Romy
01.03.2012

Die erste ROMY war für den Hugo

Franz Ferdinand Wolf, KURIER-Chefredakteur in den Jahren 1988 bis 1993, erinnert sich an die erste ROMY-Verleihung.

Was haben ein außerirdischer Katzen-Feinspitz, ein Wagen-holender Kiberer, eine Schöne ohne Biest und Winnetous kleine Schwester gemeinsam? Sie alle waren 1990 Preisträger der allerersten KURIER-ROMY. Die Verleihung der güldenen Statuette war jedoch alles andere als glamourös, sie erinnerte vielmehr an eine Zeugnisverteilung. Zumindest hat sie Franz Ferdinand Wolf so in Erinnerung.

Sehr bescheiden "Ich werde das nie vergessen. Wir sind damals mit den ROMYs im Gepäck auf den Küniglberg gereist und haben die Preise in einer ganz kleinen Feier, wie bei einer Notenvergabe, verteilt. Das waren nur 30 Leute, es wurde Mineralwasser getrunken, und man ist einfach nett zusammengesessen", schmunzelt Wolf. Dass die erste Überreichung ohne Pomp und Trara über die Bühne gehen musste, hatte juristische Gründe. "Damals gab`s wieder einmal einen Zeitungskrieg - gegen Kurt Falk und seine Ganze Woche . Man hatte Angst, durch eine groß angelegte ROMY-Verleihung juristische Probleme zu bekommen. Deswegen organisierten wir keine große Veranstaltung."

Rechtliche Fragen waren nicht die einzigen Probleme, womit die ROMY-Macher zu kämpfen hatten. "Natürlich war im Haus eine gewisse Skepsis vorhanden, ob wir als Printmedium überhaupt Showstars feiern wollen. Letztlich wurden aber alle überzeugt, besonders, als die ROMY erfolgreich wurde und sich auch internationale Stars gerne damit schmückten." So zählten "Apanatschi" Uschi Glas, Fritz Wepper (Derricks Harry), Alf , aber auch Linda Hamilton ("Die Schöne und das Biest", "Terminator") zu den Ausgezeichneten. Der "Terminatrix" wurde der Preis sogar direkt nach L.A. gebracht und von einem KURIER-Redakteur überreicht.
Hamilton zeigte sich begeistert, noch mehr jedoch ihr damals neun Monate alter Sohn Dalton , der den glänzenden Gegenstand aus good old Europe zum Spielzeug erkor.

Den umgekehrten Weg beschritt Barbara Wussow. Die Auszeichnung für die "Beliebteste Nebendarstellerin" war ihr eine Unterbrechung der Flitterwochen wert. Mit ihrem frisch angetrauten Albert Fortell im Schlepptau reiste sie extra nach Wien.
Ähnlich motiviert zeigte sich auch Klaus Maria Brandauer, doch man ließ den "Beliebtesten Schauspieler 1990" nicht vom Filmset in Alaska.
Kein Problem mit der Anreise, dafür Angst vor so viel Ruhm und Ehre, hatte Hugo Portisch. Als er die Kunde von seinem Preis als "Beliebtester TV-Kommentator" vernahm, schlotterten ihm die Knie. "Irgendwie macht einem so ein Preis auch Angst. Dahinter stecken sehr viele Erwartungen, die man nicht enttäuschen möchte." Lieber Herr Portisch, 20 Jahre danach sei Ihnen versichert: Ihre Angst war unbegründet. Sie haben alle erfüllt!

Rückblickend gilt dies auch für die Namenswahl. Rudolf Johns Vorschlag, sein 30,5 Zentimeter großes Ding auf den Namen der seligen ROMY (Schneider) zu taufen, stieß bei Chefredakteur Wolf auf wenig Gegenliebe. "Ich war da sehr skeptisch, schließlich war Romy Schneider ein Film- und kein TV-Star." Doch John setzte sich durch, denn wäre Wolfs Argument schlagend geworden, hieße der Preis vielleicht jetzt Hugo...