Reise
28.12.2011

Tourismus-Rekord: Elf Millionen Nächtigungen in Wien

Russen, Italiener und Deutsche lassen in der Silvesternacht in Wien alle bisherigen Fremdenverkehrsrekorde purzeln.

Wenn zu Silvester die Korken der Sektflaschen knallen und Feuerwerke den Himmel über Wien erleuchten, dann feiert Wien-Tourismus ausgiebig mit. Denn spätestens in der Silvesternacht werden alle bisherigen Rekorde der Vergangenheit angehören und die Schallmauer von elf Millionen Nächtigungen wird durchbrochen sein.

Der Rekord bahnte sich bereits im Oktober an, als man erstmals mehr als eine Million Bettenbuchungen zählte. Mit 10,4 Mio. Übernachtungen lag man dann im November – 31 Tage vor dem Jahreswechsel – schon knapp am Rekordjahr 2010 (10,9 Mio). Der aktuelle Buchungsstand der Hotellerie: Wien ist zu Silvester ausgebucht, der Rekord nur noch ein Formalakt.
Zu verdanken hat Wien den Rekord seinen vielfältigen Angeboten von Kultur, Lebensqualität, stabilen Preisen. Auch bei der Sicherheit konnte Wien als Reisedestination gegen andere Städten klar punkten.

Den Aufschwung ermöglichten Touristen aus Russland, (+36 %, siehe rechts ), den USA (+30 %), Spanien (+16 %), Großbritannien und Japan (je +10 %). Die Buchungen im Dezember laufen seit der Erfindung des Adventzaubers besonders gut. 1986 zählte man noch 302.000, heuer liegt man bei fast 900.000.

Als Silvestergäste werden heuer in den Vier-und Fünfsternhäusern viele Deutsche begrüßt. Tschechen und Ungarn teilen sich den 2. Platz gefolgt von den Italienern. Schon an 5. Stelle liegen die Russen mit den höchsten Zuwachsraten. Insgesamt waren 2011 bereits 469.000 Russen in Wien.

Die guten Buchungszahlen erfreuen zwar die Branche, die derzeit in 409 Wiener Hotels 52.905 Gästebetten in 27.546 Zimmern anbietet, der aktuelle Bettenboom durch die Eröffnung neuer Hotels bereitet allerdings auch Sorgen: 2012 werden mehrere neue Häuser den Betrieb aufnehmen.
Neue Hotels So etwa auch das einige Monate verwaiste Hotel am Schubertring mit 207 Zimmern, das nach dem Vertragsausstieg von Shangri La nun von der Ritz Carlton -Gruppe betrieben wird. Das Doppio in St. Marx, das Sans Souci in der Burggasse und mehrere Designer-Hotels werden im ersten Halbjahr eröffnet. Das Kempinsky am Schottenring (150 Zimmer) und das Four Seasons (160 Zimmer) in der Riemergasse folgen.
2013 kommen das Park Hyatt am Hof und das Hotel Schwarzenberg dazu. Die Gesamtkapazität an Hotelbetten wird nach derzeitigen Prognosen dann 62.544 Betten (+9639) betragen.

„Die ganze Kärntner Straße ist voll mit russischen Touristen“

Die Wiener Innenstadt kurz vor Silvester: Alle fünf Meter stehen Touristen mit ausgebreiteten Stadtplänen und fragenden Blicken. Andere sitzen schon in den Kutschen und lassen sich durch die City chauffieren.

Aus aller Welt strömen die Touristen zu Weihnachten in die Hauptstadt. Seine Landsleute erkennt der russische Geschäftsmann Gabriel Borochov aber sofort: „Sehen Sie die Dame dort? So kleiden sich keine österreichischen Frauen“, sagt er und spricht die ältere Dame an. Sie antwortet auf Russisch und ist froh über Borochovs Hilfe. Denn das Kunsthistorische Museum, nach dem sie auf der Karte vor Borochovs Geschäft verzweifelt sucht, findet sie beim besten Willen nicht.

Seit mehr als 20 Jahren organisiert Borochov Reisen für russische Gäste nach Österreich. Das Klientel Borochovs ist dabei ein ganz spezielles: „Ich betreue vor allem Politiker und Wirtschaftstreibende“, sagt der Geschäftsmann einsilbig. Dass auch der ehemalige Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow zu seinem Kundenstamm zählt, muss man dem 43-Jährigen schon aus der Nase ziehen: „Meine Kunden schätzen Verschwiegenheit“, sagt Borochov.
Über mangelnde Geschäfte kann der Unternehmer nicht klagen: „Gehen Sie mal auf die Kärntner Straße. Die ist voll mit russischen Gästen“, sagt Borochov, der auch Skireisen für seine betuchten Gäste organisiert.

Über den Ansturm der russischen Touristen freut man sich auch in der Schmuckboutique Frey Wille am Lobkowitzplatz. „80 Prozent unserer Kunden kommen aus Russland. Voriges Jahr waren es nur 70 Prozent“, sagt die Shopmanagerin Alexandra Albrecht.

Gerüstet sind die Geschäftsleute auf den Ansturm der Russen unterdessen optimal: „Seit drei Jahren beschäftigen wir russischsprechende Mitarbeiterinnen. Ohne sie geht es nicht mehr“, sagt Albrecht.