Damir Buric: "Der Außenseiter hat viele Möglichkeiten"

Damir Buric, 52, übernahm in der Südstadt im Winter von Oliver Lederer.
Der neue Admira-Trainer vor dem Gastspiel bei der Austria im Gespräch über seine Idee vom Fußball.

Seit sechs Spielen ist Damir Buric Cheftrainer der Admira, verloren hat die Mannschaft unter der Leitung des 52-jährigen Kroaten noch nicht. Am Samstag (18.30 Uhr) fährt man zur Wiener Austria ins Happel-Stadion.

KURIER: Herr Buric, was haben Sie in den ersten drei Monaten in der Südstadt verändert?

Damir Buric:Mir ist zunächst aufgefallen, dass das Team die schlechteste Tordifferenz (19:35, Anmerkung) hatte, obwohl man einen Platz im Tabellenmittelfeld eingenommen hat. Die Balance hat nicht gestimmt. Dort habe ich angesetzt. Wir können und wollen aber auch anders spielen, Druck ausüben, flexibel sein. Du musst dich aber schon nach dem Gegner richten. Wenn ich gegen Salzburg einfach nach vorne stürme, bekomme ich Probleme und vermutlich Tore. Da hätten die Fans auch keine Freude.

Sie wurden an der Sporthochschule in Köln ausgebildet, waren danach in Deutschland viele Jahre im Nachwuchs und Co-Trainer. Diese Trainer werden gerne als Konzepttrainer oder Fußballlehrer bezeichnet. Können Sie damit etwas anfangen?

Zu einem gewissen Teil sehe ich mich schon als dieser Typ Trainer. Das Wichtigste ist aber Variabilität. Du musst genau analysieren, was deine Mannschaft kann, um erfolgreich zu spielen. Denn das Wichtigste für einen Fußballer ist Erfolg.

Klingt einfach!

Mit Erfolg lernst du schneller. Wenn du dauernd von deiner Philosophie sprichst, aber jede Woche verlierst, wirst du die Spieler irgendwann nicht mehr dafür begeistern können. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Ballbesitz.

Was ist damit?

Entscheidend ist, was du aus Ballbesitz machst und wo du ihn hast. Ist die Qualität deiner Pässe vor dem gegnerischen Tor hoch oder nur in deiner Hälfte? Die reine Prozentzahl sagt wenig aus. Die Analyse muss tiefer gehen.

Reicht die Trainingszeit dazu?

Ich kann auf dem Platz nicht alles abarbeiten, was ich möchte. Ich setze mich öfter mit den Spielern einzeln zusammen. Wichtig ist, dass der Spieler selbst die Lösung erkennt. Die Frage ist: Wie bringst du jemanden dazu, im richtigen Moment unter Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen?

Wie schafft man es?

Es geht vor allem um jene Situationen, in denen ein Spieler bereits mehrmals falsch gehandelt hat. Ich zeige dann Videos und gebe Lösungsansätze. Dann gehen wir auf den Trainingsplatz und stellen Situationen nach. Klappt es dann im Spiel noch nicht, beginnen wir von vorne. Ein langwieriger Prozess, aber nur so lernt man.

Was macht einen guten Trainer aus? Dass er aus jeder Situation etwas mitnimmt. Wann sagst du etwas? Wann sagst du vielleicht nichts? Wo beginnst du, wenn du auf der Stelle eine Veränderung brauchst? Du lernst mit jeder Trainingseinheit. Ein Beispiel: In Deutschland konnten wir auf GPS-Daten zurückgreifen, das hilft bei Themen wie Überbelastung. Hier habe ich nicht diese Möglichkeiten. Noch nicht. Was tue ich?

Verraten Sie es!

Ich habe es durch meine Erfahrung ein wenig im Gefühl. Ich weiß, welche Anzahl an Sprints ich maximal machen lassen darf.

Wie beurteilen Sie die Möglichkeiten der Admira? Ist eine Philosophie zu erkennen?

Ich erkenne, dass man in eine Richtung gehen will. Mit dem Sponsor Flyeralarm im Hintergrund hat man natürlich ein wenig mehr Planungssicherheit. Das beruhigt. Andererseits hast du als Angestellter auch eine Verpflichtung. Du musst beweisen, dass der Weg der richtige ist. Im Rahmen der Möglichkeiten macht das die Admira schon sehr gut.

Was macht man, wenn die Konkurrenz mehr Geld hat?

Dann musst du kreativer sein. Du musst härter arbeiten und versuchen, dir irgendwo einen Vorteil zu verschaffen: im körperlichen Bereich oder bei der Taktik. Der Außenseiter hat im Fußball viele Möglichkeiten.

Vor der Admira waren Sie bei Hajduk Split, ihrem Jugendverein. Wie sehr unterscheidet sich der kroatische Fußball vom österreichischen?

In Kroatien herrscht Leidenschaft pur. Jedes Kind will Fußballer werden. Dieser unbedingte Wille bringt dich im Fußball sehr weit. Manchmal weiter als Talent. In Österreich lebt man gut. Du kannst einfach viele andere schöne Dinge genießen. Der Hunger ist manchmal ein anderer.

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