Sport
10.07.2017

Aufstieg & Fall des Herrn Boris Becker

Die deutsche Tennislegende Boris Becker hat finanzielle Troubles.

Ein Auftritt vor vier Jahren im RTL-Hauptabendprogramm hätte alle eigentlich schon stutzig machen müssen. Die riesigen grellpinken Fliegenklatschen, die sich Boris Becker damals über die Ohren gehängt hatte, waren sogar noch das Stilvollste an der TV-Show "Pocher gegen Becker". So richtig peinlich und befremdlich wurde es, als der beste deutsche Tennisspieler der Geschichte am Ende der Sendung dem Selbstzerstörungstrieb freien Lauf ließ und mit Tennisbällen Fotos abschießen musste, auf denen er abgebildet war.

Ist Boris Becker denn gar nichts zu blöd? Hat einer wie er das wirklich nötig? Muss sich ein dreifacher Wimbledon-Champion vor einem Millionenpublikum zum Deppen machen?

Offensichtlich schon.

Bankrott

Die jüngsten Entwicklungen und Enthüllungen rund um die frühere Nummer eins im Welttennis lassen jetzt auch diesen bizarren TV-Auftritt aus dem Jahre 2013 in einem anderen Licht erscheinen. Wenn nur ein Bruchteil der Zahlen stimmt, die dieser Tage in Wimbledon herumschwirren, dann muss Boris Becker schon seit längerer Zeit finanziell im Eck stehen und über jeden Cent froh sein, der auf sein Konto fließt. Und wenn er dafür den Kasper spielen muss.

Ein Londoner Gericht hatte den 49-Jährigen dieser Tage erst hochoffiziell für "bankrott" erklärt, nachdem Becker einer Privatbank einen Millionenkredit schuldig geblieben war. Dazu steht eine Forderung in Höhe von 36,5 Millionen Euro im Raum, die der Deutsche angeblich einem Geschäftspartner schulden soll. Zwar beteuerte Boris Becker in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass er "weder zahlungsunfähig noch pleite" sei, doch es scheint für den deutschen Sportstar immer enger zu werden. Von einem "Insolvenz-Drama" schreibt die Bild, "Boris ist seine Kreditkarten los!"

Der Absturz von Boris Becker ist jetzt keineswegs tragisch, aber traurig ist es allemal, wie ein weiteres Sportidol (siehe unten) am Alltag scheitert und mit jedem Tag, mit jeder Aktion, mehr von seinem einstigen Heldenstatus zu verlieren scheint. Viele sehen in dem 49-Jährigen längst nicht mehr den Jungstar und Publikumsliebling, der 1985 mit 17 Jahren als jüngster Spieler in Wimbledon gewinnen konnte. Sondern einen Mann, der jahrzehntelang im goldenen Käfig wohnte, eine Heerschar an Beratern und Einflüsterern um sich hatte, sich im wirklichen Leben aber nicht richtig zurechtfand.

Samenraub

Die Schlagzeilen, die Becker nach seiner Karriere lieferte, in der er allein 25 Millionen Dollar Preisgeld verdient hatte, waren häufig nur mehr in den deutschen Klatschblättern zu lesen. Genüsslich wurden dort seine amourösen Abenteuer ("Samenraub, Sex in der Besenkammer") bis ins letzte Detail ausgeschlachtet, weshalb Becker schließlich auch nach London auswanderte.

In London fühlt sich er zu Hause, dort erfährt er noch jene Anerkennung, die ihm daheim in Deutschland immer öfter verwehrt bleibt. Für die BBCkommentiert Boris Becker das Turnier in Wimbledon, all die schlechten Nachrichten scheinen an ihm abzuprallen.

Ohnehin dürfte der 49-Jährige hart im Nehmen sein. Dass er seinerzeit für den Auftritt bei Comedian Oliver Pocher kritisiert worden war, konnte Becker nicht nachvollziehen: "Bin ich jetzt ein schlechter Mensch, habe ich einen miesen Charakter, bin ich arbeitslos, vernachlässige ich meine Kinder", fragte er im Spiegel.

Wenn Alltagssorgen die Superstars plagen

Es gibt genug Beispiele von Sportstars, die sich im Alltag nicht zurechtfinden und nach der Karriere traurige Berühmtheit erlangen.

George Best

Der ehemalige Manchester-United-Profi war in den 1960ern einer der Superstars des Fußballs. Neben dem Platz war der Nordire aber vor allem weltmeisterlich im Trinken. 1984 musste Best schließlich wegen Alkohol am Steuer für zwei Monate ins Gefängnis.

Mike Tyson

Der wohl berühmteste Bad Boy des Sports hat einiges auf dem Kerbholz. Legendär ist seine Biss-Attacke gegen Evander Holyfield, bei der Tyson ein Stück des Ohrs des Gegners abbiss. Wegen Vergewaltigung wurde der Amerikaner 1992 zu zehn Jahren Haft verurteilt, aber aufgrund guter Führung bereits nach drei Jahren entlassen.

Matti Nykänen

Die Skisprung-Legende wurde 2004 wegen des Verdachts, eine Messerattacke auf einen Freund ausgeführt zu haben, zu 26 Monaten Haft verurteilt. Nach 13 Monaten wurde er auf Bewährung entlassen, fügte jedoch nur vier Tage später seiner Frau eine schwere Kopfwunde zu – und musste wieder in U-Haft. 2009 attackierte er seine Frau erneut und wurde zu 16 Monaten Haft verurteilt.

O.J. Simpson

Der Ex-Football-Spieler wurde im Sommer 1994 stundenlang von der Polizei verfolgt, die ihn wegen Doppelmordes festnehmen wollte. Die Verfolgungsjagd durch Hollywood wurde sogar live im Fernsehen übertragen. Simpson wurde trotz erdrückender Beweise freigesprochen, landete später aber wegen eines Raubüberfalls im Gefängnis.

Diego Maradona

Der argentinische Fußballweltmeister von 1986 leistete sich etliche Eskapaden. Maradona war für Drogenexzesse berühmt, einmal schoss er mit dem Gewehr auf Journalisten und verletzte fünf von ihnen.