Sport | Bundesliga
08.12.2017

Ungemütlicher Winter für die Wiener Austria

Nach dem Europa-League-Aus bleiben zwei Spiele, um das Schlimmste zu verhindern.

Der Wiener Austria droht die Leere. Nicht in den Beinen, sondern vielmehr in den Köpfen. Im Europacup seit Donnerstagabend ausgeschieden, auch im ÖFB-Cup nicht mehr dabei, und in der Liga weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Auch wenn man – so wie schon im Jahr zuvor – bis zum Schluss in der Europa League den Aufstieg vor Augen hatte und die Spannung aufrecht erhalten konnte, steht man nun mit leeren Händen da.

Trainer Thorsten Fink hat einerseits kein leichtes Amt aufgrund vieler Verletzter und der sich daraus ergebenden Umstellungen. Umgekehrt ist er ein Meister darin, die Leistungen seines Teams besser zu reden als sie tatsächlich waren. In der violetten Führungsriege soll man in der Beurteilung jedenfalls einen anderen Betrachtungswinkel besitzen, was in naher Zukunft zu Dissonanzen führen könnte: Ein nicht ansehnliches Spiel hat für Fans nur eine Legitimation, wenn es Erfolg bringt.

Zuletzt diskutierte die sportliche Spitze schon öffentlich miteinander darüber, ob die Kaderplanung einer Austria würdig war. Zuerst hatte Fink salopp erklärt, die Abgänge des Sommers seien nicht ersetzt worden. Sportdirektor Franz Wohlfahrt konterte (zurecht), dass der Trainer dies besser intern und nicht öffentlich hätte äußern sollen. Nach dem 0:0 gegen Athen ruderte Fink zurück und lenkte ein: "Ich habe niemanden einzeln kritisiert." Viel eher brauche man mehr Qualität, will man in Österreich weiter oben mitspielen. Der Umkehrschluss: Mit dieser Mannschaft ist nicht mehr als Platz fünf möglich?

Trugschluss

Finks Hinweis, dass sich im Winter wieder einige Verletzte fit melden werden und sich damit die Schlagkraft der Veilchen erhöhe, könnte sich als Trugschluss entpuppen. Denn hinter Westermanns Fitness steht ein Fragezeichen, mit Almer ist so bald nicht zu rechnen, und beim wieder gesunden Grünwald muss man aufgrund seiner Historie an Knieverletzungen abwarten, ob er wie gewünscht in Tritt kommt.

Trainer und Sportdirektor, vielleicht auch Präsident Katzian und Manager Kraetschmer sollten einigen Spielern ins Gedächtnis rufen, sich in Demut zu üben, das violette Trikot tragen zu dürfen. Denn das Selbstbild wirkte zuletzt häufiger verzerrt. Wenn ein Stürmer in einem alles entscheidenden Europacup-Spiel in einer Hälfte nur sieben Mal den Ball berührt (ein Drittel im Vergleich zum eigenen Tormann) und in 77 Minuten seines "Wirkens" nicht ein Mal auf das gegnerische Tor schießt, dann könnte er seine Berufswahl hinterfragen.

Letztes Aufbäumen

Zwei Spiele gilt es noch zu absolvieren, beide sind keine leichten Aufgaben. In Altach ist Friesenbichler gesperrt, seine Leistung wird sich somit unwesentlich von jener am Donnerstag unterscheiden. Trainer Fink macht allen im Verein noch einmal Mut mit schon oft gehörten Parolen. Auf der guten Leistung beim 0:0 gegen AEK Athen könne man auch mit Blickrichtung Sonntag aufbauen: "Unser Ziel ist es, uns wieder über die Meisterschaft für den Europacup zu qualifizieren."