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Sport
08/10/2020

Bike-Artist Fabio Wibmer: "Ich kann nicht normal Radfahren"

Der Osttiroler ist mit seinen Rad-Tricks zum Internet-Star geworden. In den sozialen Netzwerken hat er mehr Fans als Dominic Thiem.

von Christoph Geiler

Fünf Millionen Menschen haben inzwischen seinen YouTube-Kanal abonniert, seine spektakulären Videos wurden 700 Millionen Mal angeklickt, auf Facebook hat er 150.000 Follower mehr als Tennis-Ass Dominic Thiem, seine Werbepartner sind unter anderem Red Bull, Mercedes und Samsung –  Rad-Akrobat Fabio Wibmer zieht mit seinen unglaublichen Tricks die Aufmerksamkeit auf sich und mit seinen Kurzfilmen weltweit die Menschen in den Bann.

Wenn der 25-Jährige, der aus dem  beschaulichen Osttiroler Örtchen Oberpeischlach (104 Einwohner) kommt, etwa   mit seinem Rad rückwärts eine Stiege hinunterfährt, auf der Lenkgabel steht und während dem Fahren Bälle jongliert, oder wenn er mit  dem Hinterrad einen Pfeil zielsicher auf die Dartsscheibe bugsiert.

Herr Wibmer, fahren Sie eigentlich manchmal auch ganz normal Rad?
Das  kommt mir eigentlich nur ganz selten in den Sinn. In Wahrheit geh’ ich eigentlich nur Radfahren, damit ich in meinem Stil fahren kann. Ich will herumspringen und bin auch immer auf  der Suche nach einem Hindernis. Ich muss immer irgendwelche Spielereien machen. Das hat so einen Reiz für mich. Ich kann einfach nicht anders, ich   kann nicht normal Radfahren.

Sie haben mittlerweile fünf Millionen Follower auf Ihrem YouTube Kanal  und sind damit weltweit die Nummer 34 bei den Sportkanälen. Fühlen Sie Sich als Star?
Diese Zahlen sind echt total krass. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich aus einer Nische heraus komme. Ich finde es cool, dass ich mit dem, was ich mache, so viele Leute begeistern kann. Aber als Star sehe ich mich deshalb nicht. Für mich persönlich macht’s auch keinen Unterschied, ob ich jetzt fünf Millionen Follower habe oder 100.000. Ich will in erster Linie Radfahren, und wenn es  die Leute dann auch noch cool finden, umso schöner.

Werden Sie denn auf der Straße erkannt?
In Innsbruck, wo ich daheim bin, auf jeden Fall. Erstaunlicherweise sind inzwischen auch immer mehr ältere Menschen dabei. Die haben sich die Filme offenbar gemeinsam mit den Kindern angeschaut.

Was war  eigentlich Ihr Durchbruch, wie sind sie einem breiten Publikum bekannt geworden?
Wahrscheinlich war 2015 das Video „Fabiolous Escape 1“ der Karrierestart. Da habe ich daheim in Oberpeischlach einen Parcours durchs Dorf aufgebaut und bin über Dächer gesprungen. Das war die Initialzündung.  Dann ist halt ein Video nach dem anderen dazugekommen. „Wibmers Law“ ist das erfolgreichste Video. Das haben wir vor zehn Monaten veröffentlicht und trotzdem haben wir bei den Views schon die 100-Millionen-Marke geknackt.  Eigentlich ist das total krank.

Was fasziniert die Leute so an Ihren Filmen?
Jeder ist in seinem Leben schon mit dem Radl gefahren, deshalb können sich die Leute wahrscheinlich  auch  gut reinfühlen, in das, was ich mache.  Ich versuche auch ganz bewusst, bei meinen Tricks Alltagsgegenstände wie Stiegen, Geländer oder Bänke einzubauen, weil das die Leute besser nachvollziehen können. Mir macht’s halt einen großen Spaß, Sachen  zu finden,  wo sich die Leute denken: ,Da würde ich jetzt niemals mit dem Radl fahren. Das geht sicher nicht.’

Das heißt, Sie sind immer auf der Suche nach neuen Hindernissen und Herausforderungen?
Auf jeden Fall. Wenn ich durch die Stadt fahre,  schau’ ich immer auf Mauern, Stiegengeländer und alles mögliche.   Das ist  mein Element, ich sehe alles ein bisschen aus dem Bike-Blickwinkel.  Und ständig denkt man sich: ,Was könnten wir da anstellen? Für was ist das gut? Welchen Blödsinn könnten wir hier machen?’

Sie springen von hohen Dächern, fahren über schmale Brückengeländer und machen auf dem Rad Saltos. Wie groß ist das Risiko?
Ich  hab’ als kleiner Bub damit angefangen und mich   Schritt für Schritt nach oben gesteigert. Inzwischen habe ich so viel Erfahrung, dass ich weiß, wie ich mich zu verhalten habe und meistens auch instinktiv richtig reagiere. Ich bereite mich auch sehr genau auf die Sachen vor.  Manchmal gehe ich die Tricks vorher 500 Mal im Kopf durch und spiele auch alle möglichen Szenarien durch. Zum Beispiel was ich machen muss, wenn der Sprung zu kurz geht oder ich zu viel Tempo habe. Die Erfahrung ist sehr viel wert.

Wie oft waren Sie schon verletzt?
Das hält sich eigentlich inGrenzen: Bei einem Sprung aus einem Hubschrauber habe ich mir einmal das Schlüsselbein gebrochen, dann hatte ich beim Ellbogen einmal was und einige Fingerbrüche.  Also nicht so schlimm. Das Stürzen und Scheitern gehört dazu.  Es gehen auch nicht immer alle Pläne auf.

Apropos Pläne: Wie gehen Sie an ein Projekt heran? Verfassen Sie eine Art Drehbuch oder entstehen Tricks auch spontan?
Ein grobes Konzept mit Ideen habe ich immer parat, weil ich immer auch versuche, eine Story um die Bilder zu erzählen. Daran orientiert man sich. Bei manchen Ideen muss man auch schauen, ob sie überhaupt funktionieren. Beim Homeoffice-Video zum Beispiel haben wir den Trick mit dem Dartpfeil zigmal probiert, bis es irgendwann nach acht Patsch’n endlich geklappt hat. So fügt sich das zusammen.

Gibt es auch Tricks, die Sie verzweifeln lassen?
Natürlich. Für „Wibmers Law“ hatte ich mir eine Idee in den Kopf gesetzt:  Ich wollte auf einen Baum zufahren, dann eine halbe Drehung machen, rückwärts den Baum hinauffahren und dann einen Vorwärtssalto machen. Das wollte ich unbedingt im Video haben, aber das hat und hat einfach nicht funktioniert. Nach einer Woche haben wir einsehen müssen, dass es keinen Sinn macht, weil es nicht klappt.

Sie drehen viele Ihrer Videos oft mitten in der Stadt. Gibt’s da nie Probleme mit der Polizei oder den Behörden?
Inzwischen ist es so, dass wir praktisch für alle Aktionen Genehmigungen einholen. Wir betreiben es auf so einem Level, dass das nicht mehr anders geht. Wir schauen darauf, dass alles perfekt abgesperrt ist, sonst wird es ja auch gefährlich für mich und andere.
 

Ihre Fangemeinde wird immer größer, damit steigt  zwangsläufig auch die Erwartungshaltung.  Verspüren Sie einen Druck, immer noch verrücktere Sachen machen zu müssen?
Ich mach’ mir selbst überhaupt keinen Druck und lass’ ihn mir auch nicht aufzwingen. Mir ist klar, dass ich das Level nicht immer nach oben schrauben kann, das geht einfach nicht.  Viel wichtiger ist, dass man bei den Videos eine Idee hat. Man braucht eine gute Geschichte und eine tolle Location, um die herum ich dann die Sachen mache.

Können Sie verraten, wo Sie gerne einmal drehen würden?
Santorin wäre zum Beispiel so ein Platzl,  das mich reizt. Die vielen kleinen weißen Häuser würden sicher eine tolle Kulisse abgeben.  Aber keine Angst: Es gibt noch genügend coole Spots.

War eine sportliche Karriere gar nie ein Thema?
Früher bin ich noch  ziemliche viele Downhill-Rennen gefahren und war auch österreichischer Meister.  Mittlerweile mache ich es aber nur mehr aus Spaß, oder wenn wir ein Video drehen. Rennen gegen andere ist nicht so meins, ich mache lieber den  Wettbewerb gegen mich selbst.

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