© Ernst Kainerstorfer

Romy
03/03/2020

Fritz Karl

Seine Darstellung einer ambivalenten Figur im Drama "Ein Dorf wehrt sich" bringt Fritz Karl die Chance auf eine weitere ROMY.

von Christoph Silber

Für Fritz Karl, am Traunsee aufgewachsen, war es – fast – ein Heimspiel: das auf realen Begebenheiten in Aussee fußende Drama „Ein Dorf wehrt sich“. Seine Film-Figur, Sepp Rottenbacher, ist kein strahlender Held, sondern, wie viele Österreicher in der Nazi-Zeit, ein Mitläufer und Wegschauer. Eine über weite Strecken ambivalente (Film-)Figur also, die Schauspieler fordert und, wenn sie das Können haben, befördert – zum Nominierten der ROMY 2020 (wie übrigens auch Film-Kollegin Brigitte Hobmeier und deren Film-Mann Harald Windisch).

Fritz Karl ist ein Vielarbeiter, dessen Figuren nie eindimensional werden: Gut fünf Millionen Zuseher hatte zum Jahreswechsel die Literatur-Verfilmung von ARTE und ZDF, „Unterm Birnbaum“, in der der ROMY-Gewinner mit Julia Koschitz ein Gastronomen-Ehepaar gab, das auf Abwege gerät. Als schräger Gerichtspsychologe Meiberger ist er für ServusTV im Einsatz. Dort wird er ab 10. März auch als dandyhafter Anwalt „Falk“ seinen Einstand geben. Für neue Folgen dieser ARD-Serie steht der 52-Jährige derzeit erneut vor der Kamera. Als wunderbar kaputter Bulle Kessel war er zudem gemeinsam mit Nicholas Ofczarek in Lars Beckers „Reich oder tot“ zu sehen. Eine Freude dieses menschliche Debakel.

Vielfalt

Eindimensional war auch nicht Fritz Karls Weg zum Schauspiel: Das vormalige Mitglied der Sängerknaben brach das Gymnasium ab, schaffte es aufs renommierte Max-Reinhardt-Seminar in Wien, das er aber vorzeitig verließ. Es folgten Jahre bei freien Gruppen in Wien und schließlich Engagements am Volkstheater und an der Josefstadt, wo er immer wieder umjubelte Gastspiele gibt. 1988 besetzte ihn Regisseur Dieter Berner erstmals fürs Fernsehen in der Arbeitersaga "Die Verlockung". Houchang Allahyris "Höhenangst" brachte ihm 1995 den Max-Ophüls-Preis als bester Nachwuchsschauspieler ein. Seinen Durchbruch beim breiten Publikum feierte Karl als Sebastian Reidinger an der Seite von Christiane Hörbiger in "Julia - eine ungewöhnliche Frau".


Große Filmographie

Für den Oberösterreicher gilt: Er kann Liebesgeschichten, kann Krimi, kann Thriller, Drama. Geschätzte 150 Produktionen umfasst allein seine Filmographie auf der Internet Movie Database. Darunter viele hochklassige Event-Produktionen fürs Fernsehen: „Krupp – Eine deutsche Familie“, „Käthe Kruse“, „Maria Theresia“ oder „Maximilian“ – durch die Bank preisgekrönt.

Das gilt auch für Kino-Produktionen, etwa die vielfach ausgezeichneten Heimatkomödie von Marcus H. Rosenmüller "Wer früher stirbt, ist länger tot" (2006), Simon Verhoevens Publikumserfolg "Männerherzen und die ganz, ganz große Liebe" (2011) oder das Erste-Weltkrieg-Drama Der stille Berg (2014, Regie: Ernst Gossner). In Ruth Maders futuristischem Thriller „Live Guidance“ versuchte er, aus dem Zwangssystem auszubrechen, was auch die internationale Film-Kritiker-Vereinigung preiswürdig fand.

Fritz Karl gehört zu den Mitgründern der Akademie des Österreichischen Films.