Romy
12.03.2016

Der Mann des Vorstadtweibs

Juergen Maurer ist auch in der zweiten Staffel der "Vorstadtweiber" der schräge Georg.

Ob "Vorstadtweiber", " Tatort" oder "Neben der Spur" - Der einstige Bühnenmensch Juergen Maurer ist zu einer Fixgröße im Fernsehgeschäft geworden. Der gebürtige Klagenfurter über seine Karriere.

KURIER: Sie haben schon sehr viele unterschiedliche Figuren dargestellt, ist Georg Schneider der erste Schwule Ihrer Karriere?

JUERGEN MAURER: Ja, er ist tatsächlich mein erster Schwuler im Fernsehen. Wenn man von der äußeren Erscheinung her quasi der Testosteron-lastige Typ ist wie ich, wird man eher nicht damit besetzt, und ich bin sehr froh, dass es der ORF doch getan hat.

Und sie mussten nicht einmal Ihre Haare blond färben.

Na Gott sei Dank! Denn dieses Stereotyp vom androgynen Homosexuellen gibt’s ja im wahren Leben auch nicht. Aber es gibt tatsächlich unheimlich maskuline Schwule.

Und was fasziniert Sie an dieser Figur des Georg ganz besonders?

Dass er ein so vielschichtiger Charakter ist. Diese tragikomische Ambivalenz zwischen dem Sohn der Kommunardin, der versucht, sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen und es nicht schafft und in seinem Streben nach Glück einfach die unfassbarsten Wege geht. Das finde ich einfach großartig. Eine toll entworfene Figur, vom Uli Brée fantastisch geschrieben. Das ist ein Geschenk für einen Schauspieler!

Sie sind auch als Polizist Vincent Ruiz in der erfolgreichen deutschen Reihe "Neben der Spur" zu sehen. Im Allgemeinen werden ja österreichische Künstler wegen sprachlicher Vorurteile eher selten engagiert.

Ja, das ist leider ein Ressentiment, das vonseiten deutscher Produktionsfirmen und bei Redakteuren noch immer besteht. Aber ich war fünf Jahre in Leipzig und spreche akzentfreies Bundesdeutsch.

Da Sie so lange in Leipzig waren, können Sie sicher auch sächseln ...

Ich kann per Spaß sächseln, aber Dialekt ist wieder etwas ganz anderes, und beruflich will ich mir das nicht anmaßen. Doch ich kann Bundesdeutsch sprechen, was ja in manchen Redaktionsstuben mit Hochdeutsch verwechselt wird. Da heißt es oft: ,Sie sprechen ja perfektes Hochdeutsch‘, und ich antworte: ,Ich spreche perfektes Bundesdeutsch‘.

Und wie konnten Sie ihren Einstieg in die deutschen Produktionen überhaupt schaffen?

Ich hatte einfach Glück, weil ich über "Das Wunder von Kärnten" für deutsche Produktionen interessant wurde – dadurch, dass der Film auch mit seinen internationalen Auszeichnungen viel Aufmerksamkeit erregt hat. Danach hat mich die Network Hamburg für den Film "Das Paradies in uns" engagiert. Da habe ich auch den Drehort-Glücksfall erlebt, einen Monat lang auf Maui (Hawaii) für das ZDF zu drehen (lacht): 28 Tage Aufenthalt, zehn Drehtage! Können Sie sich das vorstellen? Es war fantastisch! Und darüber hat sich die Zusammenarbeit mit Network Hamburg ergeben, und dann war es irgendwann einmal gesetzt, dass man mich in deutschen Produktionen als normalen deutschen Schauspieler besetzen kann.

Das heißt, "Das Wunder von Kärnten" war für Sie ein doppeltes Wunder.

Ja, ich bin dem Andreas Prochaska in alle Ewigkeit dankbar! Das hat mich über den österreichischen Tellerrand hinaus auch auf den deutschen Bildschirm gebracht. Ich habe viel davon profitiert.

Sie haben ja mit Prochaska noch weitere Filme gedreht: "Das Attentat – Sarajevo 1914", "Spuren des Bösen – Liebe" ...

Ja, das ist Gott sei Dank ein treuer Regisseur. Das hängt auch mit einem gewissen Pragmatismus zusammen, weil Prochaska spezifische Vorstellungen hat, und er weiß aus Erfahrung, welche Leute seine Anforderungen umsetzen können.

Was hat Sie seinerzeit bewogen, von der bildenden Kunst zur Darstellenden zu wechseln?

Während meines Grafik-Studiums an der Akademie der bildenden Künste habe ich 1989 in der Kleinkunstbühne "Kulisse" gejobbt und bin so beim Tischabwischen in ein Vorsingen für das Musical von Willy Russell, "Blutsbrüder", hineingerutscht. Das war mein erstes professionelles Engagement.