© APA/AFP/OLI SCARFF

Winheims Tagebuch
06/21/2020

"Black Lives Matter": Warum schwarzes Leben im Fußball besonders viel zählt

Rashford punktete zuletzt mit seinem Kampf gegen Hunger, während Wiens Käfig-Kick eine Renaissance erlebt.

von Wolfgang Winheim

Während Corona: Ein 22-jähriges Fußballgenie, das Anfang August im (nach dem Linzer 0:5 leider bedeutungslos gewordenen) Europa-League-Spiel in Manchester die LASK-Abwehr beschäftigen wird, hat abseits des Rasens Millionen Briten imponiert. Marcus Rashford setzte sich zum Ziel, 100.000 Pfund für hungernde Kinder zu sammeln. Geworden sind es 20 Millionen Pfund. In Euros: 22.171.000!

"Ich werde kämpfen, bis sich kein Kind mehr im Königreich um seine nächste Mahlzeit sorgen muss", verspricht Rashford auf Twitter, obwohl Premier Boris Johnson über den vermeintlichen Illusionisten anfänglich gequält lächelte.

Die Vorfahren des englischen Nationalspielers hatten als Sklaven auf Zucker- und Tabakplantagen der Karibik-Insel St. Kitts geschuftet. Mit Marcus meinte es das Schicksal gnädiger. Aufgewachsen in Manchester waren seine Schnelligkeit und sein Balltalent so unübersehbar groß, dass er und seine vier Geschwister nicht lang hungern mussten. Doch Rassismus und Armut im Umfeld drücken auf den Magen.

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Wie alle Profis der Premier League trägt Rashford bis auf Widerruf ein Trikot mit der Aufschrift „Black Lives Matter“.

Schwarzes Leben zählt ...

... im Fußball unbestreitbar besonders viel.

Schwarz auf weiß lässt sich belegen, dass nahezu alle Nationalteams von dunkelhäutigen Spielern profitieren. Den Vereinsfußball beleben sie sowieso. Siehe Salzburg, wo das geschickte Red-Bull-Management den Afrikanern Mane, Keita (beide Liverpool), Haidara, (Leipzig) etliche Siege und durch Transfers zig Euro-Millionen verdankt. Und wo’s jetzt eine Freude ist, den 21-jährigen Patson Daka aus Sambia bei Sprints, seinem artistischen Torjubel und unbekümmerten Deutsch-Interviews im Fernsehen mitzuerleben.

FC Red Bull Salzburg vs Rapid Wien

Dass Spieler aus Afrika und Brasilien großteils kleine Dribbelkünstler sind, liegt nicht nur am südländischen Temperament. Vielmehr eignen sie sich unbewusst im Kindesalter die Basics an, wird in ihrer Heimat schon ab dem fünften, sechsten Lebensjahr (in Afrika oft bloßfüßig) auf holprigen Böden oder in staubigen Seitengassen gekickt. So wie’s in Wien nach dem Krieg auf G’stättn oder später im Käfig üblich war. Und es seit einigen Wochen wieder ist.

Ein Lokalaugenschein am Rand von eingezäunten (schon verwaist gewesenen) Spielplatzerln in Wien 10, 12 und 21, wo Toni Polster, Andreas Herzog und Peter Pacult einst Gleichaltrige genarrt hatten, deckt sich mit den Behauptungen von Jugendleitern: Das Virus Fußball (und auch Basketball) bricht wieder aus. Vorwiegend unter jungen Menschen mit Migrationshintergrund.

Weil in Unter- und Nachwuchsligen seit Monaten nicht gespielt werden darf, wird der Bewegungshunger in Parks zwischen Gittern gestillt, rennen jugendliche Vereinskicker im Privatgwandl dem Ball nach. Ohne Trainer, ohne Maske, ohne Scheu vor offiziell noch verbotenem Körperkontakt. So erlebt der Käfig-Kick seine ungewöhnliche Renaissance. Während und wegen Corona. Und vielleicht auch danach.

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