und die Tore waren dann auch unglücklich. Wenn wir die Partie gewinnen, sagt jeder: Super, Rapid gewinnt mit einem Mann weniger. So sind wir jetzt halt wieder ein bisschen die Deppen."

Stefan Maierhofer (Mattersburg-Stürmer/Torschütze zum 2:2): "Die Art und Weise, wie wir zurückgekommen sind, muss jedem einzelnen Mut machen. Auch wenn der Gegner einen Mann weniger war, aber der Gegner war noch immer Rapid Wien. Für mich persönlich natürlich schön - mein 50. Bundesliga-Tor. Die Hitze ist unglaublich. Da muss man jetzt auch vielleicht an die Bundesliga appellieren. In Deutschland machen sie das Auftaktspiel um 20.00 Uhr am Freitag."