Sport | Bundesliga
04.02.2018

Holzhauser: "Ich lasse die Leute gerne reden"

Der Austria-Kapitän polarisiert und steht beim 325. Wiener Derby wieder im Fokus.

Wenn heute (16.30 Uhr/live ORFeins und Sky Sport Austria) das 325. Wiener Derby angepfiffen wird, dann steht Raphael Holzhauser einmal mehr im Blickpunkt. Vor allem die Rapid-Fans haben den violetten Kapitän in den letzten Jahren besonders lieb gewonnen (siehe Abschnitt unten). Man ist einander eben nicht grün. Der Austria-Spielmacher will auch diesmal dem ewigen Schlager seinen Stempel aufdrücken.

KURIER: Eine Statistik der Bundesliga besagt, dass über keinen Spieler so viel berichtet wird wie über Sie. Macht das stolz?

Raphael Holzhauser: Natürlich ist das schön. Man merkt schon, dass viel berichtet wird, dass die Leute auf der Straße einen auch ab und zu erkennen. Die Rapid-Fans freuen sich darüber vielleicht nicht so (lacht).

Warum wird über Sie so viel geschrieben?

Unser Spiel ist schon sehr auf mich zugeschnitten. Ich denke, dass ich auch meine Leistungen gebracht habe, vor allem im Europacup. In letzter Zeit war auch ein möglicher Wechsel von mir immer wieder ein Thema.

Oder auch, weil Sie polarisieren wie kein anderer. Wie lebt es sich als Reizfigur?

Man lernt damit umzugehen. Spiele wie das Derby liebt man als Fußballer, wenn das Stadion ausverkauft ist und die Stimmung gut. Solange alles friedlich bleibt, ist es mir egal, ob ich ausgepfiffen werde. Das gehört zu dem Geschäft dazu, genauso wie die Emotionen. Mich stört das nicht, im Gegenteil, da kann ich vielleicht sogar noch ein paar Prozent mehr herausholen.

Nicht nur Sie werden geschimpft, sondern auch Ihre Mutter. Wie sehr schmerzt das?

Das ist nicht schön. Ich kann aber damit umgehen.

Haben Sie mit Ihrer Mutter schon darüber gesprochen?

Ja, aber ich habe mich nicht entschuldigen müssen bei ihr. Sie kann das gut einschätzen. Für die Familie ist das sicher etwas schwieriger als für mich.

Viele stoßen sich an Ihrem Grinsen während des Spiels. Ist das ein Lächeln oder nur ein konzentrierter Gesichtsausdruck?

Fußball ist mein Job, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich lache nicht bewusst. Ich habe einfach Spaß am Fußball. Und den lasse ich mir nicht nehmen.

Ist die Frühjahrssaison 2018 Ihr letztes Halbjahr bei der Austria?

Fakt ist, dass mein Vertrag ausläuft. Wenn die Austria noch Gespräche führen will, bin ich offen. Stand jetzt ist im Sommer Schluss. Bis jetzt habe ich drei erfolgreiche Jahre bei der Austria gehabt mit Platz drei und zwei, dazu waren wir zwei Mal in der Gruppenphase der Europa League, einmal wurde ich ins Team der Gruppenphase gewählt.

Wie haben Sie sich in den letzten Jahren verändert? Sind Sie jetzt mehr Führungsspieler?

Mir hat die Zeit in Deutschland viel geholfen. Wenn du mit 15, 16 Jahren die Familie verlässt, musst du eigenständig werden. Und auch Stammspieler sein, um Verantwortung übernehmen zu können. Das geht nicht von heute auf morgen. Innerhalb der Mannschaft habe ich ein gutes Standing und verfüge über Erfahrung.

Sie haben im Spielsystem von Trainer Thorsten Fink eine Sonderrolle.

In Deutschland habe ich einen Tick offensiver gespielt, hier kann ich mein Spiel vielleicht am besten zur Geltung bringen mit dem Verteilen der Bälle. Da habe ich mich zuletzt einen Schritt weiterentwickelt. Wichtig ist, dass man konstant seine Leistung bringt und einen gewissen Level hält.

Kritiker sagen, Sie spielen antiquiert, wie einst ein Beckenbauer, wenn Sie sich die Bälle so weit hinten holen. Was entgegnen Sie denen?

Kritik ist ihr gutes Recht. Der Erfolg hat uns mit diesem System aber durchaus recht gegeben. Ich lasse die Leute gerne reden und versuche, mein Ding durchzuziehen.

Was nehmen Sie sich für das letzte Halbjahr in Violett vor?

Ich will einfach gut Fußball spielen. Wir haben ein gemeinsames Ziel, und ich bin mir sicher, dass wir diesen Europacupplatz erreichen.

Ist die Austria im Derby mehr unter Druck als Rapid?

Verlieren sollten wir nicht. Falls schon, ist die Saison aber auch nicht vorbei.

Wie angenehm ist es, dass die Austria keine Doppelbelastung mehr hat?

Jetzt können wir uns länger auf die Spiele vorbereiten. Ich glaube, dass wir jetzt frischer sind.

Sollten Sie wechseln, suchen Sie einen Klub, wo der Trainer Ihnen eine ähnliche Sonderrolle gibt wie Fink bei der Austria?

Man muss sein Spiel grundsätzlich immer anpassen an eine Mannschaft. Aber natürlich habe ich ein Auge darauf, welches System das Team spielt und welche Idee der Trainer hat. Dann wird man auch einen Klub finden, zu dem ich passe und der zu mir passt.

Bis wann wollen Sie Klarheit über Ihre Zukunft?

Die Angebote waren sehr interessant, ich war ja auch in Istanbul zu Gesprächen. Im März, spätestens April will ich Klarheit haben.

Wohin soll Ihre Reise langfristig gehen? Haben Sie eine Wunsch-Destination?

Ich will weiterhin international spielen, Champions League wäre ein Traum. Aber was die Liga betrifft, bin ich völlig offen. Das kann man sich nicht aussuchen.

Bisher waren Sie im Nationalteam nie ein echtes Thema. Hat Sie das enttäuscht?

Natürlich fragt man sich, was man anders machen könnte. Ich glaube, dass ich irgendwann eine Chance bekommen werde. Es ist kein Muss, aber ein Ziel.

Als Holzhauser bedroht wurde

Kein Spieler regt so auf wie Raphael Holzhauser, vor allem bei Rapid. Der Austria-Kapitän selbst kann gut damit umgehen, wie er im KURIER-Interview erklärt.

Steffen Hofmann leistete sich hingegen – in Wallung wegen Holzhauser – einen seiner wenigen Ausrutscher. Beim letzten Derby in Hütteldorf (2:2) ließ sich Holzhauser nach einer Spielunterbrechung besonders lange Zeit mit der Ausführung eines Eckballs vor dem Block West. Hofmann mischte sich als Ersatzspieler unerlaubterweise ein und stellte ihn gestenreich als "Heulsuse" dar.

Vor zehn Jahren wäre noch ein Rapid-Kapitän namens Holzhauser naheliegend gewesen. Der im Nachwuchs überragende Blondschopf kommt aus einer Familie von Rapid-Fans in Teesdorf und wechselte 2009 um die Ausbildungsentschädigung von Rapid zu Stuttgart.

Zuschauer Hofmann

Heute steht nicht nur für Holzhauser das letzte Derby in Hütteldorf an, sondern auch für Hofmann. Der 37-jährige Ehrenkapitän wird vor dem Karriereende im Sommer wohl als überzähliger Ausländer auf der Tribüne sitzen. Fünf Legionärsplätze sind fix vergeben, der sechste und letzte dürfte an Sechser Petsos gehen. Weil bei Ljubicic nicht klar ist, ob die Kraft für 90 Minuten reichen wird.

Dass er die Provokation schätzt und anzieht, streitet der Reibebaum gar nicht ab. Als es vor einem Jahr ernst wurde, verzichtete Holzhauser allerdings auf Wirbel: Ein "Fan" hatte ihn mit dem Umbringen bedroht. Die Polizei forschte den (alkoholisierten) Täter aus und empfahl eine Anzeige. Holzhauser nahm hingegen die Entschuldigung des Rapidlers an und verzichtete auf Konsequenzen.

Der 24-Jährige hat seinen eigenen Kopf, er hört nur auf wenige Menschen wie seine resolute deutsche Ehefrau, Trainer Thorsten Fink und seinen langjährigen Berater Alexander Sperr. Dieser wird einen besonders lukrativen Vertrag für den anstehenden Transfer ausverhandeln.