Sport
01.08.2018

Alexander Horst kann auch mit 35 nicht verlieren

Der Wiener wurde 2017 mit Clemens Doppler Vizeweltmeister – am Donnerstag geht es für die beiden auf der Donauinsel los.

Die Szenen aus dem August 2017 werden keinem der Anwesenden so schnell aus der Erinnerung verschwinden. Clemens Doppler sinkt mit weit ausgebreiteten Armen in den Sand, Alexander Horst fällt über ihn her. Sie halten ihre Hände vor das Gesicht. Ungläubig sehen sie auf die Anzeigentafel und lesen in orange-roter Schrift, dass sie mit einem 2:1-Erfolg gegen die Russen Krassilnikow/Liamin ins WM-Finale eingezogen sind. Ins Finale auf der Wiener Donauinsel. Beim Heim-Turnier. Beim größten und besten Turnier, das es in der Geschichte dieses Sports bis dato gab.

Nach der Enttäuschung über das verlorene Endspiel gegen die Brasilianer André/Evandro begann die WM-Silbermedaille bald golden zu glänzen. Es war die erste Medaille bei einem WM-Turnier für Österreich. Und plötzlich wurden Doppler/Horst auch jenen Leuten bekannt, die vor der WM glaubten, Horst sei der Vorname von Doppler (© News).

„Letztens beim Einkaufen in der Shopping City haben fünf Leute ein Selfie mit mir machen wollen“, sagt Alexander Horst im KURIER-Gespräch. Der 35-jährige Wiener genießt diese Aufmerksamkeit am Vorabend seiner Karriere. Und er ist locker und entspannt wie nie zuvor. Pressekonferenzen mit den beiden arten zu freundschaftlichen Gesprächen aus.

Das Ziel heißt Tokio

Der Erfolg bei der WM lässt sie weiter träumen. Jenen Traum, dem sie seit fast 20 Jahren in ihrem Sportlerleben alles unterordnen – jenen des Beachvolleyball-Profis. Durch die Medaille sind Sponsoren dazugekommen, das professionelle Umfeld ist auch weiterhin finanziert. Bestenfalls geht es für sie bis Olympia 2020 in Tokio weiter. Körperlich spricht nichts dagegen. „Sie sind fit wie noch nie“, sagt Trainer Robert Nowotny. Auch Clemens Doppler, der schon drei Mal am Kreuzband operiert wurde und heuer schmerzfrei ist. Im Gegensatz zur WM, vor der er die Schreckensnachricht bekommen hatte, dass sich ein operiertes Kreuzband in Luft aufgelöst hatte. „Ich habe nach den Spielen vor lauter Schmerzen nicht gewusst, wie ich die zwei Stufen auf das Podest bei den Interviews hinaufkomme“, erinnert er sich.

Das Adrenalin im 10.000er-Stadion spülte den Schmerz aus den Beinen. Und natürlich wuchs Alexander Horst über sich hinaus. Der mit 1,85 Metern eher kleine Athlet pushte das Team. Wäre nicht sein blondes Haar, müsste er vom Ballgefühl her einen brasilianischen Namen tragen. Zum Lohn wurde er auch zum besten Spieler der WM gewählt.

Dass er dennoch oft im Schatten von Clemens Doppler, 37, steht, scheint ihn nicht zu stören. Ein arrogantes Erscheinungsbild bescheinigen ihm nur Leute, die ihn nicht persönlich kennen. Privat ist er leidenschaftlicher Golfer und ein noch leidenschaftlicherer Vater. Mit seinen Kindern Alessa (6) und Fabio (4) verbringt er jede freie Minute. Es ist ihm anzumerken, dass er unter dem Familienstand „noch verheiratet“ leidet.

Fabio ist auch oft beim Training dabei und will schon jetzt in die Fußstapfen des Papas treten. „Er hat schon mit vier ein unglaubliches Ballgefühl. Vielleicht werde ich ja mal sein Trainer. Aber da muss ich wohl ein paar Jahre überbrücken“, sagt Horst schmunzelnd. Einen Plan, wie es nach der Karriere weitergeht, hat Horst noch nicht. „Ich hoffe, wir werden bei der Polizei aufgenommen. Und im Sport zu bleiben, wäre natürlich auch schön. Aber jetzt will ich noch ein paar Jahre spielen.“

Der Siegeswille

Und das macht er mit der gleichen Intensität wie immer. Horst ist auf der World Tour bekannt dafür, alles für den Punktegewinn zu tun. Ein böser Blick hier, eine Diskussion da – die Gegner nehmen ihm das nicht übel. „Wir kennen uns ja alle schon sehr gut. Ich wende ja keine unfairen Mittel an. Aber es ist definitiv so, dass ich einfach nicht verlieren kann.“

Am schlimmsten seien Niederlagen, bei denen er schlecht gespielt hat. „Dann braucht mich niemand anreden. Da brauche ich Zeit, bis ich mich selbst wieder leiden kann.“

Eine Eigenschaft, die Alexander Horst bis zu seinem Karriereende haben wird. Denn: „Wenn mir einmal eine Niederlage nichts ausmacht, dann hör’ ich auf.“