Romy
12.03.2018

Gerhard Liebmann: "Eigentlich bin ich ein ganz Lieber"

Der ROMY-nominierte Schauspieler sucht in seinen Rollen nach seinem Ich.

Das Schwarze und das Komödiantische liegen ihm gleichermaßen und fordern seine besondere Begabung heraus, sich in die unterschiedlichsten Charaktere zu verwandeln. Auch seine Bösewichte unterlegt er gerne mit einem doppelten Boden. Die Verwandlung gelingt ihm jeweils so perfekt, dass man ihn in den zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen, die er bereits gespielt hat, oft erst auf den zweiten Blick erkennt. Die Rede ist von Gerhard Liebmann. Er zählt zu den meistgebuchten Schauspielern Österreichs. Für sein Publikum will Gerhard Liebmann alles Mögliche sein - nur nicht er selbst. Dazu ist ihm sein Privatleben zu wichtig. Aktuell ist der für die ROMY-Publikumspreise nominierte Liebmann im Kino zu sehen: In Reinhold Bilgeris Spielfilm "Erik & Erika". Er spielt darin den Vater von Erik Schinegger – jenes Mannes, der einmal Weltmeisterin war.

KURIER: Sie wollten seit Ihrer Kindheit Schauspieler werden. Was hat Sie daran gereizt?

Gerhard Liebmann: Es hat mich immer schon gereizt, mich quasi "auszuprobieren", alle nur möglichen meiner inneren Grenzen auszuloten. Ich wollte durch die Schauspielerei ganz einfach leben lernen. Aus dem Manko heraus, dass ich selbst nicht so genau weiß, wer ich bin. Man sagt ja vielen Schauspielern nach, dass sie nicht ohne Grund diesen Beruf ergriffen haben. Weil irgendetwas in ihnen "nicht stimmt" (lacht). Bis jetzt kann ich nur mutmaßen wer ich wirklich bin.

Spielen Sie deshalb so viele verschiedene Rollen, damit Sie sich vielleicht in einer dieser Figuren wiedererkennen?

Genau! Abgesehen davon ist es viel spannender, möglichst unterschiedliche Charaktere zu spielen, als immer nur sich selbst – oder den, der man für das Publikum gerne sein möchte. Dabei geht es mir nicht darum, in jeder Rolle anders zu sein, sondern darum, wie ich mich der jeweiligen Figur am besten nähern, wie ich sie am besten begreifen kann. Und wenn alles gut geht, verstehe ich dabei auch immer mehr von mir selbst.

Sie haben Ihre Karriere auf der Bühne begonnen, machen aber seit Jahren hauptsächlich Filme. Fehlt Ihnen der direkte Kontakt zum Publikum?

Meine Liebe gehört dem Film. Vielleicht bin auch kein so guter Theaterschauspieler, weil ich keine großen Gesten und laute Töne mag. Denn die braucht man, damit eine Emotion auch in der letzten Reihe ankommt. Eine Filmkamera kann sogar Gedanken sichtbar machen. Man braucht dazu kein übertriebenes Mienenspiel, sondern es genügt, die Gefühle einer Figur möglichst authentisch nachzuempfinden. Diese Reduktion fasziniert mich. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Kunst und Leben und darauf sollte es bei der Schauspielerei ja ankommen

Sind Sie Ihrem wahren "Ich" inzwischen eigentlich nähergekommen?

Ich beginne bereits immer mehr, ich selbst zu sein.

Sind Sie besser oder böser, als Sie bisher angenommen haben?

Ich glaube ich habe alles in mir. Nein! Eigentlich bin ich schon ein ganz Lieber!

Interview: Gabi Flossmann