Geballte Kraft: Wladimir Klitschko erteilte Alex Leapai (re.) eine Lehrstunde.

© APA/EPA/Bernd Thissen

Boxen
04/27/2014

Ein K. o. mit politischer Dimension

Wladimir Klitschko verteidigte seinen WM-Titel und denkt an seine Landsleute in der Ukraine.

Wie ein Gladiator stand Wladimir Klitschko auf den Seilen in allen vier Ringecken und nahm die Huldigungen der Fans entgegen. Der seit über zehn Jahren ungeschlagene Weltmeister im Schwergewicht blickte hinab auf den hilflosen Herausforderer Alex Leapai, der fast ohne Gegenwehr in Runde fünf k. o. gegangen war – 147:10 lautete die Schlagbilanz. Und er würdigte die Boxer Manuel Charr und Shannon Briggs keines Blickes, die fast den Ring enterten und den Sieger pöbelnd um einen Kampf anbettelten.

Mit 38 ist der Ukrainer auf dem Gipfel seiner Schaffenskraft. "Alle wollen an meine Stelle. Ich bin die Zielscheibe", stellte Wladimir Klitschko nach seiner Kurzvorstellung in Oberhausen fest. Aber sein Management hat Größeres vor, als sich mit möglichen Gegnern aus der zweiten Reihe zu beschäftigten.

Vier gewinnt

Immerhin lockt der ganz große Coup: Der Dreifach-Weltmeister Klitschko kann sich den noch fehlenden vierten WM-Gürtel, den des Verbandes WBC, holen, um dann endlich 100-Prozent-Champion zu sein. Am 10. Mai boxen in Las Vegas Bermane Stiverne (Kanada) und Chris Arreola (USA) um den von seinem Bruder Vitali Klitschko niedergelegten Titel. Der Sieger könnte auf Klitschko treffen. "Vierfacher Weltmeister – das wäre der ultimative Traum", sagte der Ukrainer.

Der sportliche Wert des WM-Kampfes gegen Leapai war überschaubar. Vielmehr hatte der Auftritt auch eine politische Dimension. Der Kampf sei wichtig für seine Landsleute gewesen, als "emotionale Ablenkung". Trotz der dramatischen Entwicklung in der Ukraine war auch sein Bruder dabei.

Zuerst erfreute sich Vitali Klitschko am Gesang seiner Gattin Natalia, die die ukrainische Hymne intonierte. Dann war er begeistert über seinen Bruder ("So kann er noch zehn Jahre boxen"), um dann über noch Wichtigeres zu reden: "Ich wünsche mir, in einem freien europäischen Land zu leben, in dem keiner Angst zu haben braucht", sagte der Kandidat für die Kiewer Bürgermeisterwahl. Und er wischte Spekulationen über ein Comeback beiseite: "Ich stehe nur noch im Ring, um meinem Bruder zu helfen. Der Kampf um Demokratie in der Ukraine ist viel wichtiger für mich."
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