Sport
02.02.2018

Oliver Marach: "Da hätte ich weinen können"

Der Australian-Open-Champ verrät, was ihn in den Minuten des Triumphes getrübt hat, und er spricht über Verletzungen, Stress und den Daviscup.

Aufgeweckt und auch wieder halbwegs ausgeschlafen präsentierte sich Australian-Open-Sieger Oliver Marach gestern im St. Pöltener Landhaus. Nach der Auslosung für das Daviscup-Heimspiel gegen Weißrussland (Freitag ab 15 Uhr, Samstag ab 13 Uhr) blickt der 37-jährige Grazer Doppelspezialist noch einmal auf seinen Triumph bei den Australian Open zurück und die anstrengenden Stunden danach.

KURIER: Wie geht’s Ihnen nach dem Sieg bei den Australian Open? Zum Feiern blieb nicht viel Zeit, oder?

Oliver Marach: Nein, überhaupt keine. Es war turbulent. Nach dem Doppelsieg am Samstag hatten wir danach noch Medientermine, erst gegen 5 Uhr früh war ich im Appartement. Nach zwei Stunden Schlaf hat es am Sonntag wieder Medientermine gegeben, um 22 Uhr ging dann der Flieger. Und kaum bin ich angekommen, bin ich zur Untersuchung an den Chiemsee gefahren. Mittlerweile geht es schon besser, bis Samstag ist der Jet-Lag weg. Von Mittwoch auf Donnerstag habe ich erstmals mit Schlaftabletten auch gut geschlafen. Aufgrund der stressigen Stunden habe ich den Grand-Slam-Titel noch nicht richtig realisiert.

Nach dem Wimbledon-Finale sind Sie ja in irgendeiner Burrito-Bude gelandet ...

Ja, das war lässig damals in London, die haben uns ein Ständchen gespielt. Dieses Mal war auch deshalb nichts drinnen, weil mein Partner Mate Pavic am Sonntag auch noch das Mixed spielte (und gewann; Anm.). Ich habe im Flugzeug nur ein Glas Rotwein getrunken, aber nur, dass ich besser schlafen kann.

Wann wird der Triumph mit der Gattin und den zwei kleinen Töchtern gefeiert? Sie leben ja alle zusammen in Panama.

In den unmittelbaren Minuten des Sieges hätte ich weinen können, weil ich so gerne meine Töchter (fünf bzw. zwei Jahre; Anm.) auf den Platz geholt hätte. Sie werden es nicht glauben, aber ich habe meine Familie seit 25. Dezember nicht gesehen. Nach dem Daviscup besuche ich Mate in Zagreb, da wird nachgefeiert, dann spielen wir in Rotterdam und dann gibt es in Panama ein Wiedersehen mit der Familie. Sie nehme ich dann auch mit zum Turnier nach Acapulco.

Ein dickes Programm. Dabei sah es ja in der Vorbereitung nicht gut aus nach ihren Rückenproblemen. Alles weg?

So gut wie. Im Dezember habe ich zwei Mal trainiert, war nur auf Reha und beim Arzt, ein gute Vorbereitung sieht anders aus. Ich habe mich untersuchen lassen, warum ich so oft verletzt bin. Seitdem mache ich eine Pilzkur, jetzt sieht es besser aus. Umso erstaunlicher ist, dass wir Geschichte geschrieben haben. Noch kein Doppel hat jemals zu Saisonbeginn zwei Turniere und dann noch in Melbourne gewonnen.

Schon vor der Verletzung ging es aufwärts. Machen Sie etwas anders als früher?

Mate und ich haben seit Herbst mit John Farrington ein eigenen Trainer. Mit ihm haben wir noch kein Spiel verloren. Er hat uns auch Vertrauen in unsere Stärken gegeben, uns noch besser gemacht. Zudem passen Pavic und ich perfekt zusammen.

Sie waren ja wie Pavic auch als Einzelspieler gut. Viele meinen, Sie hätten es in die Top 50 schaffen können. Warum hat es nicht geklappt?

Ich weiß nicht, ob ich es geschafft hätte. Ich war mental nicht so stark, auf der anderen Seite auch oft verletzt. Irgendwann hätte ich es dann nicht mehr geschafft.

Bandscheiben, Handgelenke und vieles mehr. Und trotzdem ging es doch immer weiter ...

Glauben Sie mir, ich dachte oft ans Aufhören. Aber gerade deshalb habe ich noch mehr trainiert. Ich habe nie aufgegeben. Und das macht sich jetzt mit 37 bezahlt.

Im September fehlten Sie verletzungsbedingt im Daviscup, jetzt sind Sie in St. Pölten dabei? Ein besonderes Gefühl?

Ich spiele immer gerne für Österreich, deshalb hat es mir im September extrem leid getan, dass ich kurzfristig absagen musste. Ich freue mich auf das Tennisfest.

Jetzt spielen Sie mit Philipp Oswald. War das Ihr Lieblingspartner für Samstag?

Ich bin in Melbourne mit Ossi und Alex Peya zusammengesessen, wir haben untereinander ein sehr gutes Verhältnis. Und dann haben wir entschieden, dass Ossi spielt, weil er ein besseres Ranking hat. Außerdem hat er heuer auch schon gute Ergebnisse gehabt.