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02/13/2017

Trainer Winkler über Franz: "Hat alles für Top-Abfahrer"

Nach der ersten WM-Medaille für Österreichs Abfahrer seit 2005 hat sich auch im Herren-Betreuerteam große Erleichterung breitgemacht. Österreichs Speed-Chef Florian Winkler sprach im Interview mit der APA über Bronzemedaillengewinner Max Franz, den Erwartungsdruck, die Zeit nach Hannes Reichelt und die restliche Saison:

APA: Wie sehr hat das Trainerteam die Statistik vor der WM-Abfahrt im Auge gehabt?

Winkler: "Eigentlich schaue ich sehr, sehr wenig auf die Statistik, aber in diesem Fall schon. Zwölf Jahre war die letzte Medaille her, das nimmt man sich natürlich zu Herzen. Auch als Motivationsspritze bei Ansprachen oder Sitzungen. Es waren in diesen Jahren exzellente Sportler am Werk. Sie haben es leider nicht geschafft, es bei Weltmeisterschaften auf den Punkt zu bringen. Da sieht man mal, wie eng Sieg und Niederlage zusammenhängen. Mich freut es extrem, dass es einer aus der Mannschaft, die derzeit sehr gut aufgestellt ist, geschafft hat. Super Leistung von Max. Ein sehr schöner Tag."

APA: Nach den Leistungen am Saisonbeginn kam Kritik am Speedteam auf, die sich erst mit dem Sieg in Gröden von Franz beruhigte. Wie sind Sie damit umgegangen?

Winkler: "Wir blocken das radikal ab, das ganze Spiel. Die Athleten hören es, aber sie sind sehr professionell und konzentrieren sich auf sich selbst. Aber wenn ich jetzt einmal ein bisserl persönlich reden darf, dann ist das sicher so, dass das schon ein Riesendruck ist. Wenn man hört, dass schon lange Zeit keine Medaille geholt wurde, ist das natürlich ein Riesenziel für jeden. Das ist jetzt eine Genugtuung, weil so viele Leute sagen, die Abfahrer haben eine Krise. Ich weiß ganz genau: die Abfahrt ist in Österreich bei den Herren das Nonplusultra. Das kommt von früher her, das ist die Königsdisziplin. Das ist das Riesenziel, das haben wir heute geschafft, dass wir eine Medaille holen. Aber natürlich ist Gold immer das Ziel für Österreich."

APA: Ist bei Max Franz der Knopf nun endgültig aufgegangen, die Basis für weitere Erfolge nun gelegt?

Winkler: "Ich glaube schon. Gröden war für ihn selbst ein großer Schritt. Und ich glaube, dass das hier ein weiterer großer Schritt war. Die Basis war schon vor Gröden gelegt, er ist ein super Skifahrer, er hat alle Sachen, die man für einen Top-Abfahrer braucht. Es gehören aber auch andere Sachen auch dazu. Das ganze Rundherum, Trainer, Familie. Circa eine Woche vor Gröden hat er sich geändert, ich weiß nicht wieso. Aber es passierte eine menschliche Veränderung - in sehr positiven Zügen. Dass er ein bisserl lockerer geworden ist. Ein bisschen ruhiger, nicht mehr so stressig. Seitdem kann man mit ihm sehr gut reden und analysieren. Das war ein Riesenschritt. Es ist ganz wichtig bei den Highspeed-Disziplinen, dass du die Ruhe bewahrst, auch wenn es mal nicht so geht, und wieder hart arbeitest. Das ist wichtig für die Zukunft, er kann sicher noch fünf bis acht Jahre Toplevel bringen und bei Olympia und Weltmeisterschaften Medaillen holen. Und sich selbst beweisen, dass er mehr als ein Rennen gewinnt."

APA: Für diese Saison hat sich auch Vincent Kriechmayr einen Sieg vorgenommen. Wo sehen Sie ihn?

Winkler: "Ja, wenn man sich etwas ganz fest vornimmt, ist es vielleicht auch sehr schwierig, weil man zu viel will. Das will ich nicht sagen vom Vinz, der hat im Sommer hart gearbeitet. Es hat in der Vorbereitung sehr gut ausgeschaut. Aber bis vor ein paar Wochen hat es nicht hingehaut. Das liegt sehr viel auch am Kopf, die nötige Lockerheit. Das muss alles zusammenpassen. Das Material ist sehr gut, aber die Kleinigkeiten sind auch zum Abstimmen. Und das gewisse Gefühl. Er hat jetzt gesagt, er hat das Gefühl gefunden. Es macht total viel Spaß, ihm zuzuschauen, mit der Spannung. Aber Spannung kann oft negativ sein. Jetzt hat er das gefunden, genau auf den Punkt. Im Super-G hat er wirklich Pech gehabt. In der Abfahrt war das auch eine Topfahrt bis auf den Fehler. Er hat riskiert in der Felsenpassage, da hat er es verloren. Aber er hat sich selbst bewiesen, dass er ein super Skifahrer ist, er freut sich auf die nächsten Rennen. Er ist ein Versprechen für die Zukunft."

APA: Hannes Reichelt ist 36 Jahre, für viele ist er ein wichtiger Ratgeber im Team. Haben Sie irgendwelche Bedenken hinsichtlich Mannschaftsgefüge, wenn er in Pension geht?

Winkler: "Ich glaube, dass er es nach Olympia nächstes Jahr lässt, wenn alles normal läuft. Ich glaube aber auch, dass die anderen dann so weit gewachsen sind. Ein Matthias Mayer zum Beispiel, der hat auch schon viel erreicht. Die Burschen, auch die Jüngeren, haben schon viele Jahre auf dem Buckel. Es wäre halt gut, dass wir wieder ein paar wirklich sehr junge dazukriegen. Das ist für so eine Mannschaft auch wichtig, dass welche von hinten Gas geben."

APA: Nach der WM stehen im Weltcup noch drei Abfahrten auf dem Programm. Was ist das Vorhaben?

Winkler: "Wir müssen weiter Gas geben. Wir sind im Weltcup nicht so weit weg. Es war nach der Abfahrt hier auch gleich wieder ein Thema mit den Fahrern. Mit Hannes Reichelt und den anderen, die nicht so super waren. Dass wir nächste Woche wieder sehr gut trainieren in Saalbach und unsere Chance in Norwegen suchen müssen. Abgerechnet wird dann in Aspen. Dann werden wir das alles analysieren. Aber ich glaube, wir haben hier sehr viel richtig gemacht. Und man darf nicht vergessen, dass wir vergangene Saison sieben Verletzte gehabt haben. Und die waren wieder dabei. Und das ist das Wichtigste, wenn man in ein Großevent oder in die Saison reingeht, dass man fit und bereit ist. Wir haben hier vier super Burschen am Start gehabt. Die Vorbereitung war sehr gut, zum Glück war das eine Medaille wert."

(Das Gespräch führte Birgit Egarter/APA aus St. Moritz)

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