Sport | Bundesliga
24.08.2017

EL-Play-Off: Austria zittert sich zum Aufstieg

Am Ende war es eine Zitterpartie: Mit einer 0:1-Heimniederlage steigt eine schwache Austria in die Gruppenphase auf.

Wie erlösend doch so ein Schlusspfiff sein kann. Um exakt 22.56 Uhr zog die Wiener Austria trotz einer 0:1-Niederlage in die Gruppenphase der Europa League ein, 6600 Austria-Fans in St. Pölten atmeten kräftig durch, um dann stimmgewaltig zu feiern. Spieler und Trainerteam lagen sich in den Armen nach einem Abend der gemischten Gefühle und der beinahe zerreißenden Nerven in der ausverkauften NV-Arena. Frei nach dem Motto: Ende gut, alles gut nach einer schwachen Leistung der Wiener. Man erzitterte sich den Aufstieg dank des 2:1-Sieges von Osijek.

Trainer Fink vertraute der siegreichen Elf von Osijek, nur Tajouri spielte für den am Donnerstagabend fix zu Udine abgewanderten Larsen. Der Deutsche hatte zu Recht vor den Kroaten und der gefährlichen Situation trotz der guten Ausgangslage gewarnt. Beinahe wäre es ins Auge gegangen, hätte man noch alles aus der Hand gegeben.
Osijek legte los wie die Feuerwehr und sorgte zunächst für einige Hektik bei den Austrianern. Weil man in dieser Phase kein Gegentor erhielt, kehrte etwas Ruhe in das Spiel der Wiener ein.

Wenige Chancen

Über die Flanken suchte man noch vergeblich den Erfolg, Pires’ Schnelligkeit allein reichte nicht, Tajouri traf viele falsche Entscheidungen. Wirklich gelungene Kombinationen fehlten vorerst ebenso wie gute Chancen, allerdings auf beiden Seiten. Die Austria verbuchte ungefährliche Schüsse von Monschein und Holzhauser – bis Monschein knapp vor der Pause nach einer Holzhauser-Flanke nur die Latte traf (41.). Wenig später verfehlten Serbest nur knapp mit dem Fuß und Kadiri mit dem Kopf.

Die Austria hatte das Geschehen jetzt besser im Griff, vor allem der junge Prokop versuchte das Spiel an sich zu reißen. Doch Osijek blieb unangenehm, weil stets gefährlich. Wie bei einem Schuss von Mudrazija gleich nach dem Wechsel. Er mahnte die Violetten zu mehr Aufmerksamkeit, allerdings vergeblich. Nur Holzhauser konnte mit einem Freistoß Gefahr erzeugen.

In der 62. Minute ging Osijek dann in Führung, weil sich der indisponierte De Paula verschätzte, und sich umgekehrt der eingewechselte Boban mit dem 0:1 bedankte.

Fix und fertig

Die Austria wirkte angeschlagen, auch körperlich. Fink reagierte und brachte Friesenbichler für Monschein, doch Entlastungsangriffe gelangen so gut wie kaum noch. Osijek drückte aufs Tempo, wirkte vor allem auch mental frischer. In der 79. Minute hatte die Austria Glück, dass Boban bei einem Eckball den Kopfball aus wenigen Metern neben das Tor setzte. Er vergab letztlich den Matchball. Vor allem das Finish wurde zu einem Zitterspiel in Violett. Salamon und zwei Mal Pires scheiterten mit Schüssen. Danach wehrte man sich mit Händen und Füßen gegen das Ausscheiden Boban (62.) mussten die Violetten eine halbe Stunde lang zittern und hatten mehrfach Glück, nicht das 0:2 zu kassieren.

Austria Wien 0:1 NK Osijek

Hinspiel 2:1 - Austria mit einem Gesamtscore von 2:2 dank Auswärtstorregel weiter
NV-Arena, St. Pölten

Tor: 0:1 Boban (63.)

Austria: Hadzikic - De Paula, Westermann, Mohammed, Martschinko - Holzhauser, Serbest (79. Salamon) - Prokop (90. Borkovic) - Pires, Monschein (69. Friesenbichler), Tajouri

Osijek: Malenica - Sorsa, Skoric, Barisic, Barac - Mioc, Mudrazija (83. Simunec) - Pusic (46. Boban) - Ejupi, Grezda (70. Grgic), Bockaj

Gelbe Karte: De Paula (3.), Prokop (82.) bzw. Ejupi (35.), Boban (84.)

Westermann: "Noch nie so glücklich über eine Niederlage"

Thorsten Fink (Austria-Trainer): "Wir sind froh, dass wir weitergekommen sind. Wir wussten, es wird ein harter Fight, auch wegen unserer dünnen Personaldecke. Eigentlich hätten wir mehr Druck nach vorne machen müssen, aber keiner wollte mehr großartige Fehler machen. Da müssen wir noch clevererer werden. Osijek war ein harter Gegner, sehr zweikampfstark. Ich bin zufrieden mit der zweiten Hälfte der ersten Hälfte, da hatten wir den Gegner im Griff. Wir sind nicht unverdient weitergekommen. Wir brauchen jetzt noch Spieler, das ist klar, das weiß auch der Verein. Wir sind in allen Bereichen am Suchen. Serbest hat eine Innenbandverletzung, Genaueres weiß ich nicht. In der Gruppe hätte ich gern einen großen Namen, der viele Zuschauer bringt."

Heiko Westermann (Austria-Verteidiger): "Ich war noch nie so glücklich über Niederlage wie heute. Wir haben das erreicht, was wir vor der Saison wollten. Egal, wer in der Gruppenphase kommt, wir genießen das jetzt."

Raphael Holzhauser (Austria-Mittelfeldspieler): "Scheißegal, ob es eine Zitterpartie war, man muss den Hut vor uns ziehen, es haben sieben neue Spieler gespielt. Riesenrespekt vor dem ganzen Trainerteam, sie haben immer an uns geglaubt."

Franz Wohlfahrt (Austria-Sportdirektor): "Wir sind voll zufrieden. Das sind natürlich Spiele, die schon an die Substanz gehen. Man hat gesehen, dass wir an der Grenze waren."