Romy 26.02.2018

Jan Böhmermann

Show/Unterhaltung: Jan Böhmermann (Neo Magazin Royale, ZDF neo) © Bild: Tibor Bozi

Böhmerwie, Böhmerwo, Böhmermann: Ein echter Satiriker hat Chancen auf die ROMY.

Weil manche hierzulande noch immer nicht wissen, was Satire ist - dieser Mann kennt sich aus: Jan Böhmermann ist wohl eine der polarisierendsten Persönlichkeiten, die sich in deutschsprachigen Medien umtun. Wenn der Moderator, Satiriker und Komödiant im "Neo Magazin Royale" auf ZDFneo den Finger auf den Punkt legt, dann schmerzt das wirklich. Dabei macht er vor nichts und niemanden halt und löst damit auch mal Staatskrisen oder zumindest öffentliche Erregung aus. So jüngst auch mit der maritalischen Ankündigung der neuen Staffel in Form einer Persiflage auf Österreich und dessen neuen Regierung: "Wir sind stolz auf das Neo Magazin Royale. Denn das Neo Magazin Royale ist wie Österreich: Klein, unbedeutend; keiner weiß, was es überhaupt soll oder warum es es überhaupt gibt - und es geht allen mächtig auf die Eier."

Der 36-jährige gebürtige Bremer kehrt aber auch vor der eigenen Tür, kritisiert die Medien, spielt mit ihnen, entblößt das Treiben und treibt sie vor sich her. So gründete er 2009 den Ersten Türkischen Karnevalsverein Deutschlands, simulierte den Schweinegrippe-geplagten Rüdiger Alt und verführte ProSieben und Sat.1 zu Falschmeldungen.

2014 postete Böhmermann die Aufnahme eines Hitlergrußes ohne die Einwilligung des Fotografen und löste damit eine Welle der Empörung aus. Diese traf jedoch nicht ihn selbst, sondern den Urheber des Fotos und entwickelte sich zu einem Streit über dessen Rechte.

Unter #Varoufake brach Jan Böhmermann 2015 eine landesweite Kontroverse los, als er behauptete, er hätte ein von Günther Jauch in seiner ARD-Sendung gezeigtes Video manipuliert. Auch wenn bald aufgeklärt wurde, dass der Ausschnitt, in dem der damalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis seinen Stinkefinger emporreckt, echt ist, enttarnte Böhmermann mit der Fälschung die vermeintliche Seriosität von Sender- und Zuschauerschaft. Für seine gelungene Satire auf den schönen Schein des Scheinjournalismus, wurde Böhmermann 2016 mit dem Grimme-Preis belohnt.

2016 spaltete die sogenannte Böhmermann-Affäre die ganze deutsche Republik und hinterließ den außer Kraft gesetzten §103 StGB ("Majestätsbeleidigung") und eine brüskierte Türkei. Im " Neo Magazin Royale", das er seit 2013 moderiert, hatte Böhmermann den schmalen Grad zwischen humoristischer Häme und verbotener Diffamierung mit dem Gedicht "Schmähkritik" beschritten. Darin führte er den türkischen Präsidenten Erdogan vor und war ihm – selbstverständlich nur zu Veranschaulichungszwecken - sexuell konnotierte Beleidigungen an den Kopf. Das Vorgehen des deutschen Staats in Folge ärgert Böhmermann noch immer. "Staatliche Akteure müssen die Grundrechte der Bürger schützen", sagte er jüngst derRheinischen Post. "Wenn es den Menschen selbst überlassen ist, sich vor Feinden der Meinungsfreiheit zu schützen, muss man den Staat in Frage stellen." Zivilrechtlich läuft das Verfahren um das Gedicht weiterhin.

Böhmermann hat sein Geschäft gelernt, war als Moderator und Komiker bei mehreren ARD-Radios (und wurde schon dort wegen einer Parodie auf Fußballer Lukas Podolski erstmals verklagt). Er hatte eine kleine TV-Show ( WDR) , werkte bei RTL und arbeitete für Harald Schmidt. Gemeinsam mit Charlotte Roche hatte er schließlich eine Talkshow auf ZDFkultur. Als die Autorin ausstieg übernahme Böhmermann, wobei er allein erfolgreicher ist als etwa bei einem Versuch mit Kollegen Olli Schulz. Vor einem Jahr wurde im schließlich neben vieler Auszeichnungen noch eine große Ehre zuteil: Er wurde als erster deutscher Comedian in die US-Talkshow Late Night eingeladen.

( kurier.at ) Erstellt am 26.02.2018