Chris Calaycay kam 1999 als US-Import-Spieler erstmals nach
Wien, seit 2004 lebt er fix hier. Der 36-jährige US-Amerikaner ist Headcoach der
Raiffeisen Vikings. Die Wiener sind österreichischer Rekordmeister und eines der besten American-Football-Teams Europas.
KURIER: Die
Baltimore Ravens treffen im
Superbowl auf die
San Francisco 49ers. Was kann man sich erwarten? Chris Calaycay: Eine tolle Show und ein tolles Spiel von zwei Mannschaften mit super
Defenses. Ich hoffe, dass es nicht zu viele Punkte gibt.
Wie bitte? Ja, alle anderen hoffen auf viele Touchdowns. Aber ich bin nicht nur Headcoach, sondern auch Defense-Coach. Ich will diese fantastischen Defense-Teams sehen. „Defense wins championchips“ sagt man bei uns. Und das stimmt.
Wie intensiv verfolgen Sie die
NFL? Ich habe den NFL-Game-Pass und kann alle Spiele in HD über das Internet anschauen. Besonders jene der
Seattle Seahawks. Ich bin ein Fan dieser Mannschaft, da ich in
Oregon an der Westküste aufgewachsen bin. Geboren bin ich allerdings in
Hawaii.
Was bedeutet der
Superbowl in den
USA? Das ist das Nummer-1-Sportereignis. Nicht nur in den
USA, in der ganzen Welt. Vielleicht abgesehen von der
Fußball-Weltmeisterschaft oder von
Olympischen Spielen. Aber die gibt es ja nur alle vier Jahre.
Wie spielt es sich an einem Superbowl-Sunday in den
USA ab? Das Land steht still. Jeder schaut das Spiel an, wirklich jeder. Fast jede Familie, die ich kenne veranstaltet eine Superbowl-Party. Da wird gefeiert, gegrillt oder Pizza gegessen.
Und dann schaut man sich gemeinsam das Spiel an. Natürlich. Aber lustig ist: Auch die Werbeeinschaltungen sind mittlerweile zur großen Show geworden. Die stören das Spiel nicht. In den Pausen der Spielzüge werden die neusten und besten Werbespots der Welt gezeigt. Das ist genial und ist ein Teil dieser Stimmung. Und dann gibt’s ja noch die Events vor dem Spiel und die Halftime-Show – und das heuer alles in einer Party-Stadt wie
New Orleans.
Der Abfahrtslauf in
Kitzbühel hatte am vergangenen Wochenende fast 80 Prozent Marktanteil im TV. Wie schaut das beim
Superbowl in den
USA aus? Der
Superbowl 2012 war das meistgesehene Fernsehprogramm der Geschichte in den
USA (mit bis zu 72 % Marktanteil; Anm.). Skifahren ist der Sport der Österreicher und Football ist unsere Sportart. Allein der Name: AMERICAN Football. Natürlich gibt es auch Baseball oder Basketball. Aber allein das
Allstar-Game der
NFL am vergangenen Wochenende hatte 12,5 Millionen Zuschauer, obwohl man sagt, dass das niemand interessiert. Im Vergleich dazu haben die World Series of Baseball 12,7 Millionen.
Warum zieht der
Superbowl so in den
USA? Die Tradition kann es nicht sein, denn die
NFL ist eigentlich sehr jung. Wir haben jetzt erst den 45.
Superbowl. Aber Football ist ein Violent Game, ein Kontaktsport. Es geht wild zu, es gibt immer Action, es gibt Cheerleader. Die Leute wollen das.
Haben Sie schon einmal einen
Superbowl live im Stadion erlebt. Nein. Erstens ist es immer im Süden der
USA und ich habe im Norden gewohnt. Und es ist auch ein bisschen teuer. Normale Sitze ganz oben kosten 2500 Euro. Eine Presse-Box für drei Personen kostet zirka 100.000 Euro.
Haben Sie als Headcoach der Vikings keine Chancen auf Tickets? Leider nein. Ich war einmal auf einer Coaches-Convention in
Tennessee. Dort waren 20.000 Coaches und ich bin nur einer von ihnen.
Wo stehen die
Raiffeisen Vikings im Vergleich zu den US-Teams? Wir sind gegen College-Teams der Division 3 (5. Leistungsstufe) angetreten und es waren immer knappe Spiele. Damals hatten wir aber acht Imports, jetzt haben wir nur noch zwei.
Was kann Ihr Team von den Top-Teams aus der
NFL lernen? Die Philosophie des Spiels bleibt immer die gleiche. Ich schaue mir jedes Wochenende Spielzüge aus der
NFL an, die ich dann versuche, mit meiner Mannschaft umzusetzen. Ein neuer Trend ist etwa die Pistol-Offense der 49ers. Da setzt manchmal auch der Quarterback mit dem Ball zu einem Lauf an und bekommt so eine ganz neue Rolle.
Was würde passieren, wenn die Vikings gegen die
San Francisco 49ers antreten würden? (Calaycay lacht herzlich) Es würde Verletzte geben! Viele Verletzte. Man kann sich die Athletik dieser Leute nicht vorstellen. Dort spielen die Allerbesten eines riesigen Landes in dem alle Football spielen. Wenn die Vikings gegen die Sportredaktion des KURIER antreten würden, wäre das ein ähnliches Kräfteverhältnis.
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