Sport | Bundesliga
22.05.2017

Steffen Hofmann: "Eigentlich habe ich mich entschieden"

Der Rapid-Kapitän, 36, spricht über sein mögliches Karriereende und die Pläne für die Zeit danach.

Steffen Hofmann hat in seiner Karriere schon viele heikle Entscheidungen getroffen. So wie die Rückkehr zu Rapid aus München, nach nur einem halben Jahr bei 1860. Oder die abgelehnten Angebote von der Wiener Austria, aus Salzburg und Mallorca.

Und jetzt? Jetzt geht es nur noch um Rapid, aber die Entscheidung ist für den ab 9. September 37-Jährigen trotzdem besonders schwierig. Aufhören, in die verdiente Fußballer-Pension gehen und in anderer Funktion durchstarten? Oder doch noch eine (halbe oder ganze) Saison anhängen, der großen Leidenschaft tagtäglich auf dem Platz nachgehen und als – mehr oder weniger – Non-Playing-Captain versuchen, Rapid noch einmal nach oben zu führen?

Sportdirektor Fredy Bickel hat dem Kapitän nach vielen Gesprächen eine ungewöhnliche Freiheit zugestanden: Hofmann darf selbst entscheiden, ob er das finanziell fertig ausverhandelte Angebot unterschreibt oder nicht.

"Eigentlich habe ich mich schon entschieden. Mein Gedanke war: So kannst du nicht aufhören", verrät Steffen Hofmann im KURIER-Gespräch.

Bevor der Deutsche sein "Aber dann" ausführt, erklärt er die Beweggründe: "Diese Mannschaft hat Qualität. Ich möchte mit einer Saison aufhören, in der das stärker zu sehen ist." Dem ewigen Spielmacher geht der sportliche Absturz seit dem Einzug in das Allianz Stadion extrem nahe, zeitweise hatte der dreifache Vater Schlafstörungen. "Ich mache mir viele Gedanken. Der Abstiegskampf ist aufreibend."

Hofmanns zweiter Grund, warum er "eigentlich" weitermachen will: "Ich spüre, dass es vielen guttut, wenn ich beim Training dabei bin. Solange ich Spaß habe und nicht das Gefühl, im Weg zu stehen, will ich weitermachen. Dass ich künftig nicht mehr so viel spielen würde, ist mir klar."

Cup-Endspiel als Finale?

Vor der Unterschrift der allerletzten Vertragsverlängerung kam jedoch der "Aber dann"-Faktor ins Spiel: Zum einen der nur noch zwei Spiele entfernte Rekord von Peter Schöttel (mit 527 Einsätzen für Rapid), zum anderen der mögliche erste Cupsieg in 15 Jahren bei Rapid am 1. Juni gegen Salzburg.

"Ein Cupsieg könnte wirklich das perfekte Ende sein", sagt Hofmann. Er weiß aber natürlich, dass ein Triumph in Klagenfurt derzeit einer Sensation gleichkommen würde.

Klar ist, dass der grün-weiße Rekordspieler Steffen Hofmann heißen soll: "Lange war mir das nicht so wichtig. Aber jetzt will ich den Rekord unbedingt." Der Plan wäre: Mit Einsätzen am Donnerstag in Mattersburg und im letzten Heimspiel gegen St. Pölten hätte Hofmann die 527 Spiele von Schöttel egalisiert. Das Cupfinale gäbe es noch als "Joker" für den Rekord.

Dafür müssen aber sowohl die sportlichen Umstände wie die Fitness mitspielen. "Körperlich bin ich auf einem guten Niveau, aber nicht im absoluten Spitzenbereich."

Im Büro?

Hofmann wird jedenfalls der fitteste Rapid-Mitarbeiter werden – wann und in welchem Büro auch immer. "Es gibt mehrere Möglichkeiten im Verein. Vielleicht starte ich auch eine Tour durch die Bereiche Sport, Wirtschaft und Marketing", erklärt der 127-fache Torschütze. "Und wir sehen dann am Schluss, was ich am besten kann und wo ich am meisten helfen kann."

Das begonnene Wirtschaftsfernstudium ruht derzeit. "Das ist als Profi mit vielen Extra-Terminen und als dreifacher Vater momentan nicht zu bewältigen." Ausgeschlossen wird nur ein künftiger Job: der des Cheftrainers. Weil nirgendwo sonst Hofmanns Denkmal so schnell zerstört werden könnte.

Und als alternder Spieler, dem die Jungen zusehends um die Ohren rennen, bleibt das Denkmal unbeschädigt? "Ich sehe da schon eine Gefahr, aber das kann ich selbst am besten einschätzen."

Hofmanns Resümee: "Eigentlich wollte ich vor dem Cupfinale die Entscheidung bekannt geben. Aber vielleicht weiß ich es erst danach. Ein Gespräch mit dem Trainer, sobald fix ist, wer das sein wird, könnte dabei helfen."

Rapids Schlüsselfigur

Steffen Hofmann kam 2002 als einfacher Bundesliga-Profi beim FC Bayern aus München zu Rapid. Der gebürtige Würzburger kehrte 2006 für ein halbes Jahr nach München zu 1860 zurück.

Rekord Der 36-Jährige hält bei 525 Pflichtspieleinsätzen für Rapid, Rekordspieler Peter Schöttel kam auf 527. Als Spielmacher schaffte er bisher 127 Tore. Mit 70 Einsätzen im Europacup (plus vier im UI-Cup) hält er den internationalen Rekord.

Zukunft Der dreifache Vater wird nach der Karriere bei Rapid bleiben, als Job ausschließen will er nur den Cheftrainer.