Auf die  Mischung kommt es an: Hannelore Elsner spielt gern Dramatisches, aber auch leichte Stoffe 

© /Dominik Elstner

Interview
04/23/2015

"Die Rollen finden mich"

Schauspielstar Hannelore Elsner ist für die ROMY nominiert und drehte in Linz.

von Christoph Silber

Sie ist eine Große des deutschsprachigen Films und gibt trotzdem nicht viel auf Konventionen: Hannelore Elsner. In den vergangenen Tagen stand sie in Oberösterreich für den neuen Kino-Film von Andreas Gruber, "Hannas schlafende Hunde", vor der Kamera.

KURIER: "Hannas schlafende Hunde" ist die authentische Geschichte eines 10-jährigen Mädchens und ihrer Großmutter im Wels der 60er-Jahre. Was hat Sie an dieser Geschichte gereizt?

Hannelore Elsner:Es geht um die blinde, jüdische Großmutter Ruth, die Hanna beibringt, mutig zu sein und Rückgrat zu zeigen. Was mich an dieser Rolle interessiert hat, ist, dass es sich um eine starke, selbstbewusste Frau handelt, obwohl sie alle Schrecken des Holocausts und des Krieges miterlebt hat. Die Geschichte spielt in dieser schrecklich spießigen, reaktionären Zeit Anfang der 60er-Jahre, als noch die alten Nazis unter uns waren. Es war eine Zeit, in der die Leute ihre Identität verleugneten. Und genau da bringt diese starke jüdische Großmutter ihrer Enkelin bei, zu sich zu stehen.

Ebenfalls um eine jüdische Frau geht es im Kino-Film "Auf das Leben", für den Sie für die ROMY nominiert wurden.

Das ist, zeitlich betrachtet, ein Zufall. Ich mag diesen Film sehr und freue mich, dass er zur ROMY-Nominierung geführt hat und auf vielen Festivals läuft – von Haifa über São Paulo bis zuletzt in San Francisco, wo ich auch einen Lifetime Achievement Award erhalten habe. In diesem, von Alice Brauner produzierten Film, treffen eine ältere Frau und ein junger Mann aufeinander, die beide nicht mehr leben wollen. Doch dieses Treffen ist deren Glück. Dieser Film zeigt die Kraft von Menschen, die durch Schmerz und Leid gehen und es schaffen, das für das Leben zu überwinden.

In Ihre Nominierung eingeschlossen ist auch der Hauptabend-Film "Ein Sommer im Burgenland"…

Ich finde diese Kombination aus einem wunderbaren Arthouse-Film und einem netten Melodram – ich nenne so etwas eine "schöne Schnulze" – schön.

Wie suchen Sie Ihre Rollen aus?

Ich sage immer, die Rollen finden mich. Bis jetzt kam auch jede Rolle zur richtigen Zeit. Ich liebe dramatische Stoffe und spiele Drama gern. Aber ich liebe auch die leichteren Rollen. Wie auch in meinem Buch "Im Überschwang" steht: Ich bin himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Das ist das, was mir gerecht wird.

Sie werden wegen Ihres Charity-Engagements am Samstag nicht bei der ROMY-Gala in der Hofburg dabei sein können.

Das tut mir sehr leid. Aber ich habe im Raum Frankfurt, wo ich lebe, für eine Veranstaltung zugesagt. Da sind die Plakate gedruckt, die Einladungen verschickt. Ich lese aus meinem Buch "Im Überschwang" zugunsten benachteiligter Jugendlicher. Danach signiere ich meine Bücher, die dann versteigert werden. Wir sammeln Geld, um jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen. Das kann ich nicht absagen oder verschieben. Das Datum für diese Veranstaltung steht seit über einem halben Jahr fest. Das ist für mich eine sehr wichtige Veranstaltung, auch wenn ich so gerne in Wien gewesen wäre.

Preise, Auszeichnungen – ist dergleichen einem Schauspieler, einer Schauspielerin überhaupt wichtig?

Wenn man sie nicht bekommt, kann es einem egal sein. Aber wenn man einen Preis bekommt, ist es wunderbar. Wer anderes sagt, der sagt nicht die Wahrheit. Ich nehme so etwas als Auszeichnung wahr und als Aufforderung weiterzumachen und weiter das Beste in meinem Beruf zu geben.

INFO: ORF2 überträgt am Samstag, ab 21.10 Uhr, die KURIER-ROMY-Gala live aus der Wiener Hofburg. Schon am Freitag gibt es in ORFIII (ab 22.40) die Zusammenfassung der Akademie-Preis-Verleihung vom Vorabend zu sehen.

Ganze Schauspielerin, halbe Österreicherin

Hannelore Elsner wurde in Burghausen geboren. Ihr Vater war Salzburger. Die renommierte Schauspielerin wurde für ihre Arbeit vielfach ausgezeichnet u. a. mit der Goldenen Kamera, Bambi, Grimme-Preis, Deutschem Filmpreis ("Die Unberührbare", "Mein letzter Film"), Telestar ("Die Kommissarin"). Das Bundesverdienstkreuz erhielt sie 1997, 2006 den Bayerischen Fernsehpreis für ihr Lebenswerk.

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