Sport | Bundesliga
10.01.2018

Max Wöber: "Was wollen wir mit dem Österreicher?"

Der Aufsteiger des Jahres über seine Zeit bei Rapid, die Skepsis bei Ajax und den Durchbruch mit nur 19 Jahren.

Ajax Amsterdam bereitet sich in Portugal auf das Frühjahr vor, und Max Wöber ist im Trainingslager in Lagos voll dabei. Nach Extra-Einheiten mit dem Physiotherapeuten von Rapid während des Weihnachtsurlaubs ist der Innenbandeinriss des 19-jährigen Innenverteidigers ausgeheilt.

Zeit für den Aufsteiger des Jahres, um im KURIER-Interview nach vorn und auch zurückzublicken.

KURIER: Wissen Sie noch, was Sie am 17. März getan haben?

Max Wöber: (denkt nach) Nein.

Sie haben in der Regionalliga gespielt. Das 2:3 gegen Amstetten war Ihr letzter Einsatz für Rapid II. Waren die folgenden neun Monate vorstellbar?

Nein, weil ich nach meinem Debüt gegen Valencia 2016 lange nicht gespielt habe, dann war ich öfters verletzt. Deswegen war das Ziel nur ein Stammplatz bei Rapid. Ich wurde ungeduldig, weil ich durch die ständigen Trainerwechsel nicht mehr wusste, wo ich stehe. Wenn ich höre, dass ich im März in der Ostliga gespielt habe ...

... sagt Ihnen das was genau?

Dass es unglaublich ist! Ich habe immer gewusst, dass ich irrsinnige Qualität habe und mich langfristig durchsetzen werde. Dass es so explodiert, zeigt, wie schnell es im Fußball gehen kann.

War Ajax die bessere Wahl als deutsche oder englische Klubs?

In Deutschland oder England kann die eine Chance als Junger auch die letzte gewesen sein, besonders in der Innenverteidigung. Bei Ajax wissen sie, dass ganz Junge nicht so konstant sind. Ihr Ansatz ist, die besten Jungen der ganzen Welt zu holen. Dass ich so rasend schnell Stammspieler werde, hätte ich nicht erwartet.

Wurden Sie zu Weihnachten vom Trainerwechsel überrascht? Und dürfte der neue Chef Ten Hag sein bei Utrecht gewohntes 4-4-2 umsetzen?

Eine Überraschung war es, weil wir sehr dominant waren. Wir müssen uns neu anpassen, aber das kenne ich schon von Rapid (schmunzelt). Es wird uns helfen, wenn wir mehrere Varianten haben und im Spiel auf ein 4-4-2 oder 3-5-2 wechseln können. Das klassische 4-3-3 bleibt durch die Ajax-Philosophie sicher verankert.

Sie hatten rund die Hälfte Ihrer Einsätze als linker Außenverteidiger. Ist durch den Einkauf von Linksverteidiger Tagliafico Ihr Stammplatz in Gefahr?

Als Linksverteidiger habe ich nicht klassisch gespielt, sondern den Spielaufbau von links geleitet, dann waren wir bei Ballbesitz hinten zu dritt. Das ist für mich nur eine zusätzliche Option. Ich sehe meine Zukunft jetzt noch mehr als Innenverteidiger.

Goran Djuricin hat Sie als Rapid-Cheftrainer sofort sehr gelobt und wegen Ihrer Matura sogar Trainingszeiten verschoben. Wie wichtig war seine Hilfe?

Beim ersten Training als Cheftrainer hat er zu mir gesagt: "Es tut mir leid, Max". Ich hab’ gedacht: "Geh bitte, jetzt ist das wieder wie bei Büskens und ich muss zu Rapid II?" Aber dann hat er gelacht und gesagt: "Es tut mir leid, dass du keine Pause mehr haben wirst. Du musst jede Partie von Beginn an spielen." Das hat mir irrsinnig viel Selbstvertrauen und Lockerheit gegeben. Ich wusste, dass er mich bei Fehlern in Schutz statt rausnehmen wird. Ohne diese Sicherheit durch den Trainer wäre ich nicht bei Ajax.

Sie haben erzählt, dass Sie sich an das Ajax-Training erst gewöhnen mussten. Warum genau?

Hier gibt es pro Einheit fünf, sechs extrem intensive Ballhalte-Formen, teilweise nur mit einem Kontakt. Da musst du im Kopf schnell den freien Mann vorausdenken. Die Intensität ist so hoch, dass ich anfangs froh war, am Nachmittag zwei Stunden extra schlafen zu können.

Sollte demnach auch bei Rapid intensiver trainiert werden?

Der Rapid-Kader hat unglaubliche Qualität, die meisten könnten bei Ajax mithalten. Aber der Unterschied ist, dass hier Ballhalte-Formen zelebriert werden, die für Körper und Kopf ungewohnt sind, wenn du es nicht von klein auf kennst.

War es für Sie ein Druck, als teuerster Rapidler zu gehen?

Es war eher eine Ehre, nachdem mir der Abgang sehr schwer gefallen ist. Ich wollte unbedingt, dass alle profitieren und Rapid durch die Ablöse auch neue Möglichkeiten hat. Der Druck für mich war, dass ich der teuerste Verteidiger für Ajax war. Ich hab’ dann gehört: "Was wollen wir mit dem Österreicher? Die können doch nicht kicken." Da wusste ich, dass ich mir mein Standing hier erst erarbeiten muss.

Und dann sind Sie auch noch krank geworden ...

Es war viel los. Nach drei Wochen hat der Körper gesagt: "Jetzt reicht’s." Ich hatte eine Woche Fieber. Ich habe eineinhalb Monate im Hotel gelebt, aber schon IKEA-Möbel für eine Wohnung in Amsterdam Süd gekauft. Ich konnte nur noch einen kleinen Gang zwischen Bett und Bad freischaufeln. Ich konnte nicht mehr entspannen.

Wann wussten Sie, dass Sie es bei Ajax geschafft haben?

Als vor einem Monat beim 3:0 gegen PSV Eindhoven plötzlich die Fans meinen Namen geschrien haben. Das war ein gutes Gefühl.

Halten Sie Kontakt mit Rapid?

Mit Schobi fast täglich. Ich habe viele Freunde in der Mannschaft, drei Mal in der Woche spielt eine Gruppe Playstation. Es gibt aber schon harte Tage, an denen ich alleine in der Wohnung sitze und in WhatsApp-Gruppen lese, wie sich Freunde für das Kino verabreden.

Wie ist das Rundherum bei Rapid mit Ajax zu vergleichen?

Wenn Rapid nicht gewinnt, ist das in allen Zeitungen das größte Sportthema. Wenn dann die Unruhe steigt, macht dich das mental schon fertig. Dafür war die Unterstützung vom Block West auch im Abstiegskampf unglaublich. Hier gibt es zwar einen harten Fan-Kern, aber wenn es zur Pause noch 0:0 steht, hörst du nicht sie, sondern die Pfiffe. Dafür ist es lässig, wenn du einläufst und jedes Mal schon 50.000 wegen deiner Mannschaft da sind.

Sie haben zuletzt im U-21-Team gespielt. Wie werden Sie von Teamchef Foda eingeschätzt?

Herr Gregoritsch wollte mich unbedingt bei der U 21 dabei haben. Das hat mir Herr Foda mitgeteilt und zugleich versichert, dass ich ein Teil seiner Mannschaft sein werde. Er zählt auf mich, auch wenn es auffallend viele starke Innenverteidiger gibt.

Rekord-Rapidler & Ajax-Star

Der Wiener wurde am 4. Februar 1998 geboren und fing beim Sportklub an. Rapid holte ihn als 12-Jährigen und schulte den Linksfuß zum Innenverteidiger. Im Februar 2016 gab es gegen Valencia das Debüt, Stammspieler war der 19-Jährige ab April 2017. Im August, nach nur 16 Spielen in der Liga, wurde der Maturant mit 7,5 Millionen Euro Ablöse zum teuersten Rapidler und zum teuersten Ajax-Verteidiger. Danach gab es zwei Team-Einsätze.