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Klimafolge
07/27/2015

Ein Wespensommer wie lange nicht

Im milden Winter überlebten viele Königinnen – die Hitze begünstigt die Entwicklung der nützlichen Tiere.

von Nicolin Irk

Wespen sind derzeit allgegenwärtig: Die hohen Temperaturen und die Trockenheit begünstigen ihre Entwicklung und Vermehrung. Und durch den vergangenen milden Winter konnten zudem besonders viele Jungköniginnen überleben.

Obwohl die schwarz-gelben Brummer eigentlich ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems sind, leiden sie unter einem schlechten Image. Was viele nicht wissen: Nur zwei Vertretern, der Deutschen und der Gemeinen Wespe, haben sie ihren lästigen Ruf zu verdanken. Andere Wespenarten verzichten in der Regel auf Kost des Menschen und bevorzugen Insekten, Fallobst oder Tierkadaver. "Das Verhalten, in Wohnräume einzudringen und dort mit dem Menschen in Konkurrenz zu treten, gibt es nur bei der Deutschen und der Gemeinen Wespe", erklärt der Kustos der Entomologie-Abteilung des Biologiezentrums in Linz, OÖ, Fritz Gusenleitner. Obwohl der Großteil der Wespen friedfertig ist, müsse man die sogenannte Aggressionsdistanz beachten: "In Nestnähe hat man mit allen Tieren, also auch den harmlosen, ein Problem. Wenn bei Ihnen jemand mit dem Schraubenzieher an der Haustür herumstochert, wären Sie auch nicht begeistert."

Kontrolle hilft

Wespennester entstehen auch nicht erst im Hochsommer. Die Jungköniginnen beginnen schon im März oder Mai mit dem Nestbau. Das Nest wird dann kontinuierlich größer und Haus- oder Gartenbesitzer bemerken oft erst dann das Wespenvolk, das sich bei ihnen eingenistet hat. Indem man also Dachböden, Dachfugen und Gärten schon im Frühling präventiv kontrolliert, könnte man den Tod eines ausgewachsenen Wespenvolkes, das bis zu 5000 Tiere umfassen kann, vermeiden. "Ein Eingriff einer Schädlingsbekämpfungsfirma ist im Mai oder Juni viel unproblematischer", sagt die Berufszweigvorsitzende der Schädlingsbekämpfer, Marianna Jäger.

Stellenwert

Wespen erfüllen zudem wichtige Funktionen in der Natur: Indem sie andere Insekten fressen und so deren Bestände kontrollieren, helfen sie, das natürliche Gleichgewicht zu bewahren. Außerdem bestäuben sie bei der Nahrungssuche indirekt Blüten. "Wespen passen zwar nicht ins Konzept des Menschen, sie haben aber trotzdem ihren Stellenwert in der Natur", betont Gusenleitner. Ihre Nester sollten deshalb nicht aktiv bekämpft werden, wenn sie nicht im direkten Einflussbereich des Menschen sind.

In Österreich werden Nester im Wohnbereich von den Feuerwehren nur bei Gefahr im Verzug entfernt. "Nur in Ausnahmesituationen, wenn Nester sich in unmittelbaren Bereichen von Schulen, Altenheimen oder Kindergärten befinden und dort Personen direkt bedroht sind, wird die Berufsfeuerwehr tätig", so Dieter Pilat von der Berufsfeuerwehr Graz. Ansonsten muss ein Schädlingsbekämpfer kontaktiert werden. Mehr Einsätze gibt es bei Freiwilligen Feuerwehren.

"Um sich vor Wespen zu schützen, sollte das Essen nicht zu lange draußen gelassen werden", sagt Sabine Seidl von "die umweltberatung". "Außerdem sollte man beim Trinken einen Strohhalm verwenden."

Auch eine Erfindung aus Amerika könnte helfen: Der Waspinator, ein Beutel, der wie ein feindliches Hornissen- oder Wespennest aussieht. Der Waspinator wird meist am Sonnenschirm befestigt. Wenn Wespen das Marmeladenbrot ansteuern, entdecken sie das vermeintliche Nest und biegen rechtzeitig ab.

Allergie wird unterschätzt

Jährlich sterben drei bis vier Bienen- und Wespengiftallergiker an den Folgen eines anaphylaktischen Schocks – einer extreme Reaktion des Immunsystems auf das Gift der Tiere. Die Dunkelziffer könnte weitaus höher sein: Rund 300.000 Österreicher sind von einer solche Allergie betroffen, aber nicht einmal jeder Fünfte sucht Hilfe bei einem Arzt. Und sogar nur zwei von zehn Betroffenen werden mit einer Insektengift-Immuntherapie behandelt, bei der das Immunsystem des Körper langsam an das Gift gewöhnt wird. 90 Prozent der Betroffenen sind danach beschwerdefrei. Anzeichen für eine allergische Reaktion sind Hautausschlag, Schwellungen, Juckreiz, Heiserkeit, Husten, Atemnot, Schwindel und Herzrasen. Besonders gefährdet sind Asthmatiker, Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen oder bei denen es schon einmal zu schweren Stichreaktionen gekommen ist. Allergiker sollten stets ein Notfallset dabei haben. Es enthält u.a. eine Adrenalin-Spritze zur Selbstanwendung.

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