Romy
18.03.2018

Kai Pflaume: "Ich weiß genau, woher ich komme"

Romy-Nominee Kai Pflaume über seine Shows, Geld und Erfolg und seine Flucht aus der DDR.

Kai Pflaume ist einer der beliebtesten Show-Moderatoren im deutschsprachigen Raum und deshalb zurecht für die KURIER ROMY 2018 nominiert. Mit "Wer weiß denn sowas?" präsentiert der 50-Jährige einen Quoten-Hit in der ARD. Mit "Klein gegen Groß" unterhält er auch im ORF. Der Unterhaltungsprofi im Interview.

KURIER: Sie werden als Show-Allzweck-Waffe bezeichnet. Wie aber sehen Sie sich eigentlich?

Kai Pflaume: Ich sehe mich schon mal grundsätzlich nicht als Waffe. Aber wenn man den Begriff schon verwenden will, dann beinhaltet er sicherlich auch ein verstecktes Kompliment. Es bedeutet ja, dass man verschiedene Facetten und Talente hat und deshalb vielfach einsetzbar ist. Was die unterschiedlichen Sendungen, die ich mache, eint: Es ist gute Unterhaltung für die ganze Familie. Und ich habe viel Spaß an dem, was ich mache.

Auffällig bei Ihnen ist, Sie moderieren sehr zurückhaltend.

Ich verstehe mich vor allem als Gastgeber. Die Gäste sind die Stars. Ich tue alles dafür, dass es ihnen gut geht und sie sich in der Sendung wohl fühlen. Ich lache sehr gern mit meinen Gästen, aber nie über meine Gäste. Das unterscheidet mich vielleicht von einigen anderen: Ich nehme meinen Beruf ernst.

Das geht bei Ihnen so weit, dass Sie zum Beispiel bei "Klein gegen groß" die Kinder vor der Show besuchen. Warum?

Als wir das erste Mal über diese Sendungsidee gesprochen haben, die ich sofort sehr gut fand, war mir klar, dass wir die Kinder zuvor kennenlernen müssen. Es sind ja Kinder mit Spezialbegabungen, und man könnte meinen, das sind Zirkusnummern. So aber lernt der Zuschauer die Kinder und was sie bewegt in ihrem familiären Umfeld kennen. Es ist auch schöner, wenn die Kinder mich schon in ihrem vertrauten Umfeld kennengelernt haben, bevor sie zur Aufzeichnung kommen.

Gibt es Probleme mit "Eislauf-Eltern"?

Das Risiko gibt es sicher, aber das versuchen wir mit der redaktionellen Arbeit im Vorfeld auszuschließen. Wenn wir das Gefühl haben, dass es mehr die Eltern sind, die in die Show wollen als die Kinder, reagieren wir entsprechend darauf.

"Wer weiß denn sowas?" hat sich zum Quoten-Hit entwickelt, mit in Deutschland über vier Millionen Zusehern um 18 Uhr. Mit Bernhard Hoëcker und Elton haben Sie da zwei Mitspieler gefunden.

Wir sind ein gut eingespieltes Trio und kennen uns sehr gut. Jeder weiß, wie der andere tickt. Die Chemie stimmt einfach, und das ist es, was die Sendung auszeichnet. Bei "Wer weiß denn sowas?" haben unsere Spielkapitäne und Gäste tatsächlich Zeit und Platz, etwas von sich zu erzählen. Ich meine, bei uns erfährt man über die Gäste hin und wieder mehr als in Talkshows, weil man auf viele Themen, die man sonst gar nicht ansprechen würde, eher zufällig kommt.

Es ist ja auch wirklich erstaunlich zu sehen, wenn etwa Pop-Titan Dieter Bohlen sehr unsicher wird, wenn er sich bei einer Quizfrage festlegen muss …

… oder er zum Publikum meint, dass sie sich wegen der Scheiß-500 Euro nicht so anstellen sollen – das kommt frei von der Leber weg, das spüren auch die Zuseher. Denn diese Echtheit gibt es im Fernseher immer seltener. Prominente sind häufig sehr geschult, was den Umgang mit Kameras und Fragen betrifft. Vieles ist inzwischen auch gescriptet, da ist dann gar nichts mehr echt. Bei „Wer weiß denn sowas“ merken die Menschen hingegen, dass es wirkliche Emotionen sind. Dies und natürlich die Fragen und Auflösungsfilme, in denen man alles kurz und kompakt erklärt bekommt, machen den Erfolg der Show aus.

Wieweit sind Sie in die Entwicklung Ihrer Shows eingebunden?

Im Grunde bin ich vom ersten Moment an mitten drin. "Klein gegen groß" war nicht meine Idee, aber ich war von Anfang in die Entwicklung der Show involviert. "Kaum zu glauben!" ( NDR) habe ich mitentwickelt und auch "Wer weiß denn sowas?" war in weiten Teilen meine Idee. Mir ist das auch wirklich wichtig, in die Entwicklung eingebunden zu sein. Das ist so, wie wenn man sich einen Maßanzug bestellt, da sollte man auch zur Anprobe gehen, sonst passt das am Ende nicht.

Werden da im Team laufend Ideen geboren und zur Showreife gebracht, auch mit dem Ziel, sie zu verkaufen?

Das ist ja bei "Wer weiß denn sowas?" eher zufällig passiert. Aber dass diese Show inzwischen auch in anderen Ländern läuft, finde ich schön. Es macht einen auch etwas stolz, wenn man sich diese Sendungen dann ansieht und feststellt, die sieht genau so aus, wie die eigene und funktioniert auch so gut – es gibt noch kein Land, wo das anders gewesen wäre.

Sie haben, anders als viele Ihrer Kollegen, keine eigene Produktionsfirma?

Ich habe immer darauf geachtet, dass das Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben ausgeglichen bleibt. Und das hat man mit einer Produktionsfirma oft gar nicht mehr so sehr selbst in der Hand.

Wieso?

Am Beispiel "Wer weiß den sowas"?: Hätte ich davor eine gut gehende Produktionsfirma gehabt, dann hätte die 20 Mitarbeiter gehabt, was schon eine Menge ist. Bei dem Erfolg der Show hätte ich die Mitarbeiterzahl vervierfachen müssen. Denn sie ist ja aufwendig und hat sehr viele Folgen. Und klar könnte ich damit mehr verdienen. Aber das ist es nicht, was mich antreibt – ich möchte auch noch die Zeit haben, das, was das Leben bietet, zu genießen. Dazu gehört für mich vor allem, Zeit für die Familie zu haben, bei ihr zuhause sein zu können, mit ihr zu verreisen und Gemeinsames zu erleben. Ich sage auch immer: Ich arbeite, um zu leben und nicht umgekehrt.

Sie stellen das Mobiltelefon tatsächlich während des Urlaubs wochenlang ab?

Ich bin während fünf der sechs Wochen Urlaub nicht zu erreichen. Da weiß nur meine Agentin, wo ich bin. Nur so kommt man im Kopf weg von all den Dingen. Ich ertappe mich dann auch manchmal nach meiner Rückkehr in mein normales Leben dabei, dass ich mir denke, was haben die Leuten oft bloß für Probleme. Das ist für mich ein wichtiges Korrektiv – ich kann sehr gut auch ohne diese Öffentlichkeit sein.

Sie sind 1989, noch vor dem Fall der Mauer, geflüchtet. Warum wollten Sie damals weg?

Ich war ein Typ, der sehr gern und sehr viel ausprobiert hat und sei es nur, dass ich Boxershorts, die es nicht gab, schneidern ließ, um sie zu verkaufen. Da habe ich schnell gemerkt, dass man, wenn man Sachen versucht und das nicht systemkonform ist, immer wieder an Schranken stößt. Ich glaube, es wäre schwierig geworden, mich in so einem System auf Dauer zurecht zu finden. Zum Glück hatte ich damals den Mut und die Risiko-Bereitschaft, ja Verrücktheit, mit 22 Jahren alles hinter mir zu lassen. Ich bin damals gegangen, ohne zu wissen, ob ich je meine Eltern wiedersehen werde oder meine Heimatstadt, und habe mit diesem Schritt alles abgebrochen.

Und dann fiel die Mauer.

Heute bin ich heilfroh, dass so kurz danach der Mauerfall kam, denn ich weiß nicht, ob ich mit dieser Situation klar gekommen wäre. Es war für mich ein unglaublicher Schritt und ich habe mir alles, was dann kam, selbst aufbauen müssen. Daraus ergibt sich auch eine gewisse Demut, und ich weiß sehr genau, woher ich komme und wem ich den Erfolg von heute zu verdanken habe – den Zuschauern. Gäbe es die nicht so zahlreich, gäbe es mich in diesem Beruf nicht mehr. Das ist so und deshalb genieße ich das so sehr.

Sie sind in Leipzig aufgewachsen, sind seit klein auf Fan des FC Bayern, spielen manchmal auch in der All-Stars-Mannschaft. Was sagen Sie zum Projekt Rasenballsport Leipzig?

Ich sympathisiere durchaus auch mit Rasenballsport Leipzig. Wenn es nicht gerade gegen die Bayern geht. Es ist bemerkenswert, was sie dort geschaffen haben. Es ist das auch toll für Leipzig selbst, weil es der Stadt gut tut. Ich war auch schon ein paar mal im Stadion und die Athmosphäre ist wirklich toll. Natürlich hat der Verein nicht diese lange Historie, aber dieses Produkt RB Leipzig ist anerkennenswert. Wobei mein Verein als Kind Chemie Leipzig war, aber die traditionsreicheren Vereine haben es aus verschiedensten, auch hausgemachten Gründen nicht geschafft, nach oben zu kommen. Natürlich hilft gerade am Anfang, die Wirtschaftskraft die hinter RB steht. Jetzt ist der Anspruch aber ein anderer geworden und man misst sich mit den großen Vereinen. Das muss man nun sportlich belegen.

Sie sind sehr bekannt, auch hier in Österreich. Wie gehen Sie damit um, öffentliche Person zu sein?

Ich leide nicht darunter, gar nicht. Ich finde das nett und spannend, wenn ich so wie hier in Wien auf der Straße herumspaziere und angesprochen werde. Daraus entwickeln sich oft sehr nette Gespräche. Stellen Sie sich mal vor, ich könnte durch Wien laufen und niemand würde mich erkennen – dann hätte ich etwas doch etwas falsch gemacht in meinem Beruf. Insofern sehe das als Kompliment.

Danke für das Gespräch.