Sport | Bundesliga
07.03.2018

Peter Stöger: "Diese Konstellation hat was"

Dortmund-Trainer Peter Stöger freut sich auf die zwei Europa-League-Spiele gegen Red Bull Salzburg.

Die Scheinwerfer sind noch mehr auf ihn gerichtet als sonst. Sehr viel dreht sich vor dem Europacup-Duell mit Red Bull Salzburg um Dortmund-Trainer Peter Stöger (Hinspiel am Donnerstag um 19 Uhr/live auf Puls4 und Sky). Doch ein echter Wiener geht auch bei noch mehr Interview-Anfragen nicht unter. "Ich freue mich auf die zwei Spiele, weil ich zu meiner Heimat stehe." Stöger gibt sich wie stets demütig. "Es ist etwas Besonderes, wenn man sich in Deutschland als Trainer lange hält, wenn man dann auch noch den BVB trainieren darf und auf einen österreichischen Klub trifft. Diese Konstellation hat was."

Gegner Salzburg nahm er am Sonntag vor Ort beim Bundesliga-Hit gegen Rapid ins Visier. "Es war ein ganz gutes Spiel auf einem schlechten Platz. Bei Salzburg haben wir nichts Neues gesehen." Denn sein Assistent Manfred Schmid und er verfolgen aufmerksam den österreichischen Fußball. "Wir kennen Salzburg, ihre Schnelligkeit, ihr Umschalten, ihr Anlaufen."

Klare Worte

So schön das Los für Stöger ist, so gefährlich könnte es aber auch für das österreichische Trainerduo werden, da in Dortmund alle den Aufstieg gegen einen rot-weiß-roten Klub fordern und erwarten. "Das ist eben der Anspruch des deutschen Fußballs und des BVB, dass du gegen Teams wie Atalanta Bergamo oder Salzburg weiterkommst. Klar sind wir Favorit, aber die Aufgabe ist unangenehm."

Zuletzt fand er zur geäußerten Kritik an der Dortmunder Spielweise auf Sky deutliche Worte. "Weil ich mal klar sagen wollte, wie ich die Situation sehe. Wir haben ein nicht funktionierendes Konstrukt übernommen, denn sonst hätte die BVB-Führung damals nicht gehandelt. Es wäre auch ein journalistischer Ansatz zu schauen, warum eine Situation schwierig ist." Die Ergebnisse sprechen für Stöger und Schmid, der attraktive Fußball soll sich sukzessive dazu gesellen. Beim 1:1 gegen Leipzig trat Dortmund zumindest 60 Minuten lang begeisternd auf.

Auch Schmid sieht es ähnlich wie sein Vorgesetzter: "Es sind wichtige Spieler von Verletzungen zurückgekommen. Das braucht seine Zeit, sie benötigen Spielpraxis. Das geht nicht von heute auf morgen." Intern dürfte das allen bewusst sein. Eine Entscheidung über eine mögliche Vertragsverlängerung mit Stöger und Schmid wird wohl in den kommenden Wochen fallen und auch davon abhängig sein, ob Dortmund Österreichs Tabellenführer ausschaltet oder nicht.

Auch Schmid weiß, dass die Aufgabe nicht so leicht zu lösen ist. "Schlager, Hwang oder Dabbur sind sehr starke Spieler, auch Ulmer macht seine Sache seit Jahren auf der linken Abwehrseite hervorragend", berichtete er noch in den Katakomben des Leipziger Stadions nach dem deutschen Liga-Hit.

Rolls Reus

Nach RB ist vor Red Bull. Dortmund nimmt Fahrt auf, nicht zuletzt, weil Stars wie Reus, Götze und Schürrle nach ihren Verletzungen und Formkrisen wieder richtig auf Touren kommen und sich berechtigte Chancen auf eine WM-Teilnahme ausrechnen. Die besten Kicker, mit denen Stöger je zusammenarbeiten durfte? "Ja, es sind hier einige dabei, die eine sehr hohe Qualität haben, sehr viel Talent."

Der Wiener setzt im Umgang mit den Stars auf viel Empathie. "Weil jeder auf diesem Niveau trotzdem seinen Zugang, seine Sichtweise und seine ganz persönlichen Zielsetzung hat. Da geht es eben viel ums Zwischenmenschliche. In der fußballerischen Umsetzung ist die Zusammenarbeit leicht."

Vor allem mit dem wieder genesenen Marco Reus ist viel Schwung in die Dortmunder Offensive gekommen, geigt auch Mario Götze öfters auf, hat Andre Schürrle seine Spielfreude endlich wiederentdeckt.

Unterwegs in Köln

Stöger wohnt wie sein Assistent Schmid nach wie vor in Köln, wagt sich auch nach seinem Rauswurf und dem Engagement in Dortmund auf die Straße. "Natürlich bin ich privat unterwegs, gehe am Abend etwas essen oder zu diversen Charity-Veranstaltungen." Und wie begegnen die Leute dem Ex-Köln-Coach? "Etliche sind sicher froh, dass wir gegangen sind. Die halten sich aber zurück. Von Angesicht zu Angesicht habe ich nur positive Rückmeldungen erhalten. Wir haben ja in den vier Jahren Freunde gewonnen, zu denen wir nach wie vor den Kontakt pflegen."