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12.02.2017

"Wildsau" Max Franz griff für Bronze tief in die Ski-Kiste

"Arschbacken zusammenzwicken und voll runterdrücken." Man kann es eleganter formulieren, aber mit Schönreden hat noch niemand eine WM-Medaille gewonnen. Der Kärntner Max Franz hat nach seinem Abschneiden in den Abfahrtstraining auf der Corviglia in St. Moritz seinen schnellen Ski aus diesem Winter ins Eck gestellt, ein zwei Jahre altes Modell "herausgezaubert" und ist damit zu Bronze gefahren.

Der (Gröden-Sieger-)Ski habe hier herunter einfach nicht funktioniert, erläuterte Franz. "Es ist ganz speziell hier, es geht Kurve auf Kurve, da brauchst du ein bisschen mehr Taillierung, damit du den Schwung länger halten kannst." Bei den verpatzten Abfahrten vor der WM in Garmisch-Partenkirchen war er noch nicht zum Wechseln bereit gewesen, obwohl das dort so ähnlich gewesen sei und schon danach verlangt hätte. Er hatte es auch Schwarz auf Weiß, deshalb blieb er nun nicht länger "stur", wie er erklärte.

"Ich wusste, mein Skifahren funktioniert. Ich fahre locker, habe den Speed. Ich war überzeugt, dass es der Ski ist, dass es nicht an mir liegen kann. Ich bin gut drauf und fertig. So bin ich heute ins Rennen gegangen." Im Ziel ärgerte er sich, weil er in ein, zwei Kurven etwas zögerlich, etwas passiv gewesen sei. "Das ist nicht so geglückt, aber ich habe mich gut runtergeschwindelt." Und dann habe er den Dreier gesehen und sich noch mehr geärgert ("Was ärgerst du dich, du Depp!"), weil er sich geärgert habe.

Vertrauen und Sicherheit auf der Strecke erarbeiten, sei das Ziel in den Trainings gewesen. "Das ist mir nicht geglückt. Heute habe ich das alles ausblenden können." Sein Vater und seine Freundin waren im Stadion in Salastrains mit dabei, der Fanbus, der bereits am Samstag zum geplanten Renntermin gekommen war, musste samt Insassen nach der Absage wieder zurück nach Kärnten fahren. Auch dort wurde im Fanlokal mitgefiebert und gefeiert, wie der WM-Dritte bereits bildlich übermittelt bekam.

Am 17. Dezember 2016 feierte Franz in der Gröden-Abfahrt in seinem 91. Rennen seinen ersten Sieg im Weltcup. Es war der ersten Abfahrtserfolg der österreichischen Herren seit 651 Tagen. Tags zuvor hatte er von seinem Fanclub einen Wildsau-Anstecker geschenkt bekommen, den er seitdem auf der Haube trägt. Die Bronzene am Sonntag war die erste Medaille für Österreichs Herren bei einer WM seit Michael Walchhofer 2005. Mit dem Wort Erlöser kommt er dennoch nicht ganz klar.

"Ich habe die Bronzene, das ist nur schön. Ich hatte ein Ziel, ich wollte eine Medaille machen. Im Super-G habe ich sinnloserweise zu viel riskiert, schön, dass ich es heute runtergebracht habe. Die Frauen habe alle Farben 'beinander'. Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, nun sind die anderen dran", meinte er in Richtung männliche Teamkollegen.

Für den 27-Jährigen war der Gröden-Sieg ein einschneidendes Erlebnis, es nahm ihm den Druck des Gewinnenmüssens. "Ich musste für mich selbst gewinnen. Und jetzt darf ich schnell fahren", sagte er seitdem immer wieder. Aber es müsse halt alles zusammenpassen. "Die Fahrt muss passen, der Ski muss schnell sein, und das Glück musst du auf deiner Seite haben." Das war Sonntag der Fall. Als Draufgabe hat es ein Foto mit Tennis-Superstar Roger Federer bekommen. "Das Treffen war sehr kurz, ein Foto habe ich, das passt einmal."

Der Weißbriacher war in den vergangenen Jahren auf dem Weg nach ganz oben oft durch seine teilweise ungestüme Fahrt und daraus resultierende Fehler sowie durch Verletzungen zurückgeworfen worden. 2016 hatte er sich bei einem Trainingssturz am linken Sprunggelenk und Knie schwer verletzt. Das ist alles überstanden. Rückhalt für ihn ist auch Cousin Werner Franz, der ehemalige Speed-Fahrer ist nun Trainer im Herrenteam, das Videostudium machen die zwei immer gemeinsam.