Sport | Bundesliga
19.02.2018

Austria-Talfahrt: Denn sie wissen nicht, was sie tun

Trainer Fink hat noch keine Lösung für die aktuelle Formkrise, der Verein sieht noch keine Alternative.

Wenn Grün die Hoffnung ist, dann kann für Violett gar keine mehr übrig bleiben. Wer nach dem 1:2 in Mattersburg genau den Worten lauschte, der bekam den Eindruck, dass die Wiener selbst nicht mehr an eine Blütezeit im Frühjahr und das Erreichen eines Europacup-Startplatzes glauben. Selbst der stets positiv denkende Trainer Thorsten Fink räumte ein: "Neun Punkte Rückstand auf den angestrebten Platz sind schon viel. Wir können uns daher nur auf ein Spiel nach dem anderen konzentrieren." Die ausgerufene Aufholjagd endete, bevor sie überhaupt begonnen hatte.

Die Wiener Austria wird aller Voraussicht nach in der ersten Saison in der neuen Generali-Arena auf Europacup-Abende verzichten müssen. Das schmerzt nicht nur die violette Fan-Seele, sondern wirkt sich auch auf das Vereinskonto und den Zuschauerschnitt im neuen alten Zuhause aus. Der Worst Case aus Sicht der Austria nimmt konkrete Züge an.

Qualen nach Zahlen

27 Punkte nach 23 Runden. In der Klubgeschichte wurden schon Trainer mit einem besseren Schnitt vor die Tür gesetzt – Mattersburg-Coach Gerald Baumgartner beispielsweise. Noch scheint die Vereinsführung aber nicht die Reißleine ziehen zu wollen. Einerseits, weil es in der aktuellen finanziellen Situation sehr teuer wäre, den Deutschen und sein Team zu beurlauben. Andererseits zweifelt man offenbar daran, dass ein neuer Trainer in den verbleibenden 13 Runden das vorgegebene Ziel doch noch erreichen könnte. Die Austria befindet sich in einer Lose-lose-Situation.

Fink hat als Spieler und Trainer in der Fußballwelt viel Erfahrung gesammelt, reagiert auf die prekäre Situation seine Person betreffend daher realistisch. "Wenn der Verein Ruhe bewahrt, werde ich Trainer bleiben. Die Frage ist, ob der Klub im Sommer daran glaubt, dass es in der kommenden Saison besser wird. Wenn nicht, wird man reden müssen."

Ohne Argumente

Ob der tabellarischen Fakten geht Fink ein Argument nach dem anderen verloren. Im Herbst noch verwies er großteils zu Recht auf die Verletztenliste, die während der Zusatzbelastung durch das Engagement im Europacup besonders ins Gewicht fiel.

Dann machte Fink Mut, weil die Verletzten über den Winter gesunden sollten. Dabei kam nur Klein zurück in die Mannschaft, lediglich Grünwald wird im Laufe des Frühjahrs folgen. "Im Herbst sind wir aufgrund der Verletzten in diese Situation geschlittert, aus der wir jetzt nur schwer rauskommen." Für manche Spieler, so glaubt der Trainer, sei der Erfolgsdruck womöglich zu groß.

Fakt ist, dass zuletzt die Spieler des LASK und von Mattersburg mehr Siegeswillen vermittelten als die Austrianer. Auch spielerisch gestalteten sich die Vorstellungen der Wiener dürftig. Nicht so für Fink, der in Mattersburg von einer guten Leistung in der zweiten Hälfte sprach. Parallel dazu bezeichnete Stürmer Kevin Friesenbichler in einem Interview das Gezeigte als "Scheißdreck".

Thorsten Fink bleibt seinem Spielsystem jedenfalls treu, er glaubt am ehesten damit den Weg aus der Krise zu finden. Wenn aber nicht bald der Befreiungsschlag gelingt, wird er allerdings in einer Sackgasse enden.