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12.02.2017

"Wahltiroler" Feuz gelang zu Hause der größte Sieg

Einen Tag nach seinem 30. Geburtstag hat Beat Feuz die Schweiz bei der WM in St. Moritz endgültig in den Ski-Himmel geschossen. Als Favorit holte der gelernte Maurer und Wahltiroler den Sieg im Königsbewerb Abfahrt und damit seine erste WM-Goldene überhaupt. Es ist der größte Erfolg des in Innsbruck lebenden "Kugelblitz".

Was erstaunt, weil Feuz seit einem Jahrzehnt zu den besten Skirennläuferin im Weltcup zählt. Sieben Weltcupsiege stehen zu Buche, allerdings haben Verletzungen und andere gesundheitliche Probleme dem Schweizer immer wieder dicke Striche durch die Rechnung gemacht.

Besonders heftig war es 2012, als Feuz als Gesamtführender zum Weltcup-Finale nach Schladming kam und dort nach der Abfahrt schon 135 Punkte Vorsprung auf Marcel Marcel Hirscher hatte. Vor dem abschließenden Slalom musste Feuz wegen Knieschmerzen aber w.o. geben und Hirscher den Gesamtsieg überlassen.

Damals stand sogar die Karriere von Feuz auf dem Spiel. Denn die Knieprobleme waren medizinisch gravierend. "Die Ärzte haben gesagt, ich soll nicht damit rechnen, nochmals auf die Skirennpisten zurückzukehren", erinnerte sich Feuz am Jubeltag an die finsterste Zeit seiner Karriere.

Er habe das damals zunächst nicht wahrhaben wollen. "Nach einem Monat in der Klinik war mir aber klar, dass es tatsächlich so kommen könnte", gab er nun zu. Der Weg zurück sei dann sehr steinig gewesen. "Ich stand am Start, ohne Muskeln und Kraft. Nach zwei Wochen Weltcup war wieder alles vorbei. Die Energie hat nicht gereicht. Da war mir bewusst, es wird schwierig."

Drei Jahre, begleitet mit täglicher Therapie, habe es dann gedauert, bis er wieder halbwegs zurück gewesen sei. "Aber mir war klar, dass ich mich auf Eintages-Events konzentrieren muss und nie wieder um die große Kugel kämpfen kann", sagte der seit elf Jahren mit der ehemaligen ÖSV-Rennläuferin Kathrin Triendl liierte und in Innsbruck lebende Feuz.

Seine Freundin sei die wichtigste Person in seinem Leben, betonte Feuz. "Sie weiß genau, was ich brauche." Triendl selbst sagte am Sonntag gegenüber dem Schweizer Fernsehen: "Er hat sich es einfach verdient. Ich gönne es ihm von Herzen. Es hat heute so ausgeschaut, als ob im Leben alles zurückkommt." Feuz lebt nicht nur in Innsbruck, er spielt bisweilen Sommers für den TC Oberperfuss auch in der Tennis-Bezirksliga.

Feuz hatte im März 2016 die WM-Generalprobe in St. Moritz gewonnen, war zuletzt in Kitzbühel mit klarer Zwischenbestzeit ausgeschieden und hatte in den WM-Trainings die Plätze eins und zwei belegt. Abfahrts-Gold fühle sich "sehr gut" an, betonte Feuz. "Alle haben das erwartet und es war natürlich auch mein Ziel. Aber es hört sich hinterher einfacher an."

Favoritenrollen müsse man ausblenden, so Feuz. "Der Druck war sicher da. Ich lese ja auch gerne Zeitung und schaue gerne Fernsehen." Er habe deshalb sein Handy am Renntag auf lautlos gestellt. "Ich war relativ entspannt, das war letztlich Gold wert."

Er habe aber keinen perfekten Lauf erwischt. "Mir wär's von ganz oben mit dem Freien Fall natürlich lieber gewesen, ich bin ja nicht der beste Starter", erklärte er, warum er im ersten Streckenabschnitt nicht der Schnellste gewesen war. Unten sei es aber dann sehr "korrekt" gewesen, ließ der Sieger den ordentlichen Schweizer heraushängen.

Seine ganze Karriere sei in den vergangenen Jahren ein Kampf gewesen, betonte Feuz. "An Tagen wie diesen ist das aber dann mehr als genug, was da zurück kommt."

Dass mit Erik Guay (35) oder Lindsey Vonn (32) Athleten in St. Moritz Altersrekorde aufgestellt hatten und auch ein Hannes Reichelt (36) immer noch gewinne, gebe ihm auch Hoffnung, so Feuz. "In der Abfahrt zählt die Erfahrung mehr als in den anderen Disziplinen. Und ich bin ja erst 30."