Sport | Bundesliga
17.08.2017

Kraetschmer: "Bitter ist nur der Zeitpunkt"

Nach dem Abgang von Filipovic muss Manager Markus Kraetschmer kurzfristig umdisponieren.

Markus Kraetschmer konnte nach den Marathon-Verhandlungen wegen Verteidiger Petar Filipovic in Osijek doch wieder lachen. Denn die Sommertransfer-Zeit ist für ihn bis dato "nahezu perfekt verlaufen".

Mit Friesenbichler, Monschein und Westermann holte man des Trainers Wunschspieler, Kayode verkaufte man zu Manchester City, wobei die Verhandlungen mit dem Spieler an Skurrilität nicht zu überbieten waren. Denn Kayode erschien mit der gesamten Familie. Ein Sohn hüpfte herum, der zweite saß stumm da, das dritte Kind wurde von Kayode geschaukelt. Die Verhandlungen führte dessen Frau. Knallhart um jeden Cent.

Und nun muss die Austria den Abgang von Filipovic verkraften und einen Nachfolger suchen bis 31. August. Der KURIER sprach mit Austrias AG-Vorstand am Ufer der Drau.

KURIER: Wie fühlt man sich, wenn plötzlich ein Spieler wie Filipovic abhanden kommt?

Markus Kraetschmer: Letztlich kann man wenig machen. Wir haben ihm ein Angebot für einen Vierjahresvertrag vorgelegt, das hat er abgelehnt. Weil er bei Konyaspor in der Türkei um ein Vielfaches mehr verdient. Der Klub ist bereit, die Ausstiegsklausel zu zahlen.

Bereuen Sie jetzt die Klausel?

Nein, man muss das differenziert sehen: Wenn man so eine Klausel definiert, dann kennt man die Konditionen und muss damit rechnen, dass der Spieler irgendwann geht. Bitter ist nur der Zeitpunkt unmittelbar vor dem Europacup-Play-off. Aber jammern hilft nicht weiter. Wir haben Kadiri als Perspektivspieler geholt, jetzt muss er ran. Dafür ist er ja bei uns. Ich würde sagen: It’s Kadiri-Time. Für ihn gilt dasselbe wie für Prokop, der Grünwald ersetzen soll. Das ist nun ihre Chance.

Haben Sie schon einen Ersatz in der Hinterhand?

Nein, weil wir keinen Schnellschuss wollen. Aber wir beschäftigen uns seit Tagen mit dem Thema und suchen eine gute Lösung.

Soll es denn ein Österreicher sein?

Das ist sehr wohl ein Kriterium. Aber es kann auch ein Österreicher sein, der nicht in Österreich spielt.

Das trifft auf Michael Madl zu.

Namen nenne ich keine.

Der Kayode-Transfer ist nach wie vor nicht ganz über die Bühne gegangen. Warum?

Es gibt nur kleine formelle Dinge zu erledigen. Bald gibt es grünes Licht.

Bei Kayode hieß es, dass er von einem Investor mitfinanziert worden ist. Damit käme die Austria in Konflikt mit dem Third Party Ownership (TPO), also der Beteiligung einer Drittpartei, was nicht mehr erlaubt ist.

Mit Kayode fallen wir nicht darunter, weil wir ihn gekauft haben und auch Ablöse bekommen. Es stimmt, dass unser früheres Modell der Rising Stars (Anm.: Investoren finanzierten Spieler) gegen TPO verstoßen hätte, auch beim Kauf von Omer Damari noch war ein Investor beteiligt. Seit die FIFA aber TPO untersagt, halten wir uns streng daran. Wir haben den Vertrag bezüglich Kayode nur mit Manchester City ausgehandelt.

Wird es für einen Klub wie die Austria ohne zusätzlichen Mäzen nicht immer schwieriger, an Spieler zu gelangen? Man muss dazu sagen, dass wir ohne Rising Stars einen Baumgartlinger oder Junuzovic nicht bekommen hätten. Jetzt nutzen wir unser Netzwerk, um Kontakte zu knüpfen und so an junge Perspektivspieler zu gelangen. Das ist der Unterschied. Die FIFA hat damals TPO vor allem wegen der südamerikanischen Agenturen untersagt, die ihre Spieler in Europa geparkt und hin- und hertransferiert haben. Für Klubs aus Österreich wird es sicherlich nicht leichter.

In den vergangenen Tagen gab es seit dem Derby einen Doppelpass an Scharmützeln mit dem Lokalrivalen Rapid. Wieso?

Also wir beschäftigen uns jetzt nicht täglich mit Rapid, wir gehen unseren eigenen Weg. Das eine ist unsere Plakataktion in Wien, wo wir uns mit gesundem Selbstvertrauen als Rekordmeister bezeichnen. Nach unserer Interpretation sind wir das. Die Kampagne war außerdem schon seit Wochen geplant. Und die anderen Dinge vonseiten Rapids wie die Anzeige bei der Bundesliga nehmen wir zur Kenntnis. Es sieht für mich irgendwie nach einem Versuch aus, von den eigenen aktuellen Problemen abzulenken.