Reise 05.12.2011

Wellness für zwischendurch

Ob Hotel oder eigenes Institut - der Day-Spa-Trend hat Österreich erreicht. Was an der inszenierten Erholung dran ist.

Hektik und Stress hinter sich lassen, eintauchen in eine andere Welt - und sich ein paar Stunden später als völlig neuer Mensch wieder dem Alltag widmen: Sogar Entspannung muss heute schnell passieren.

"Heutzutage haben wir alle immer weniger Zeit, uns zu erholen. Viele können auch am Wochenende nicht wegfahren. Im Day Spa kann man sich aber auch während der Arbeitswoche alleine oder zu zweit eine Auszeit nehmen. Sozusagen ein Kurzurlaub ohne Kofferpacken und Ortswechsel", sagt Gabriela Hribernig. Mit ihrem Mann Mario eröffnete sie gestern, Freitag, in Wien-Hietzing das "Private Day Spa". Wie ein Hotelzimmer kann man eine der Spa-Suiten buchen - von einer Stunde bis zu einem ganzen Tag.

Doch was macht so ein Day Spa tatsächlich aus? Woran kann man sich als Kunde orientieren? Angenehme Massagen oder Kosmetikbehandlungen sind ja auch woanders zu haben. Und auch immer mehr gehobene Hotels bauen ihre Wellnessanlagen zu Spas um und öffnen sie für Nicht-Hotelgäste, die schnell mal relaxen wollen. Doch oft liegt der Erholungssuchende dort erst recht wieder in Räumen, in die kaum mehr als eine Behandlungsliege passt.

Eine genaue Spa-Definition gibt es jedenfalls nicht. "Es ist ein Oberbegriff für Gesundheits- und Wohlfühlanwendungen sowie -einrichtungen, die häufig, aber nicht zwingend einen Bezug zum Medium Wasser aufweisen", heißt es beim deutschen Wellnessverband. In manchen Day Spas gibt es überhaupt nur Beauty-Behandlungen.

Import aus Übersee

Entspannung im hektischen Alltag: Entschleunigung und für kurze Zeit in eine andere Welt einzutauchen kann ausgleichend wirken.
© Bild: Subbotina Anna - Fotolia

Die Idee kommt jedenfalls aus den USA und ist vermutlich unter anderen Vorzeichen als hierzulande entstanden, meint Christian Werner. Der Wellness-Experte gibt alljährlich den kritischen Relax-Guide heraus. "Die Amerikaner haben im Gegensatz zu uns viel weniger Urlaub.

Aus dieser Zeitnot kommt das Bedürfnis nach komprimierten Massage-, Fitness- und Relaxangeboten. Dort ist praktisch alles ein Day Spa, das irgendwo ein Fitnessgerät herumstehen hat." Vom Day-Spa-Konzept an sich hält Werner wenig. "Ich glaube da nicht so an eine richtige Erholung. Egal, wo und welche Behandlung: Der Körper braucht mindestens 40 Minuten Nachruhezeit. Der Effekt ist doch sehr schnell weg, wenn ich gleich wieder im Stau oder in überfüllten Öffis feststecke."

Dem widerspricht Gabriela Hribernig. "Unsere Gäste sind oft in so einem engen Korsett. Sie suchen etwas, womit sie ihre Ressourcen schnell auffüllen können. Dafür erwarten sie aber Methoden, die ihnen auch in kurzer Zeit wirklich spürbar etwas bringen." Darauf habe man sich bei der Auswahl des Angebots konzentriert (siehe unten) - ebenso wie die Wellness-Industrie, die bei ihren Neuheiten verstärkt auf diesen Aspekt setzt.

Im Trend liegen Farb- und Klang-Behandlungen, die alle Sinne ansprechen. Christian Werner sieht diese Entwicklung zu einer "inszenierten Erholung" durchaus kritisch: "Wir sind ohnehin schon so reizüberflutet. Weniger ist mehr. Man hat halt nicht jeden Tag Gelegenheit, einen tollen Sonnenuntergang zu beobachten."

Warmes Öl und Schokomassage

Day Spas sind bevorzugt in größeren Städten zu finden. Zum Service gehören meist ein eigener Bademantel und Handtücher. Eine Auswahl:

Hotel Die Anbieter werden immer mehr. Die Day-Spas sind auch für Nicht-Hotelgäste zugänglich, etwa im Hotel Sacher (Bäder, Sauna, Fitness, Kosmetik, Schokolade-Massagen), The Ring (Massagen, Anti-Stress-Dreamland) oder Sofitel (Hamam, Fitness, frz. Kosmetik). Im Radisson Blu Palais Hotel gibt es ein Floatarium zum schwerelosen Schweben.

Institut Eines der ersten war das "Pure Day Spa" (1., Tuchlauben). Neben klassischen Beauty-Anwendungen gibt es zwischen 12 und 14 Uhr auch spezielle "Lunch Treats" oder nach einer langen Reise eine "Jetlag Therapy" mit warmen Ölen. Außerhalb Wien hat sich in Hall in Tirol das The Point Dayspa etabliert.

Exotisch Ein Stück in den Orient entführt das "Aux Gazelles" mit seinem originalen türkischen Hamam (6., Rahlgasse 5). Traditionelle thailändische Massagen und Aromatherapien gibt es hingegen im Shofah Spa (9., Säulengasse 13).

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011